Die Religion

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Johann Justus Ebeling: Die Religion (1747)

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Sie siegt dennoch bei allen Bellen,
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Sie lacht bei allen Spott und Hohn,
3
Sie ist verschanzt in festen Wällen,
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Und wer denn? die Religion.
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Es wird zwar dieser Turteltauben,
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Vom Bosheit und vom Aberglauben,
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Mit List und Macht sehr nachgesezt;
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Allein sie bleibt bei allen Stürmen,
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Weil sie der Himmel kan beschirmen,
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In ihrer Vestung unverlezt.

11
Die Geister der verdamten Höllen,
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Die ewge Finsternis verhüllt,
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Die Spötter ihre Rottgesellen,
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Die Menschen die durch Frechheit wild,
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Die durch den albern Wiz geblendet,
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Und Missethat von Warheit wendet,
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Die haben sich zugleich verschworn;
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Durch Lügen, Lästern, Schmählern, Spot-
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Die Frömmigkeit ganz auszurotten,
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Und jeder rufft: sie ist verlohrn.

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Der Eindruk von dem höchsten Wesen,
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Der in des Menschen Herzen stekt;
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Und was wir offenbahret lesen,
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Was das Gewissen in uns wekt,
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Ist gar zu tief in uns gedrükket,
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Und wird nicht leicht hinweggerükket;
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Dies sieht die Höllen Rotte ein
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Drum streiten sie mit solchen Waffen,
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Das Licht, die Warheit abzuschaffen;
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Die nur des Teuffels Werkzeug seyn.

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Sie schreien all mit hellen Hauffen,
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Die Staatsregenten haben nur,
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Damit die Völker nicht entlauffen,
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Es eingedrükt in die Natur;
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Als wenn ein göttlich Wesen wäre;
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Es ist die
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Ein Kapzaum vor die
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Womit der Fürste seine Staaten,
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Der Feldherr kriegrische Soldaten,
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Von Furcht geplagt, in Ordnung hält.

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So schrein die Spötter alter Zeiten,
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Und jezt in unsern Tagen noch;
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Es sey vor denen niedren Leuten,
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Es nur ein aufgebürdet Joch;
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Daß sie die GOttheit dienen müsten,
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Und sich enthalten von den Lüsten,
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Die ihr verdorbnes Blut entflammt;
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Es sey die Drohung von der Hölle,
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Nur eine fürchterliche Welle,
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Die von dem Wind des Staats herstammt.

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Sie ruffen auch die Zeitgeschichte,
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Zu ihrer Hülff und Rettung an,
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Weil die, daß ihr Wort kein Gedichte,
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Mit klaren Beispiel zeigen kann.
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Da sol der weise Solon zeigen,
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Wie er des Pöbels Hals zu beugen,
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Gott und Religion erdacht;
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Lycurgus, Numa, jene Helden
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Und andre, wie die Bücher melden,
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Die hätten es also gemacht.

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O! stumpfer Pfeil von schwachen Bogen,
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Der nicht der Warheit Herze trifft!
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O! welch ein Schlus; der die betrogen,
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Die die Vernunfft und heilge Schrifft,
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Durch ein erzwungnes hönisch Lachen,
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Zu einem falschen Jrrlicht machen.
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Es ist geschehn, wir leugnens nicht,
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Daß jene, was geträumt, erdichtet,
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Zum Nuz des Staates eingerichtet
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Dies lehret uns der Zeit Geschicht.

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Allein sind darum alle Lehren,
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Worauf der Gottesdienst besteht,
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Die Pflichten die dazu gehören,
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Wodurch der Schöpfer wird erhöht,
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Von diesen Männern auch ersonnen?
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Was habet ihr damit gewonnen,
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Jhr Spötter! daß ihr die berührt,
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Die durch des Aberglaubens Säzze,
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Die klugerdachten Staatsgesezze
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Nach ihres Volkes Wahn ge

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Die Warheit wird nicht aufgehoben,
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Und was die schlaue List erdacht,
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Ist wie ein blauer Dunst zerstoben,
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Nachdem die Aberglaubens Nacht
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Mit ihren Jrrgestirn vergangen.
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Des Glaubens helle Sonnen prangen.
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Hebt alles falsche immer auf:
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Nur laßt die Warheit immer gelten,
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Es hemmet euer spöttisch Schelten,
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Doch nimmer ihren richtgen Lauff.

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Es ist ein GOtt, den muß man ehren,
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Drauf bauet die Religion,
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Und alle die ihr angehören,
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Den unzerstörlich festen Thron.
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Es ist ein Wesen davon stammet,
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Was an dem Firmamente flammet,
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Was in den breiten Lufftkreis fliegt;
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Was sich in Erden Angeln drehet,
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Was in der Höh und Tief entstehet;
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Der Saz bleibt ewig unbesiegt.

