Der Menschliche Körper eine aus vielen Kunststükken zusammen ge- setzte Maschine

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Johann Justus Ebeling: Der Menschliche Körper eine aus vielen Kunststükken zusammen ge- setzte Maschine (1747)

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Wenn ich des Leibes Bau anseh,
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Woraus er ist vereint, verbunden:
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So deucht mir das des Schöpfers Höh,
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An jedem Stükke wird gefunden;
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Der Körper, drin die Seele thront,
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Und wie in einem Hause wohnt;
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Ist wenn ich ihn nur recht anblikke,
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Ein durch so manche Kunst, vereintes Meister-

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Das Haupt der Sinnen Werkstatt, ist
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Ein Wunderwerk von allen Künsten,
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Was in der runden Höhle fließt,
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Gleicht denen feinesten Gespinsten:
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Das feucht und safftige
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Ist wie ein aufgewundner Zwirn,
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Ein flüßiges Geweb zu nennen,
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An dessen Feinigkeit wir

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Der Augen helles Wunderglas,
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Ist wie ein Seh-Rohr das vergrössert,
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Ein Spiegel und cristallnes Naß,
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Das theils verhärtet, theils durchwässert;
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Die Haut die drunter ist gespannt,
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Die gleichet einer dunklen Wand,
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Die in der Kunstmaschin
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Woran im Schatten-Schein gedrukte Bilder

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Die Ohren sehen fast so aus,
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Als wie ein Trichter wird formiret;
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Wie ein gewundnes Schnekken Haus,
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Das Wundernswürdig ausgezieret;
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Sie gleichen einem Labyrinth,
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Worin viel Jrregänge sind,
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Man findet in derselben Kammer,
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Viel wunderbahr Geräth, als Trommeln,

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Und wenn wir unser Augenmerk
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Aufs ofne Thor
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So kan man drin ein Räderwerk
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Und kleine Mühlensteine sehen,
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Und andre Kunstgeräthe mehr.
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Die
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Als wie ein Schwerd das ausgezogen,
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Als wie ein spizzer Pfeil auf den gespannten

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Der Vorderzähne dichte Reihn,
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Die sich der Zung entgegen stellen,
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Die können Pallisaden seyn,
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Gesezt auf denen hohen Wällen.
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Sie sind wie Stacheln spiz gewezt,
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Wer sich dran wagt, der wird verlezt;
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Die
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Ein ausgebreitet Thor mit zwei geschloßnen

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Sehn wir des Leibes Bauwerk an,
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O! wie viel schöne Kunstmaschinen!
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Sind hier vereint, und jede kan,
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Uns sicher zum Beweisthum dienen:
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Daß eines weisen Meisters Macht,
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Dieselben all herfürgebracht;
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Und unter sich also verbunden,
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Wie er es zu dem Zwek bequem hat ausge-

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Die Brust läst ein Gewölbe sehn,
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Worin der
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Und durch der Lüffte paustend Wehn,
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Sich immer auf und niederbieget.
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Die
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Kan eine Orgel-Pfeiffe seyn,
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Woraus wenn sie sich dehnt, ein lauter Schall
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Und ein verschiedner Thon, wie sie sich ziehet,

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Der Magen gleichet einem Schlauch,
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Der aus recht dikken Fell bereitet;
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Er ist ein Topf, die Küche auch,
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Weil keines mit einander streitet.
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Der giebt den Gliedern alle Krafft,
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Weil er den guten Nahrungssafft,
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Den er gekocht und durch filtriret
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Auf wunderbahre Art in alle Theile füh-

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Das Herz des Lebens Wunderborn,
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Die Quelle aller Leidenschafften,
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Wo Freud und Lust und Furcht und Zorn,
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Mit den verborgnen Trieben hafften,
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Zeigt uns mit seinem Zubehör
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Die Wasserkunst wohin und her
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Ein rother Strom sich sprizzend giesset,
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Wenn die Ventil aufgeht, durch viele Röh-

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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