Vergnügung bey regnichtem Wetter im Sommer

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Barthold Heinrich Brockes: Vergnügung bey regnichtem Wetter im Sommer (1740)

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Uns Menschen kann so gar der Regen,
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Wenn wir nur auf denselben achten,
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Und die genetzte Welt betrachten,
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Zur Lust und auch zum Dank bewegen.
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Es wird die heiße Luft, wenns regnet, lau und kühl,
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Und wirkt, auf unsre Haut, ein schaudrigtes Gefühl.
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Die Düft, indem sie um uns fliegen,
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Erregen unsrer Brust
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Zwar eine, doch nicht oft gefühlte, Lust,
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Und leider! meistentheils ein unvermerkt, Vergnügen.
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Das eine zeitlang her, bestaubte, welke Gras
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Wird, durch das reine Naß,
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Gereinigt und getränkt. Ein lieblich Dunkelgrün
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Scheint Laub und Kraut so dann zu überziehn;
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Ein schwärzlich Dunkelbraun färbt Acker, Feld und Land;
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Die Klösse kleben jetzt; es steht der rege Sand;
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Es leget sich der flüchtge Staub;
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Die Blumen, die erfrischt, sind jetzt noch eins so schön,
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Durch ihren dunklen Grund, erhöhet, anzusehn;
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Es rollen hier und dort, auf ihr gesteiftes Laub,
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Die runden Tröpfgen, wie Krystallen,
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Darin spielt eine weisse Gluht,
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Ein Schimmer, der, wie Silber, rein,
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Ein Diamanten-gleicher Schein.
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Auf der sonst glatt- und ebnen Fluth,
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Erregt der Tropfen rauschend Fallen,
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Ein ämsiges Gehüpf, da Blasen sich erhöhn,
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Die schnell entstehen, schnell vergehn,
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Und dadurch unsern Blick vergnügen.
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Man sieht bald hier, bald dort, im Grünen,
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Wo niedre Stellen sind, verschiedne kleine Seen,
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In grünen Ufern, und in ihnen,
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Viel kleine grüne Inseln liegen.
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Dieselben grün’ oft schön beblümte Hügel
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Sind, in des Wassers klarem Spiegel,
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Jm Wiederschein gedoppelt schön,
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Wenn man drauf achtet, anzusehn.
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Kurz, alles zeigt uns, wenn, wie wir billig sollten,
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Wir alles nur beachten wollten,
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Daß, auch in feuchter Regenszeit,
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Es einer aufmerksamen Seele,
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An Anlaß zur Vergnüglichkeit,
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Und Vorwürf, uns zur Lust, nicht fehle.
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Ach so gewöhnt doch euren Sinn,
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Daß er, zu aller Zeit, des Schöpfers Wunderwerke
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Nicht, wie bisher, nur überhin;
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Nein! erstlich euch zur Lust, darauf zu Gottes Ehr,
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Zu seinem Preis und Lob und Dank je mehr und mehr,
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Mit froher Achtsamkeit bemerke!
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So gar des Regens trübe Zeit
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Giebt euch dazu Gelegenheit.
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Ach laß uns doch für alle Gaben,
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O Herr! die wir von dir allein,
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In solcher Füll, empfangen haben,
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Erkenntlich und dir dankbar seyn!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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