Die Weisheit und Güte GOttes an den fünff Sinnen

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Johann Justus Ebeling: Die Weisheit und Güte GOttes an den fünff Sinnen (1747)

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Das allerhöchste Gut läst auf uns durch die Sinnen,
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Den Ausflus seiner Güt mit starken
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Die Weisheit hat allein auf unser
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Da sie uns sinnlich hat mit grosser Kunst gemacht.
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Was Himmel, Erd und Meer in weiten Raum ver-
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Wird dadurch wunderbahr zu unsrer Lust gelen-
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Das was der Himmel hegt, das breite Firma-
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Woran das Wunderlicht, der Sonnen-Körper
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Woran im dikken Dunst die ausgesprizten Strah-
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Durch den gebrochnen Schein viel tausend Farben
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Giest er in
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Was auf den Erdenball bestrahlt von Glanz und
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Mit Schönheits Farben prangt, das wird von
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Wenn es durch dem Cristal zum Seelen Siz ge-
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Was in der Lufft sich regt, der Vögel Zauber-
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Und der ermunternde und freudige Gesang,
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Den dieses leichte Heer in dünnen Lüfften kräu-
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Das lispelnde Gezisch das Wind und Aehre säu-
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Das liebliche Gethön das Zung und Saite
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Das durch das hohle Erz, Trompet und Pfeiffen
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Das aus dem Orgelwerk, von Trommelfell er-
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Der wollgestimmte Laut der aus den Glokken hal-
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Dies alles spüren wir mit seinem süssen Klang,
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Durchs Schnekkenförmge
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Die holde Süßigkeit, die in den Früchten
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In Speiß und Tranke liegt, wird durch die
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Was das Geschöpfe hegt, das zum Genuß be-
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Was in dem Obste stekkt, und in den Trauben
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Was in dem Brod gelegt, in Fleisch, und Milch
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Daß kan uns durch die Zung so Geist, als Körper
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Der Dünste Liebligkeit, die aus den Kräutern
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Der angenehme Dufft der von den Blumen
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Vergnüget den
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Die Lüffte diesen Dunst gleichsam unsichtbar
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Gott hat des Menschen Leib, so wunderbahr ge-
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Daß man an jeden Glied durchflochtne Nerven
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Die machen das
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Was unsern Körper nur auf einge Art berüh-
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O! welche manche Lust wird in den Geist er-
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Wenn sich auf sanffte Art der Nerven Draht be-
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Wie können wir dadurch die Kühlung von dem
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Bei einer schwülen Hiz erfrischt, erquikt emp-
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Wie angenehm ist es, wenns frieret, schneiet,
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Und die entflammte Wärm die kalte Haut an-
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Wie sanffte thut es nicht, wenn uns die Kälte
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Wenn uns ein warmer Pfül, ein weiches Bett be-
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Wie viele Lust entsteht in uns durch das Ge-
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Und ihrer Kizzelung aus manchen Scherz und
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Wer dieses nur bedenkt, der muß gleich einge-
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Das
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Daß er den Menschen hat, die Sinnligkeit ge-
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Dadurch er uns vergnügt, mit süsser Wollust
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Wie elend ist der Mensch der einen Sinn verloh-
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Er scheint zum Unglük nur auf diese Welt ge-
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Wer in dem Finstern tappt, das Licht nicht sehen
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Der heist mit allen Recht, ein Blind und armer
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Dem ist die schöne Welt, der Schauplaz voll
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Ein Kerker voller Angst darinnen er muß lie-
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Und hätte
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So wären wir allhie recht elend und geplagt:
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So würde alles das, wenn wir im Finstern siz-
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Was Schönheits Wunder zeigt für keinen Men-
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Bemerkt die Weisheit hier die alles wohl er-
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Die das Gesicht geschenkt, die Welt so schön ge-
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Mit Augen uns begabt, das Wohnhaus ausge-
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Mit Sonn und Licht erhellt; weils unser Aug er-
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Wie, wären wir ganz blind; und ohn Genus des
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So hülff uns alles das, was herrlich auch gar
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Das Auge bringet uns in diesem Weltgebäu-
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Durch dem Gebrauch des Lichts, Vergnügen, Lust,
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Das macht, daß auch die Welt mit ihrer grossen
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Uns zur Ergözligkeit, zu unserm Nuz gemacht.
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Das gilt von andern auch, die wir noch Sinne
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Wir würden ohne sie die Welt nicht brauchen kön-
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Was hülffe Thon und Klang, und Schall und
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Was nüzte die durch Kunst erfundne Harmonie,
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Bei dem Gesang und Spiel, wenn wir nicht auch
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Dadurch dieselbe dringt, wärn auf die Welt geboh-
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Des Schöpfers weise Macht hat diese ganze
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In dem Zusammenhang ganz ordentlich gestelt;
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Durchs Band der Sinnligkeit ist Leib und Seel
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Sein göttlicher Verstand hat vor uns gut gefun-
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Die Einrichtung der Welt: Daß die uns nüzlich
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So legt er Aug und Ohr das Sehn und Hören
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Wenn wir dies aufmerksam, wie sichs gebührt, er-
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So sehn wir was uns sey an jedem Sinn gelegen.
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Die Weisheit hat vorher das alles übersehn,
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Woraus das Wunderhaus die Erde solt bestehn;
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Sie schuff so vielerlei, dieweil wir schmekken kön-
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Um uns durch diesem Sinn Erquikkung auch zu gön-
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So stimmet Zung und Frucht darinnen überein:
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Gott muß ein weiser GOtt, der weislich ordnet seyn.
