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Die sollte wohl nicht mehr erschrecken für gewittern,
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Der so viel jahre schon der blitz ums haupt gespielt;
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Was für ein felsern hertz sollt’ aber nicht erschüttern,
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Wo man den erden-grund selbst mit sich brechen fühlt?
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Der grund-stein unsers heyls und hoffnung geht zu grunde,
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Denn er zerreißt der eh ihr unzertrennlich band.
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Die ohnmacht will mir zu, das wort zerbricht im munde,
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Es fällt die feder mir schon neunmal aus der hand.
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Was läßt vor antwort sich auf scheide-briefe schreiben,
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Wodurch mein eh-herr mir mehr als den hals abspricht?
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Ach möcht er einen dolch mir eh durchs hertze treiben,
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Eh er das bündnis trennt, das sonst der tod nur bricht.
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Denn, himmel! wer will sich ihn doch bereden lassen,
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Zwey frauen hätten wohl in einem bette raum?
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Zertheiltes lieben ist nur ein verblühmtes hassen,
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Ein überzuckert gifft, und ein bezaubert traum.
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Gott schuff nur eine Ev’ aus Adams seiner riebe,
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Die grosse sonne giebt zwey monden nicht ihr licht;
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Ein geist beseelt den leib, ein weib des eh-manns liebe,
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Und unser trau-ring hat zwey mittel-puncte nicht.
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Wie manchen heyraths-schluß zerreist itzt brunst und reue,
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Nun man sie aufs papier, nicht mehr ins hertze schreibt;
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Jhr siegel ist itzt wachs, vor wars ertz-feste treue,
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Weil keiner länger nicht als wachs beständig bleibt.
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Einfält’ge, die ihr traut auf eurer männer eide,
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Sie haben euch nicht mehr, als käfer blumen, lieb,
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Sie sind ein seiden-wurm, der anfangs zwar spinnt seide,
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In kurtzem aber wird ein heßlich molcken-dieb.
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Der glatten worte kost, mit welcher sie euch speisen,
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Ist Mithridatens tisch, der nie von gifft ist leer;
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Jhr treu-seyn bricht wie eiß, das ihr erkaufft vor eisen,
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Denn heucheley weiß wind zu machen centner-schwer.
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Doch wäre dieses leid noch endlich zu verschmertzen;
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Daß aber leider sie die schuld uns messen bey,
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Mit ihrem lastermahl uns unser antlitz schwärtzen,
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Ist unerträglich leid, zweyfache tyranney.
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Daß ich der liebe gluth mit keuschheit-schnee gekühlet,
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Heißt itzt, ich hätte gar ihr feuer ausgelescht,
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Da man mehr wohlthun doch von sanfftem brande fühlet,
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Das öl mehr zunder nährt, als schäumend seiffe gäscht.
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Die übermaase preßt aus pomerantzen gallen,
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Ja milckt, statt süsser milch, aus schlaffen eytern blut,
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Ein hefftig loder-licht muß bald in staub zerfallen,
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Und allzugrosse brunst ist nicht im lieben gut.
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Die pflantzen unsrer eh sind zeugen meiner liebe,
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Allein der eckel ist der wollust mißgeburth.
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Betränckten lippen sind die klärsten brunnen trübe,
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Für fremdes wasser stößt man eignen nectar fort.
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Die üppigkeit verschmäht des ehweibs zucker-küsse,
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Nicht daß sie häßlich sey, nur daß sie ehweib ist.
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Dem Adam schmeckt die frucht verbotner äpffel süsse,
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Offt wird ein wechselbalg für’s schönste kind erkießt.
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Und leider er, mein fürst! nicht ich bin zu bedauren,
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Daß er die magd erwehlt, die fürstin von sich stößt.
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Der dir itzt süsse wein wird, eh du meynst, versauren,
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Durch solche schnöde lust wird unlust eingeflößt.
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Je heisser itzt die brunst, je eh wird sie erkalten,
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Der frost kehrt warme fluth eh, als die kält, in eiß.
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Du prüfst die kirrung nicht syrenischer gedancken,
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Jhr zaubrend singen lockt in den verderbungs-kreiß.
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Wie seltsam ist dein zug! Die brunst kan selber weisen,
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Daß ein demanten hertz in meinen brüsten schwebt,
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Nun aber zeucht magnet bey demant ja kein eisen,
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Wie daß denn noch dein hertz an schlechtem eisen klebt.
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Erfahrung lehrt ja wohl, daß eh und eyd versehret,
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Das eh-bett’ offt entweyht von frembden dirnen sey;
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Das aber ist bey Teutsch- und Christen unerhöret,
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Daß man ihm einen balg legt als gemahlin bey.
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Ach! möchte diese nacht mir vor zu grabe leuchten,
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Eh man ihr morgen steckt die hochzeit-fackeln an!
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Werd’ ich mit thränen wohl genung die wangen feuchten,
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Wo ich die greuel-eh ja noch erleben kan?
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Gott schick es, wie er will, doch soll kein mensch erleben,
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Daß ich und meine magd solln neben-buhler seyn;
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Wer einem götzen hat gold und gestalt gegeben,
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Wird schwerlich aufs altar ihm glimmend weyrauch streun.
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Du aber opfferst ihr, durchlauchster, seel und hertzen,
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Hebst staub und koth ans brett, der dich selbst fleckicht macht.
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Verhüll’n die wolcken doch die göldnen sonnen-kertzen,
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Die sie aus schlamm und dampff so hoch ans licht gebracht.
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Und du meynst unversehrt dein ansehn zu behalten?
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Nein, sicher, heil und ruhm wird kriegen bruch und riß,
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Ein einig fehlschlag kan ein meisterstücke spalten,
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Man schreibt vom monden auf nur seine finsternis.
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Die nach-welt (wieviel dich auch tugend-strahlen krönen:)
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Wird doch was tadelhafft, nur mercken auf von dir.
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Gedenckst du gleich dein thun vielfärbig zu beschönen;
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Zeuch lastern goldstück an, sie blicken dennoch für.
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Ich bitte thränend dich, leg’ alles auf die wage,
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Was vor verlust folgt nicht der hand-voll schnöden lust?
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Nicht glaube, daß die magd zu dir mehr liebe trage,
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In huren steckt mehr brunst, mehr treu in keuscher brust.
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Zur witwe machst du mich zwar, aber dich zum knechte.
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Was redet er mir denn noch seine gunst viel ein?
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Mit deiner affter-eh zerreissest du die rechte,
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Ja bey zwey ehen wirst du erst recht eh-los seyn.
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Jedoch, was schreib’ ich viel? Es ist ein schlag ins wasser,
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Ich will die bürde nur einpacken zu der flucht,
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Wer geile mägde liebt, ist seines weibes hasser;
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Der aber liebet recht, der keusche seelen sucht.