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Das frauenzimmer theilt sich in zwey classen ein,
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Und ist in seiner art groß oder etwas klein:
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Doch wenn ein freyers-mann sich eines soll erwehlen,
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So pflegt er meistentheils beym schlusse zu verfehlen.
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Denn beyde scheinen uns vielfachen lobes werth;
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An beyden ist auch was, so unsern geist beschwert.
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Die grossen schicken sich, die stuben auszuzieren,
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Und in dem bette wird man sie nicht leicht verliehren.
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Wenn uns, ich weiß nicht was, zu einem kusse zwingt,
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Und der verwehnte mund zu fremden lippen dringt;
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So kan ein grosses kind sich gar zu artig schicken:
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Man darff sich nicht so sehr, wie bey den kleinen, bücken:
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Der puckel wird nicht krumm: das angesetzte knie
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Und unser schwacher leib empfindet wenig müh.
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Es heißt, man soll das weib zu der gehülfin nehmen;
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Wo aber kan sich wohl ein kleines kind bequemen,
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In nöthen beyzustehn? Sieht doch ein grosses haus
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Nicht nur gemeiniglich von aussen prächtig aus;
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Es hat auch innerlich die köstlichsten gemächer:
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Auf gleiche weise legt die tugend ihre fächer
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Bey grossen seelen an. Wer sich durch gold ergetzt,
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Und ein halb quentgen schon für seine freude schätzt;
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Den wird ein gantzes pfund gewiß noch mehr erfreuen:
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Diß muß ich ebenfalls von weibern prophezeyen.
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Setzt ein subtiler mund und eine zarte hand
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Die armen sterblichen schon in den ärgsten brand;
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Was wird denn allbereit zur selben zeit geschehen,
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Wo sie was köstliches an starcken gliedern sehen?
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Nichts desto weniger bleibt dieses doch mein schluß:
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Daß man ein kleines weib am ehsten suchen muß.
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Die ist viel artiger: Wir könnens aus den wercken
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Der gütigen natur mehr als zu deutlich mercken:
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Wenn diese bey der welt was gutes schaffen will,
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So achtet sie das maas der grösse nicht gar viel:
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Sie läßt aus zinn und bley die grösten klumpen werden;
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Doch das beliebte gold, das beste marck der erden
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Sieht, wenn es zu uns kommt, gemeiniglich gantz klein:
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Der beste diamant verlangt vor seinen schein
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Kein grosses fundament: Die allerschönste sterne
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Stehn von der unter-welt nur bloß darum so ferne,
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Weil jede ereatur viel artigkeit erweist,
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So lange man an ihr das wesen kleine heißt.
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Was die natur gethan, denckt bey den meisten sachen
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Nunmehr des künstlers hand auch völlig nachzumachen:
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Ein kleines contrefait kommt höher, als ein bild,
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So mit der positur zehn meilen fast erfüllt.
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Die allerkleinste uhr, so man im schiebsack träget,
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Ist kostbarer als die, so denen bauren schläget.
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Der kleinste mode-hut von Caen und Caudebec
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Nimmt unserm gelde mehr, als grosse filtze, weg.
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Ein gantzer puppen-kram muß mit dem grösten zeichen
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Vor einem eintzgen stück Nürnberger-arbeit weichen.
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Und wenn mans recht bedenckt, so hat der viel profit,
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Der auf ein kleines weib in seiner liebe sieht:
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Er darff dem schneider nicht so viel zum kleide schaffen:
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Er hat den grösten platz, wenn sie beysammen schlaffen:
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Er kan mit ihr bequem auf einer kutschen seyn:
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Und stellet sich manchmahl ein loses gästgen ein;
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So kan er den alsbald mit kalter küche schrecken,
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Und in den kleider-schranck die kleine wirthin stecken:
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Die dreht sich zehnmahl um, wenn andre stille stehn
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Und mit der grösten last recht im gewichte gehn.
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Denn bey den kleinen kommt die würckung aller flammen,
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So liebens-würdig sind, auf einen fleck zusammen.
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Man sehe nur die welt! Die zarte nachtigall
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Bezwingt und übertrifft durch ihren holden schall
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Den allerlängsten storch: Wer lerchen-fleisch kan essen,
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Wird das erhöhte wild von hertzen gern vergessen.
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So geht es weiter fort: Die allerkleinste mauß
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Hält wohl die stärckste kuh in ihrem rennen aus:
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Die kleinsten bienen sind am fleißigsten im neste:
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Und bey den gurcken ist die kleinste wohl die beste:
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Ein zobel-schwäntzgen gilt mehr als ein pferde-fell:
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Das rebhuhn ist nicht groß, doch fliehet es so schnell,
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Als sonst kein vogel thut: Und aus der kleinsten taschen
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Vermochte Davids hand den riesen-kopf zu haschen:
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Ein seiden-würmgen nutzt weit mehr auf einem tag,
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Als wohl der regen-wurm das gantze jahr vermag:
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Die kleinsten beine sind am besten vor die täntze:
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Bey kleinen füchsen stehn die allerlängsten schwäntze:
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Die kleinste leber-wurst schmeckt unserm appetit
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Mehr, als der grosse darm, den man von schweinen zieht:
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Und weil die menschen noch fein zart und kleine bleiben,
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Wünscht jegliches die zeit mit ihnen zu vertreiben:
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Es ist der liebes-gott ja selbsten zart und klein,
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Und will bey kleinen auch am allerliebsten seyn;
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Die grossen kan er nicht mit seinem wesen füllen,
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Und sie mit seiner lust nicht wie die kleinen stillen.
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Und itzund denck ich gleich der sachen weiter nach,
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Da fällt mir eben ein, was einsten jener sprach,
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Als ein geheimer zug sein hertz so weit getrieben,
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Daß er nun willens war, sich gleichfalls zu verlieben;
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Er sagte: Dieser stand der ehe kommet mir
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Wie ein nothwendiges und starckes übel für:
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Weil von zwey übeln nur das kleinste zu erwehlen,
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So mag mich immerhin ein kleines weibgen quälen.
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Er, werther bräutigam! hat wohl nicht so gedacht,
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Als man ihm gleichfalls lust zum freyen beygebracht.
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Denn was des menschen geist auf erden kan vergnügen,
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Wird in der kleinen braut bey ihm verborgen liegen.
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Ich bin darum erfreut! Und weil das letzte ziel
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Von meiner poesie zum wunsche schreiten will;
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So will ich sonsten nichts, als diese zeilen, schreiben:
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Die lust soll bey ihm groß, die noth gantz klein verbleiben.