Preis GOttes wegen der Wun- derbahren Hervorbringung und Einrichtung der Menschen

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Johann Justus Ebeling: Preis GOttes wegen der Wun- derbahren Hervorbringung und Einrichtung der Menschen (1747)

1
Herr, des Lebens, Quell der Dinge,
2
Deinen Ruhm recht zu erhöhn,
3
Bin ich viel, viel zu geringe,
4
Ich muß selbst mein Nichts gestehn:
5
Du hast mich mit deinen Händen,
6
Aus den tief verdekten Wänden
7
Wunderbar aus Licht geführt,
8
Dadurch ist mein Herz gerührt.

9
Es erkennet mein Gemüte;
10
Du HErr! du bist es allein,
11
Und die grosse Wundergüte
12
Ist die Quell von meinen Seyn;
13
Ich wär in dem Nichts geblieben,
14
Wenn dein überschwenglich Lieben,
15
Mich nicht aus der finstren Nacht,
16
An des Tages Licht gebracht.

17
Du hast mich wie Milch geronnen,
18
Weiser Meister der Natur,
19
Wie ein zartes Garn gesponnen,
20
Auf der unsichtbahren Spur,
21
Du hast meinen Leib formiret,
22
Dessen Wunderbau vollführet,
23
Glied an Glied, durch deine Hand,
24
Wie ein Uhrwerk aufgespannt.

25
O! was bin ich vor ein Wunder,
26
Seh ich mich nur selbsten an;
27
Denk ich was ich bin jetzunder,
28
Und was du an mir gethan,
29
Da du meinen Leib gewebet,
30
Wo ein Theil am andern klebet;
31
So macht Herze, Zung und Mund,
32
Deine Wundergrösse kund.

33
In dem künstlichsten Verbinden,
34
Da ein Glied am andern hängt,
35
Kan ich lauter Wunder finden
36
Dadurch wird mein Sinn gelenkt,
37
Weiser Schöpfer dich zu loben,
38
Da du mir so viele Proben
39
Deiner Allmacht kund gethan,
40
Als ich Glieder zählen kan.

41
Werffe ich der Andacht Blikke,
42
Bei des Körpers schönster Zier,
43
Auf den ersten Stoff zurükke,
44
So kommt mir ein Pünctgen für,
45
Das sich an zu regen fänget,
46
Weiter auseinander drenget,
47
Und entwikkelt wie ein Draht,
48
Den man aufgewunden hat.

49
Da seh ich mich in Gedanken,
50
Wie ein kleines Wunderkorn,
51
Daß in seinen engen Schranken
52
Theile hat die ganz verworn
53
Durcheinander sind gefalten,
54
Die ein Allmachtvolles Walten,
55
Durch die unsichtbahre Krafft,
56
Unvermerket grösser schafft.

57
Weiter seh ich mich im Kleinen,
58
Und die erste Grundbildung,
59
Woran Kopf, Arm, Schenkel scheinen,
60
Bringt mich zur Bewunderung.
61
Ich war in den engen Kreisen,
62
Noch so klein wie die Ameisen
63
Als ich in dem Auffenthalt,
64
Schon bei nah zwei Monath alt.

65
Deine Vorsicht half mich weiter,
66
Durch des Wachsthums Treibe-Krafft,
67
Ich ward länger, ich ward breiter,
68
Durch dem der da alles schafft.
69
Augen, Finger die entsprossen,
70
Waren weiter ausgeschossen;
71
Ich empfing im finstren Schlauch,
72
Bald darauf den Lebens Hauch.

73
Meine Bildung ward vollendet,
74
Grosser GOtt! durch deine Macht,
75
Als die Zeit hernach geendet,
76
Hast du mich ans Licht gebracht.
77
Wie dies alles sey geschehen,
78
Kan mein Wiz noch nicht verstehen;
79
Aber dies versteh ich klar,
80
Es sey alles wunderbahr.

81
Deine Hand hat mich formiret,
82
Und dein göttlicher Verstand,
83
Hat mich weislich ausgezieret,
84
Das ist mir genug bekandt.
85
Nehm ich mich zum Augenmerke,
86
Seh ich so viel Wunderwerke,
87
So viel Stük und Glieder man,
88
An dem Körper zählen kan.

89
Unsers Körpers Kunstgebäude,
90
Ist der Seelen ihr Pallast,
91
Drin das schlanke Eingeweide
92
Wunderbahrlich eingefaßt.
93
Und das äuserlich Gehäuse
94
Der Maschine, ist sehr weise
95
Durch der Sehnen starkes Band,
96
Wie ein Uhrwerk aufgespannt.

97
Dieses schöne Meisterstükke
98
Zeiget seinen Meister an,
99
Führt uns gleich auf dem zurükke,
100
Der solch Kunstwerk bilden kan:
101
Und daß bist du ewger Schöpfer
102
Der du uns, als wie ein Töpfer
103
Unser leimern Haus formirt
104
Und so weislich ausgeziert.

105
O! wie herrlich, o! wie weise,
106
Ist das Aussenwerk polirt,
107
An des Körpers Kunstgehäuse,
108
Ist es nicht so aufgeführt,
109
In einander so gesezzet,
110
Daß uns alles dran ergözzet?
111
Jeder Theil ist so gefügt,
112
Daß das Ganze uns vergnügt.

