Auf das absterben herrn Raymond Faltzens, weit-berühmten königlichen Preußischen medailleurs. B. N

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Auf das absterben herrn Raymond Faltzens, weit-berühmten königlichen Preußischen medailleurs. B. N (1709)

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Da Bonn durch Preussens starcken held
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Und Cöhorns donner niederfällt:
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Da Wien die freuden-paucken rühret;
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So leidt hingegen Phöbus noth,
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Und klagt, daß er durch Faltzens tod
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Mehr, als ein gantzes heer, verliehret.

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Zörnt nicht, ihr helden! die ihr denckt,
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Daß alles an dem degen hengt:
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Jhr seyd der brust-schild unsers lebens;
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Doch, soll euch einst die nach-welt sehn,
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So muß es durch die kunst geschehn:
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Sonft ist eur hoher ruhm vergebens.

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Jhr rennet wall und mauren an;
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Wir sagen, was ihr habt gethan:
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Jhr sterbet; Unsre wercke bleiben.
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Camill! wer dächte noch an dich,
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Geschäh es nicht durch kupffer-stich,
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Geschäh es nicht durch kunst und sehreiben?

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Ja, Friedrich! deine crönungs-that,
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Die keinen zusatz nöthig hat,
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Und grösser ist, als wir es meinen,
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Die würde, könten stahl und stein
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Und bücher nicht die zeugen seyn,
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Uns selbst als eine fabel scheinen.

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Drum hast du bey der grossen macht
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Auch stets auf grossen ruhm gedacht,
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Und so viel künstler aufgeführet,
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Daß man nicht wohl zu sagen weiß,
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Ob dir mehr in dem felde preiß,
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Ob in der musen chor gebühret.

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Dein Faltz, den Phöbus itzt beklagt,
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War schon an Franckreich halb versagt;
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Jedoch dein glantz hat ihn bewogen,
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Daß er Pariß für nichts geschätzt,
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Den schein der wahrheit nachgesetzt,
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Die tugend lastern vorgezogen.

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Und dergestalt muß Ludewig
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Wohl freylich über deinen sieg,
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O grosser held! für eyfer breunen:
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Schlag, spricht er, wie man schlägt und ficht,
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Beraub mich nur der künstler nicht,
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Die, was mir fehlt, ersetzen können.

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Ach! köntest du doch auch zugleich
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So, wie du dir ein königreich,
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So, wie du unser heyl gebauet,
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Uns Faltzen aus dem grabe ziehn,
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Durch dessen künstliches bemühn
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Die gantze welt dein bildniß schauet;

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Was wunder würden wir nicht sehn,
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Die ja zum theile schon geschehn,
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Theils aber bald geschehen werden!
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Allein GOtt zieht den schau-platz zu:
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Faltz geht zu seiner seelen-ruh,
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Und seine kunst mit ihm zur erden.

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Jhr Musen! die ihr in der höh’,
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Jhr Nymphen! die ihr an der Spree
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Und kühlen ufern pflegt zu wohnen,
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Hüllt seinen leib in scharlach ein!
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Streut rosen auf den leichen-stein!
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Pflantzt in den umkreis anemonen!

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Der viel unsterblich hat gemacht,
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Liegt nunmehr in des todes nacht;
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Doch, was er andern hat gegeben,
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Das bleibt ihm wieder zum gewinn?
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Sie werden ewiglich durch ihn,
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Er wird in ihrem bilde leben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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