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Das unglückseeligste geschlechte dieser welt,
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Der auszug aller noth, der sammel-platz der schmertzen,
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Wo kummer und verdruß die stete hofstadt hält,
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Seyd ihr, wie mich bedünckt, ihr guten jungfer-hertzen!
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Der jammer, der euch drückt, ist nicht zu übersehn:
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Euch armen kindern muß fast nichts als alles fehlen;
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Und will ich, wo es nur vor wehmuth kan geschehn,
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Hier nur das wenigste von eurer noth erzehlen.
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Wie quälet euch der tag! wie martert euch die nacht!
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Wie macht die einsamkeit euch doch so unvergnüget!
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Und wer ein wenig giebt auf eure seufftzer acht,
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Merckt, daß die kranckheit euch in allen gliedern lieget:
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Die augen dürffet ihr nicht, wie ihr wollet, drehn,
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Und keinen freyen blick nach manns-personen wagen,
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Gleich fängt die mutter an: Solt du nach kerlen sehn?
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Du geiles raben-aas! dich soll der guckguck plagen!
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Jhr müsset kopf und halß, den roß und mäulern gleich,
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Jm zaum und im gebiß, ja im gewichte, tragen:
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Die ohren sind wie taub, und ihr erröthet euch,
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So offt man einen schertz und lustig wort will sagen:
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Fast jede sylbe kehrt bey euch auf schrauben ein:
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Die lippen müsset ihr in enge falten fassen,
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Und daß kein bissen ja zu wichtig möchte seyn,
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Muß offt ein mandelkern sich viermahl theilen lassen:
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Was aber fängt indeß der arme magen an?
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Der muß vor erbarkeit so durst als hunger leiden,
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Es wird kein guter trunck und rechter biß gethan,
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Wenn ihr nicht erst dabey könnt die gesellschafft meiden:
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Das starcke schnüren preßt euch lung und leber ein:
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Und das beklemmte hertz, das so viel seufftzer nagen,
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Als federn offtermahls in eurem bette seyn,
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Darf einen kaum davon der liebsten schwester sagen:
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Die hände füllt man euch mit zwirn und nadeln an,
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In die ihr lieber wünscht was männliches zu schliessen:
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Und lencket euer fuß sich auf die liebes-bahn,
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So führt die mutter euch alsbald zum kleppel-küssen.
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So ist auch sonst an euch kein glied von schmertzen frey,
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Und so verbringet ihr, gleich siechen, eure tage,
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Und müsset zugestehn, die jungfer-plage sey
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Noch viel beschwerlicher, als wohl die mutter-plage.
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Hochwerther bräutigam! die schrifft, die seine hand
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Einst von dem krancken-weh der jungfern hat geschrieben,
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Hat uns so wohl gelehrt derselben übelstand,
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Als mittel angezeigt, wodurch er wird vertrieben;
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Jtzt schenckt der himmel ihm ein angenehmes kind,
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Das bald die frohe schaar der Nymphen wird vermissen,
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Und das sich gegen ihm vor liebe kranck befindt:
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So wird er es beglückt denn auch zu heilen wissen,
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Ich weiß, die liebe wird hiebey mit eigner hand
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Von viel vergnügungen und tausend lieblichkeiten
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Ein labsal, welches ihr noch beyde nicht erkannt,
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Zu eurer stärckung euch verlobten zu bereiten.
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Wohl ihr! beglückte braut! daß ihr befreyter fuß
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Kan aus dem lazareth der jungfer-schaar entweichen!
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Und daß itzt täglich ihr des liebsten süsser kuß
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Vor alle böse lufft wird heilungs-mittel reichen!
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Mein wunsch, den ihr hiebey in wenig zeilen schaut,
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Ist dieser: Daß euch nichts als schertz und lust vergnüge!
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Lebt beyde stets gesund! doch also, daß die braut
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Sechs wochen manchmahl kranck, doch ohne schmertzen, liege!