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Wie oft und vielmal wünschten wir,
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Als uns der Winter alle Zier
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Der grünenden Natur beraubet,
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Das Kraut erstickt, die Bäum entlaubet;
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Da Feld und Wald mit Schnee bedeckt;
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Da uns der rauhe Nordwind schreckt:
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Ach wenn der Frühling wiederkäme,
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Und die Beschwerde von uns nähme!
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Ach wenn die Lüfte klar und rein,
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Erwärmt vom hellen Sonnenschein,
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Und lau, und sanft, und lieblich wären!
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Ach könnte man, in hellen Chören,
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Die bunten Vögel wieder hören!
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Ach sähen wir die gelben Aehren
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So angenehm als ungemein,
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Bey sanfter Kühlung, lieblich wallen!
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Ach möcht, in fliessenden Krystallen,
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Des grünen Ufers Wiederschein
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Wie wollten wir uns denn nicht freuen!
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Wir wollten Lob und Dank erneuen.
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Jetzt seht und hört ihr alles das,
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Was ihr gewünscht. Es ist erschienen
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Die Zeit, die so erwünschte Zeit.
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Die Welt ist voller Lieblichkeit;
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Es stehet jetzt, durch Laub und Gras,
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So Feld, als Wald, im holden Grünen.
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Es sind die Lüfte klar und rein,
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Erwärmt, vom heitern Sonnenschein.
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Jhr könnet jetzt, in hellen Chören,
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Die bunten Vögel singen hören.
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Jhr sehet jetzt die gelben Aehren,
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So angenehm als ungemein,
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Bey sanfter Kühlung, lieblich wallen.
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Jhr seht, in fliessenden Krystallen,
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Des grünen Ufers Wiederschein;
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Wie? wollt ihr euch denn nicht erfreuen,
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Und Preis und Lob und Dank erneuen?
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Warum wollt ihr es nicht geniessen?
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Und lasset diesen Tag verfliessen,
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Als wie den gestrigen? Warüm
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Vernehmt ihr nicht die Süßigkeiten,
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Der schönen Creaturen Stimm?
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Die euch in diesen schönen Zeiten,
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Durch jeden Sinn, in vielen Chören
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Euch reizt, den Schöpfer zu verehren?
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Jhr seht unachtsam vor euch nieder;
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Man sieht an Minen und Gesicht,
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Daß etwas euch ergetzet, nicht.
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Man hört nicht Dank-nicht Lobes-Lieder.
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Wie schnell verfliegt die schnelle Zeit!
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Wollt ihr mit eurer Lust denn warten,
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Bis Wiesen, Feld, und Wald, und Garten
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Entlaubt, verwelket und beschneit?
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Um dann zu wünschen, was ihr itzt,
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Ohn daß ihr es erkennt, besitzt?
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Damit, wenn ihr es wiederkrieget,
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Mit einem ungerührten Sinn,
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Jhr euch so wenig, wie vorhin,
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An aller Herrlichkeit vergnüget?