1
Wer in der weiten Welt sich soll vor andern zeigen/
2
Mit einem hohen Geist und seltner Weißheit-
4
Zu selbtem pfleget sich des Himmels Gunst zu neigen/
5
So bald des Schöpffers Hand des Lebens Anfang
7
Ein Zeugniß kan hiervon der
9
Das Kleinod Schlesiens und Wunder kluger Welt;
10
Weil GOtt viel eher ihm als andern gab das Leben/
11
Der sieben Monath nur ihm zur Geburth bestellt.
12
Nun hat der Alten Witz nicht ungereimt erwiesen/
13
Was die und jene Zahl vor andern würcken kan/
14
Von Augustino wird die Sieben sehr gepriesen/
15
Als hätte sie viel Krafft und Wunder offt gethan.
16
Drum glaube ich gewiß/ es war ein glücklich Zeichen/
17
Wodurch dem Seligsten ward gleichsam prophe-
19
Es würde seinem Geist an Hoheit keiner gleichen/
20
Noch auch an Tugend-Schmuck und der Gelehrsam-
22
Was Wunder ist es denn? daß er nach sieben Jah-
24
Uns Blüthen nebst der Frucht/ als etwas Seltnes/
26
Wem ist wohl dieses Glück sonst iemahls wiederfahren/
27
Das Phöbus ihn schon treibt und Verse machen
29
Mit Zeit und Jahren pflegt die Weißheit groß zu wer-
31
Diß traff in Warheit auch bey unserm
33
Er scheute keine Müh/ und drang durch die Beschwer-
35
Was anderen zu fchwer/ das must ihm leichte seyn.
36
Deßwegen sahe man sein Haubt mit Ehren prangen/
37
Da vieler Künste Glantz mit Perlen es geziert/
38
Und in der Sterbligkeit den hohen Ruhm erlangen/
39
Der seines Nahmens Lob biß zu den Sternen führt.
40
Geh/ werthes Schlesien/ beweine deinen Todten/
41
Des Klugheit iederzeit war deiner Wohlfarth Grund/
42
Sein ungemeiner Witz zerriß viel Zweifels-Knoten/
43
Worinn des Landes Heyl offtmahls verwickelt
45
Die Dienste sind zu groß/ die Liegnitz muß vermissen/
48
Die Nach-Welt wird noch wohl bestürzt zu sagen wissen/
49
Ach daß ein solches Licht so zeitlich hier ausgeht!
50
Doch sein Verstand hat ihn in diesen Stand gesetzet/
51
Daß er in hellem Glantz stets unauslöschlich scheint/
54
Und der der Klugheit nicht wie die Tyrannen seind/
55
Hat unsern Seligsten auch gnädigst angeblicket/
56
Und ihn durch höhern Stand viel scheinbarer ge-
58
Es bleibt des Nahmens Ruhm so schöner ausgeschmü-
60
Und wird von Söhnen selbst in neuen Schein ge-
62
Wiewohl sein Nahmen ist von ihm längst eingeschrie-
64
Ins Buch der Ewigkeit/ o ungemeiner Ruhm!
65
Dem Adel ist hierdurch ein wahres Beyspiel blieben/
66
Daß Klugheit müsse seyn desselben Eigenthum.
67
Und wer den Tempel nicht der Tugend ist durchgan-
69
Der kommet unverdient in Ehren-Tempel ein/
70
Zu Rom kont einer gar diß Glücke nicht erlangen/
71
Denn Tugend solt allein des Adels Quelle seyn.
72
Man muß von andern nicht den besten Zierath neh-
74
Und auff dem Hute nur mit Federn prangen gehn/
75
Der Feder in der Hand darff sich kein Edler schä-
77
Wer die zu führen weiß/ dem wird sie schöner
79
Bewundert demnach doch des theuren
81
Der seinen Ahnen selbst durch Tugend Zierde giebt/
82
Da vieler Unverstand sich will gantz stoltz erheben/
83
Weil ihrer Eltern Witz war bey der Welt beliebt.
84
Er aber pflegte bloß dasselbe zu verehren/
85
Was selbst vor andern hat des Himmels Gunst er-
87
Das unser Tugend-Lob noch weiter kan vermehren/
88
Damit des Nahmens Ruhm nicht in der Welt ver-
90
Drum muste auch sein Tod allein vom Himmel kom-
92
Da er im Leben war des Himmels Ebenbild/
93
Indem des Höchsten Hand ihn eilend weggenom-
95
Und mit der Todes-Angst nicht lang’ sein Hertz er-
97
Er hat den edlen Geist nicht also auffgegeben/
98
Wie insgemein der Tod die Sterblichen hinrafft/
99
Die nach demselbigen offt mit Verlangen streben/
100
Wenn lange Kranckheit sie beraubt der Lebens-
102
Des Höchsten Rath-Schluß war/ er solte stehend ster-
104
Wie diß ein Käyser selbst im Alterthum begehrt.
105
Und vor die Eitelkeit vollkommnes Glück ererben/
106
Das GOtt nach treuem Dienst den Seinen bald ge-
108
Der Neid/ der insgemein zur Tugend sich gesellet/
109
Der muß die helle Sonn izt wie die Eule fliehn.
110
Und hat sein kluges Thun offt Momus gleich vergäl-
112
So kont’ er doch dadurch nichts seinem Ruhm ent-
114
Gleich wie sein Leben nun war ungemein zu nen-
116
So ward es durch den Tod auch wunderbar ge-
118
Dieweil er nicht vermocht zwey Hertzen zu zertren-
120
Die stets in Lieb und Tren einander hochge-
122
Denn diese dorffte nicht das Elend länger bauen/
123
Mit der er höchst-vergnügt auff Erden war ver-
125
Sie kriegt nächst ihrem Schatz den grossen GOTT zu
127
Weil ihre Seel zugleich zum Himmel wird erwählt.
128
Drum muß zu ihrem Ruhm man diese Grab-Schrifft schrei-
130
Das Paar/ das selbst der Tod auffs neu zusammen
132
Muß in vollkommnem Ruhm und ewig glücklich blei-
134
Weil diß/ was andre trennt/ sie nicht einmahl be-