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Wo er die Weisheit zeigt, da strahlt auch ins Ge-
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Zugleich die Lieb und Treu, und seine Wundergüte.
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Die Mannigfaltigkeit die zu der Schönheit hört,
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Wie uns die Denkungskraft des Geistes deutlich
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Die ist in der Natur, so weit wir sie ergründen,
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Bei einer ieden Art der Kreatur zu finden.
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Das Thier und Pflanzenreich ist vom Geschöpfen
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Die nach der Weisheit Zwek der Mensch geniessen
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Wir könnten alle woll von Brod und Wasser le-
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Allein der Schöpfer hat uns vielerlei gegeben:
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Und doch ein jegliches, das sonst von gleicher Art
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Mit einer andern Krafft und Eigenschafft verpaart
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Und unsre Zung und Gaum so wunderbahr for-
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Daß man durch dem Geschmak die Aenderung ver-
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Die in Geschöpfen stekt: Und beides ist geschehn,
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Daß wir des Höchsten Güt daran im Geiste sehn.
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Er hat uns den Geruch zu dem vergnügten Le-
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Als eine andre Art der Sinnligkeit gegeben:
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Damit wir uns nach dem was lieblich ist bemühn,
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Und was uns schädlich ist, behutsam gleich ent-
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Das lehrt uns seine Güt und seine Weisheit ken-
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Der Nasen Sieb dient uns was Böß und Gut zu
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Es scheidet Waizen, Spreu; was wol, was ü-
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Wenn nur die Ausdünstung durch dessen Löcher
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Wir können dadurch noch der Güte Zeugnis häuf-
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Und
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Daß er Kopf, Hals und Leib, Arm, Bein und
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Mit Sehnen durchgewirkt, mit Nerven überspannt,
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Die recht empfindlich seyn. Was unsern Leib be-
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Es sey Wohl oder Weh wird dadurch gleich ver-
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Indem der ganze Leib mit Nerven überstreut:
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So merket man so gleich, was nuzt, was Scha-
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Die weise Vorsehung hat jedem Glied gezeiget,
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Wie sehr uns seine Huld zu unsern Wohl genei-
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Es kan ein jeder Sinn uns überzeugend lehrn:
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Wie wir auch schuldig seyn, den Schöpfer zu verehrn.
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Dafür, daß er uns hat zu dem vergnügten Leben,
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Gesicht, Gehör, Geschmak, Geruch, Gefühl ge-
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O! kläglicher Beweis der Unempfindlichkeit,
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Daß wir so undankbahr, indem uns
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Mit seiner Wundergüt; mit seinen grossen Gaben,
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Daß wir dennoch dabei ein Fühllos Herze haben.
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Wer denket wohl daran, daß es sey unsre Pflicht
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Mit dankbahren Gemüt, für Ohren und Gesicht,
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Für dem Geruch, Geschmak, dem Gütigen, All-
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Und auch für das Gefühl zu loben und zu preisen?
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Der Mensch erkennet nicht das Gute was er spürt,
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Er denkt niemahls daran, bis daß er es verliehrt.
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Wenn sich das Augenlicht mit schwarzer Haut ver-
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Ein eiternd faules Naß aus dessen Hölen quillet;
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Und wenn der Jahre Last der Nerven Krafft ent-
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Und er nicht hören kan; so wird es erst erkannt,
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Wie glüklich er gewest, befreit von allen Plagen,
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An Sinnen unverlezt, in den gesunden Tagen.
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Erkenne doch o Mensch! so lange dir nichts fehlt,
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Wie Leib und Seele sey durchs Sinnenband ver-
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Und wie du schuldig seist, zu deines Schöpfers Ehren
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Zu schmekken, riechen, sehn, zu fühlen und zu hö-
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Und dieses wird geschehn, wenn du dich stets be-
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In allen was du fühlst, hörst, riechest, schmekkest
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Des Schöpfers Gütigkeit, die sich an allen Wer-
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Ganz deutlich offenbahrt, mit Andacht zu bemer-
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Wenn du die Sinnligkeit durch dem Verstand re-
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Durchs Auge nicht das Herz zur bösen Lust ver-
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Das was erlaubt geneust, und das verbotne flie-
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Mit wollgewählten Schlus davon das Herz abzie-
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Alsdenn wird es geschehn, wenn man dadurch er-
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An Erde, Laub und Kraut, an Lufft und Firma-
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Daß
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Wenn man mit Augen wird an allen Dingen le-
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Die man in Tief und Höh, nah oder fern er-
164
Es sey die ewge Macht darinnen abgedrükt.
165
Alsdenn wird es geschehn, wenn man was lieblichs
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Daß man dadurch erwekt, das Herz zum Schöpfer
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Und seine Güte rühmt, die durch die rege
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Der fortgetriebnen Lufft, so grosse Wunder thut.
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Alsdenn wird es geschehn, wenn unsre Zunge
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Das Süsse der Natur und unser Herz erwek-
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Die Quelle zu besehn, woher das alles fleust,
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Was Leib und Seele labt, wenn es der Mund ge-
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O! Mensche brauche so das Werkzeug deiner
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So wird dadurch der Geist mit Ueberzeugung in-
175
Daß
176
Weil er durch jeden Sinn es zu erkennen giebt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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