Der Akker ein Bild des menschlichen Herzens

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Johann Justus Ebeling: Der Akker ein Bild des menschlichen Herzens (1747)

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Der Mensch die kleine Welt, sieht stets die grosse an,
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Darin das kleinste Stük zum Lehr-
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Wenn man es recht beschaut: Man
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Und seine Herrlichkeit an jeden Din-
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Die Kreaturen sind, wie Spiegel drin sich zeigt,
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Wie gros des Höchsten Macht, wie sehr er uns
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Wie weise dessen Huld, den wir als Schöpfer eh-
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Kan uns der Erden-Bau, des Himmels Stern-
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Der
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Zeigt uns also von sich manch sichtbar Ebenbild,
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Wir können aber auch von uns viel Bilder sehen,
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Wenn wir das Reich der Macht, zu unsrer Lust
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Der Dinge Aehnlichkeit, die frommer Wiz ein-
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Der jeden Vorwurf nüzt, und draus Erbauung
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Macht uns die Welt zum Buch darin wir viele
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Zur Seelen Besserung erkennen, sehn und hören.
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Der Lehrer der selbst
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Der uns die Warheit lehrt, zur Besserung an-
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Führt uns oft in die Welt darinnen zu erblikken,
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Die Dinge die das Herz der Sterblichen abdrükken.
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Er führt uns in das Feld, und weiset unsern Sinn,
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Ein achtsames Gemüt, zu einem Akker hin,
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Hier bald zum steinigten, da zu dem guten Lande,
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Da wir ein Bildnis sehn, von unsers Herzens
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Sieht man den Akker an, eh er wird umge-
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So ist desselben Fläch, rauh, ungebahnt und hart,
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Der Pflug, der ihn durchwühlt, der muß ihn erst
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Daß er das Saamenkorn, kan in dem Schoos auf-
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Und bleibt er ungedüngt, von fetter Fruchtbarkeit,
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So wird das Saamenkorn vergeblich ausgestreut,
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Wird es nicht tief verstekt; so kan man leicht er-
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Es wird von Vögel-Raub uns wieder weggefressen.
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Und taugt der Boden nichts, ist er wie Fels und
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So dringt der Wurzelkeim nicht tief genug hinein;
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Bekommt er keine Kraft, empfängt er keinen Re-
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So wächset auch nicht auf der eingesaamte Segen;
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Hingegen von sich selbst ohn daß wir uns bemühn,
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Sehn wir aus seinem Schoos, das böse Unkraut
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Die Dorn und Diesteln sind, ohn Pflanzen, oh-
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Auf einem Akkerstük in Ueberflus zu haben,
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Dies ist o! Mensch ein Bild von unsers Herzens
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Was ist es von Natur? ein unfruchtbahres Land,
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Das Dorn und Diesteln bringt, und lauter La-
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Wozu das Herz von selbst aus eignen Trieb genei-
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Wer seinen Akker baut, und hofft ein froh Gedein,
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Der läst das Saamenkorn niemahls vergeblich
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Er pflügt die Furchen erst, zerreibt die Erden-
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Und zieht darüber her, die Egg und Walzen-Presse.
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Ach! möchte jederman auf diese Sorgfalt sehn,
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Die man beim Akker braucht; und dabei in sich
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Ob man sich so bemüh um seine theure Seele:
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So würden wir gewahr des sichren Herzens Fehle.
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Der Heiland stellet dir o! Mensch, du eitler Thor,
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Darum den Akkerbau zu einem Gleichnis vor,
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Damit du kennen lernst, was wir vor Hindernissen,
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Aus unsern trägen Herz vorhero räumen müssen,
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Eh seines Wortes Kraft, die Seele fruchtbar
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O! würde dies von uns nur allezeit bedacht;
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So würden Tugenden in unsern Wandel blühen,
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Des Unkrauts Lasterbrut, aus unsern Herzen fliehen.
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Man siehet auf dem Feld sehr viele Aekker an,
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Worauf das Saamenkorn im Fels nicht wachsen
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Das ist ein klares Bild, von dem verstokten Herzen,
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Die
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Man findet, daß das Korn, das an dem Weg hin-
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Da keinen Wachsthum hat; weil er nicht ist be-
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Gedüngt und umgeflügt; weil es die Vögel kriegen,
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Die da stets hin und her nach solcher Nahrung flie-
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Was hier die Vögel thun, das thut der Satan
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Der unvermerket laurt, und jeder Seele nah,
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Der die Gedanken regt, mit lauter fremden Din-
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Die denn die Saamenkraft der Warheit ganz ver-
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Ein Akker bringt nicht Frucht, wo Dorn und Die-
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Daß kan man alle Jahr, in der Erfahrung sehn,
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Der Saame wird erstikt, wenn er kaum aufge-
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Weil Unkraut, Diesteln, Dorn, desselben Saft
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Das ist des Herzens Bild, daß sich mit Sorgen
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Dem immer, wenn es gleich genug erlangt, doch
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Das stets auf zeitliches, mit innren Kummer den-
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Begierde, Trieb und Lust nach eitlen Schäzzen len-
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Ein Herz das so gesinnt, erstikket also fort
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Der Warheit heilgen Trieb, die Kraft von
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Das ein Gemüthe zieht, von irdischen Getümmel,
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Zu der Vollkommenheit, zu jenem Freuden-Himmel.
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Ein Akker wilder Frucht, wo wucherndes Unkraut,
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Die Wurzeln eingesenkt, wird schwerlich rein ge-
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Reißt man es oben ab; so keimmt die Wurzel wie-
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Und hält die gute Frucht in ihren Wachsthum nie-
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Das ist des Herzens Bild, das eitle Lust bethört,
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Das eine Laster-Brut, als im verborgnen nährt,
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Die endlich doch ausschlägt, das Gute unterdrük-
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Und in die eitle Welt den schnöden Sinn entrük-
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Der Akker der bestellt, der voller Fruchtbarkeit,
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Der seinen Saamen nährt, der darin ausgestreut,
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Und reinen Boden hat, der spriesset seine Saaten,
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Die durch den Gnadenschein des Himmels wohl ge-
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Es wächst und blüht die Frucht, des Seegens Fül-
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Ergiesset durch den Halm ein fettes Nahrungskorn,
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So daß des Saamens Frucht die einfach ausgesaet,
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Durch himmlisches Gedein, wird hundertfach ge-
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Das ist ein schönes Bild von Seelen, drin die Kraft
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Der Warheit freudig treibt und reichen Nuzzen
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Ach! möchte meine Seel, niemahls ihr Heil ver-
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Ein guter Akker seyn, und viele Früchte keimen!
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Des Himmels Gnaden-Geist, den uns der Hei-
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Der durch verborgne Kraft der Menschen Herze
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Der steh mir dazu bei, daß ich in Lust und Leiden,
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Mich möge nur allein an seinen Worte weiden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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