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Man siehet, wenn zur Winters-Zeit,
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Der Erdenball mit Schnee bestreut,
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Wie sich die Jugend dran vergnüget,
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Und auf den Gassen häufig lieget.
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Sie scheuen Frost und Kälte nicht,
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Wenn ihnen gleich das Sonnenlicht
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Nicht scheint; ihr innres Feur vergehet,
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Vornemlich wenn der Nord recht wehet:
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Und dennoch spielen sie im Schnee,
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Bis endlich ein recht krimmelnd Weh,
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Durch ihre kalte Finger schleichet,
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Und das noch feurge Herz erweichet.
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Vornemlich ist es lustig schön,
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An einem Berge anzusehn,
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All wo der Schnee wenn er nicht schmelzet,
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Jm Rollen leicht wird aufgewelzet.
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Da rollen sie von einem Ort,
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Den kleinen Klump stets weiter fort,
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Und in dem fortgewelzten Wallen,
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Vergrössert sich des Schnees Ballen;
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Ich sahe einstens dies Gewühl,
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Mit Lust an, als ein Kinderspiel:
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Und dachte: was kan nicht entstehen,
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Wenn Dinge immer weiter gehen.
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Dies Kinderspiel, das stellte mir,
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Manch Lehrbild im Gedanken für:
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Ich konnte an dem klebricht Wesen
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Des Schnees, diese Warheit lesen:
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Ein Ding von einer gleichen Art,
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Wird mit dem andern leicht verpaart;
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Es wachsen leicht die losen Hauffen,
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Die eh mans meint, zusammen lauffen.
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Ein Mensch der zieht den andern an,
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Auf einer schlüpfeig glatten Bahn:
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Und kaum wird einer da erblikker,
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So wird er auch so gleich bestrikker.
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Die Kinder rollten in dem Lauf,
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Den Schneeball immer grösser auf;
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Die immer neuen Zuwachs kriegen,
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Je weiter man durch das Gerücht,
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Von einer falschen Sache spricht;
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Je mehr wird sie mit Schein verbessert,
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Und fast von Mund zu Mund vergrössert.
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Der Klumpe ward zulezt sehr groß,
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Und ein recht ungeheurer Klos,
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Er wolte endlich nicht mehr wandern:
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Drum rief ein Knabe zu dem andern,
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Komm hilf mir daß er komm zum Lauf,
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So thürmt sich ein Gebürge auf.
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Er kam, sie stiessen alle Beide,
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Jedoch es ward die eitle Freude,
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Durch einem Zufal drauf gestöhrt.
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Die Lust in Weinen bald verkehrt.
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Indem sie solchen stärker rollten,
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Jhn mit Gewalt fortwelzen wollten:
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So wurde einer übermant,
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Er fiel, verrenkte seine Hand,
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Er schrie mit jammervollen Thränen,
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Bei dem mit Schmerz verrükten Sehnen:
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Mein Arm, mein Arm, mein Arm, mein Arm.
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So gehts, dacht ich in meiner Seelen,
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Den Lästrern auch, bei dem Erzählen
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Der Lügen, da des Nächsten Fall,
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Sie bringt in Angst, in Noth und
Qual.
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Sie wollen andre gerne fällen,
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Sind eins mit ihren Rottgesellen.
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Sie sagen was der andre sagt,
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Doch wenn sie es zuviel gewagt:
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So kommt die Straffe hergelauffen,
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Und schmeist die Lügner übern Hauffen.
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Jhr Kinder traut den Schneeball nicht,
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Jhr Alten last kein falsch Gerücht,
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Durch eure Zunge weiter gehen,
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Es kan daraus eur Schad entstehen.
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Der Schneeklump ward nicht mehr gewelzt,
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Er wurde durch die Sonn zerschmelzt:
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Besteht nicht bei der Warheit Lichte.