101
Die Himmels-Körper, Kreaturen,
102
Die voller Licht und Klarheit sind,
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Beweisen uns der Gottheit Spuren,
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Die man drin abgedrükket find.
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So viele Schimmerreiche Sterne,
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In jener blaugewölbten Ferne,
107
Sich in bestimmten Kreisen drehn;
108
So viele Zeugen sind zu finden,
109
In jenen weiten Himmelsgründen,
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Die uns des Schöpfers Preis erhöhn;

111
So viele aufgegrünte Bäume,
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Auf hohen Bergen lieblich blühn;
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So viele Grases Spizzen, Keime,
114
Aus einem safftgen Erdreich ziehn;
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So viele Thier in Feldern leben,
116
So viele in den Lüfften schweben,
117
So viele das Gewässer hegt:
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So viele werden aufgestellet,
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Woraus die Warheit gnug erhellet,
120
Die jedem Mensch ins Herz geprägt.

121
Wie! wollet ihr noch blindlings wagen,
122
Die Warheits-Veste zu zerstöhrn;
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Und alle Welt als dumm anklagen,
124
Daß sie mit uns ein Wesen ehrn,
125
Das Erd und Himmel ausgeschmükket,
126
Und das uns selbst dadurch beglükket,
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Das wir auch Erden Bürger seyn,
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Die durch Vernunfft und durch die Sinnen,
129
Des Schöpfers weisestes Beginnen
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Erkennen? Sagt ja oder Nein?

131
Jhr stuzt vor diese festen Schranken,
132
Die die Religion beschirmt,
133
Es fängt eur Muth schon an zuwanken,
134
Der Tollkühn sie vorher bestürmmt;
135
Jhr weicht zurük; ihr seid geschlagen
136
Denn hier ist
137
Der die Religion beschüzt.
138
Die Donner die im Lüfften rollen,
139
Und eure Wuth zerschmettern sollen
140
Die schrekken euch, wenns kracht und blizt.

141
Jhr wollet euch nunmehr bequemen,
142
Die Gottheit und Religion,
143
Mit Herz und Munde anzunehmen;
144
Jhr bükket euch vor ihren Thron.
145
Jhr wollet die Gesez und Lehren,
146
In so fern als warhafftig ehren,
147
Als sie euch die Natur anweißt;
148
Jhr wegert euch sie so zu lieben,
149
Wie uns die Bibel vorgeschrieben,
150
Die uns des Heilands Lehr anpreißt.

151
Da fangt ihr wieder an zu kriegen,
152
Jhr sprecht der Offenbahrung Hohn;
153
Und meint, es solte ganz erliegen,
154
Die christliche Religion:
155
Allein die ist auch fest verschanzet,
156
Mit solchem Schuzgewehr umpflanzet,
157
Die keiner übersteigen kan;
158
Die Warheit giebt auch hier noch Stärke,
159
Die Mauren sind die Wunderwerke,
160
Kommt, greifft einmahl dieselben an.

161
Jhr wagts. Was brauchet ihr vor Waffen,
162
Was ruffet ihr vor Hülffe her;
163
Des Heilands Lehre abzuschaffen?
164
Ein gifftger Pfeil, ein Mordgewehr.
165
Das ist das Rüstzeug, wenn ihr kämpfet,
166
Allein es ist noch nicht gedämpfet
167
Die Warheit; weil sie feste steht;
168
Das Wort das
169
Das bleibt, wenn alles wird zerstöhret,
170
Die Welt im Trümmer untergeht.

171
Es werden selbst die ärgsten Feinde,
172
Der Unglaub und der Aberglaub,
173
Vereinte Bundsgenossen, Freunde;
174
Sie gehen beide auf den Raub.
175
Sie gehen bald mit List und Morden,
176
Wie Tartern in ergrimmten Horden;
177
Auf die bedrengte Kirche loß,
178
Worin auf einem Kreuz gestüzzet
179
Sich die Religion beschüzzet,
180
Vor ihrer Feinde Schwerd, Geschoß.

181
Es ziehen der Bekenner Heere,
182
Zu euch heraus; Sie stehen da,
183
Jhr Schild ist eine reine Lehre,
184
Die Ueberschrifft heist Jehovah.
185
Sie sind mit Kleidern angezogen,
186
Die weis und roth; ihr Pfeil und Bogen,
187
Und Schwerd, sind
188
Der Fürst der sich für uns verbürget,
189
Der Herzog der da ist erwürget,
190
Der Heiland, JEsus ist ihr Hort.

191
Es stehen noch an eurer Seiten,
192
Der Höllen Fürste Belial,
193
Es helffen euch bei eurem Streiten,
194
Die bösen Geister überal;
195
Jhr fanget an die zu erwürgen,
196
Die Leib und Leben gern verbürgen,
197
Vor Warheit und Religion;
198
Jhr Losungs-Wort daß hört ihr Schallen,
199
Es klinget gleich; es heist bei allen:
200
Hie Schwerd des HErrn und Gideon.

201
O! welch ein Streit! die Warheits-Lehren,
202
Das Christus lebt; und GOttes Sohn,
203
Ein Heiland sey der zu verehren,
204
Die suchet man mit Spot und Hohn,
205
Mit Sägen, Kreuzen, Spieß und Degen,
206
Mit Mordgewehr zu wiederlegen.
207
Die Foltern sollen Gründe seyn.
208
Stimmt dieses wol mit dem Gesezzen,
209
Die die Natur pflegt hochzuschäzzen,
210
Auch im geringsten überein?

211
Der Himmel lässet es geschehen,
212
Nach einem weisen Rath und Schlus;
213
Daß die Gewalt vor Recht ergehen,
214
Die Bosheit grimmig würgen muß;
215
Die Christen fallen hin mit Hauffen,
216
Man siehet ganze Ströme lauffen,
217
Von der erschlagnen Christen Blut;
218
Die Feinde nehmen zwar das Leben,
219
Wenn sie ein blutig Schauspiel geben,
220
Doch nicht den wahren Helden-Muth.

221
O! wie viel tausend Glaubens-Helden,
222
Sind Opfer der Religion,
223
Wie uns der Zeit Geschichte melden,
224
Sie trägt dennoch den Sieg davon.
225
Die Feinde werden endlich müde,
226
Sie machen endlich wieder Friede,
227
Jhr Schwerd das würget und wird stumpf,
228
Sie merken daß ihr wütend Rasen,
229
Umsonst das Schnauben ihrer Nasen
230
Der Glaube bleibt: und singt: Triumph.

231
So gehts: Was hilfft euch nun ihr Rasen!
232
Jhr Ungeheuer der Natur!
233
Jhr wolt des Glaubens Licht ausblasen,
234
Eur Stürmen macht es heller nur;
235
Was hilfft euch euer blinder Eiffer,
236
Was nüzzet Spötter euer Geiffer,
237
Den ihr auf Christi Lehr aussprüzt;
238
Bis hieher ist sie unbezwungen,
239
Bis hieher, ists euch nicht gelungen,
240
Bis hieher ist sie noch beschüzt.

241
Es stehet noch die Burg der Warheit,
242
Die Christen sind drin unverzagt,
243
Des Geistes Wort flammt noch in Klarheit,
244
Daran ihr euch so offt gewagt.
245
Man dienet in den heilgen Chören;
246
Die Tempel könnt ihr nicht zerstöhren,
247
Die auf dem sichren Fels gebaut,
248
Jhr müst nunmehr im Finstern schleichen,
249
Und der Religion ihr Zeichen,
250
Das Kreuz, wird offenbahr geschaut.

251
Die Stadt des Höchsten blüht in Seegen,
252
Man lieset noch an ihrer Zinn:
253
Denn Zebaoth ist mirten drin.
254
Gebrauchet eure Teuffelskünste,
255
Erreget lauter blaue Dünste,
256
Das Blendwerk das dem Wahn gefällt.
257
Das Warheits-Licht das annoch funkelt,
258
Wird nicht durch Finsternis verdunkelt,
259
Es wird vielmehr dadurch erhellt.

260
Verthädiger der Warheits-Lehre,
261
Jhr Diener der Religion!
262
Wagts nur getrost! zu
263
Und rettet ihren Schimpf und Hohn.
264
Es muß bei dem gestellten Schlingen,
265
Dem Glauben ferner noch gelingen,
266
Was ists, worauf sich jezt verläst,
267
Der Unglaub der in Finstern schleichet,
268
Und vor dem Licht und Rechte weichet?
269
Ein Spinngeweb, ein Wespen-Nest.

270
Die Spötter wollen euch berükken,
271
Wenn ihr Wiz eitle Grillen fängt,
272
Und in den ausgespannten Strikken,
273
Nach Spinnen Art ein Fangnez hängt:
274
Allein gebraucht nur eure Augen,
275
Vernunfft und Schrifft die werden taugen,
276
Die Schlinge leichtlich einzusehn.
277
Lößt solche auf; so ists geschehen
278
So muß das Hirn-Gespinst verwehen,
279
Das solche gifftge Spötter drehn.

280
Jhr Christen zeigt im heilgen Leben,
281
Daß euch der Warheit Licht und Recht,
282
Den Grund zur Frömmigkeit gegeben
283
Gestärkt, da euch das Fleisch geschwächt.
284
Dient euren
285
Nicht blos mit Mund und Zung und Kehlen;
286
Wie nur der albern Heuchler Art,
287
Ein Gottesdienst kan nicht gefallen,
288
Wenn bei der heilgen Zungen Lallen,
289
Nicht auch ein feurig Herz verpaart.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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