113
Es ist nicht dabei vergessen,
114
Des Verhältnis Richtigkeit
115
Als wenn alles ausgemessen;
116
Jedes Gliedes Zierligkeit,
117
Giebet uns ein weises Wesen,
118
Das es so formirt, zu lesen,
119
Und des ganzen Körpers Bau,
120
Legt uns Ordnung, Pracht zum Schau.

121
Wie die Zweige mit den Stammen;
122
So hängt auch das Haupt und Glied
123
Wolgefüget fest zusammen
124
Da ein Glied das andre zieht
125
Wie die Säffte zirkuliren,
126
Sich durch alle Theile führen
127
In dem Baum; so geht das Blut
128
Durch den Leib das nimmer ruht.

129
Dieses schöne Kunstgebäude,
130
Das aus manchen Theil besteht,
131
Hat Kopf, Leib, und Füsse, Hände,
132
Daran sich ein jedes dreht,
133
Es kan sich von selbsten lenken,
134
Wie und wo es will hinschwenken,
135
Zeigt uns das nicht klärlich an,
136
Was des Höchsten Allmacht kan?

137
Wer kan alle Wunder zählen,
138
Die am Haupte sind vereint
139
Da am Hirn dem Siz der Seelen
140
Schon so manches uns erscheint.
141
Sehn wir wie von allen Seiten
142
Sich die zarten Fäsern leiten:
143
So bemerkt man hier den Siz,
144
Von der Menschen zarten Wiz.

145
O! wie viele Wunderröhren,
146
Sehen wir nach weisen Rath,
147
Aus des Hirnes Hölen kehren,
148
Die sich wie ein zarter Draht,
149
Durcheinander künstlich winden,
150
Und wie ein Gespinst verbinden,
151
Die sich immer weiter drehn,
152
Und zum äusren Sinnen gehn.

153
Diese alle sind zusammen
154
Werkzeuge der Sinnligkeit,
155
Die aus dem Gehirne stammen,
156
Und im Kopf herum zerstreut:
157
Das was aussen wird verspüret,
158
Wenn die Nerven sind gerühret,
159
Zu der Seele wird geschikt,
160
Und verborgen eingedrükt.

161
Unbeschreiblich ist geschmükket,
162
Unsrer Augen Wunderglas,
163
Dadurch unser Geist erblikket,
164
Was in dem Cristallnen Naß
165
Sich mit seinem Bilde mahlet,
166
Da denn in die Röhren strahlet,
167
Was vom Körper sichtbahr springt
168
Das dadurch zur Seele dringt.

169
Herrlich ist der Gang der Ohren,
170
Von dem Schöpfer aufgebaut,
171
Wenn man durch die offnen Tohren,
172
Krumgewundne Schnekken schaut:
173
Da muß sich durch Jrregängen,
174
Der getriebne Schall fortdrängen
175
Der drauf an die Trommel schlägt,
176
Und gespannte Nerven regt.

177
Kunstreich ist der äusre Hügel,
178
Von der Weisheit angelegt,
179
Der der Augen runde Spiegel,
180
Gleichsam als ein Pfeiler trägt.
181
Es dringt durch die offnen Hölen,
182
Durch ein Sieb zum Siz der Seelen,
183
Der ambrirter Blumen Rauch,
184
Und der dufftgen Körper Hauch.

185
Es sind diese Nasen Löcher,
186
Durch die Flügelwand getheilt,
187
Und gleichsam zwiefache Fächer,
188
Dadurch das herunter eilt,
189
Was von zähen Feuchtigkeiten,
190
Vom Gehirne abzuleiten:
191
Es muß auch durch diese Röhrn;
192
Othem hin und wieder kehrn.

193
Oefnen wir der Lippen Schlösser,
194
Und das Elfenbeinern Thor;
195
So kommt uns wie im Gewässer
196
Unsre feuchte Zunge vor;
197
Die aus einem schwammicht Wesen
198
Von dem Schöpfer auserlesen,
199
Und von allen Knochen frei,
200
Damit sie beweglich sey.

201
Weiser Schöpfer mit Ergözen,
202
Macht uns unsre Zung und Mund,
203
Die die Speicheldrüsen nezen,
204
Deiner Allmacht Grösse kund!
205
Der gewölbte Bau der Lippen,
206
Und der Zähne harte Klippen,
207
Die verriegeln wunderbahr
208
Unsre Zunge vor Gefahr.

209
Dieses Glied das sich leicht reget,
210
Wie ein Schwerd ist zugespizt,
211
Wird wenn man es recht erweget,
212
Sonderlich zur Sprach genüzt,
213
Und durch ein empfindend Schmekken,
214
Muß es uns dazu entdekken,
215
Was vor süsse Liebligkeit,
216
Sey in Speiß und Trank gestreut.

217
Darum sind drauf ausgesäet,
218
Warzen die sehr spiz und klein,
219
Dadurch der Geschmak entstehet,
220
Weil es lauter Nerven seyn:
221
Daß wenn Speis und Trank sie rühret,
222
Wird so gleich von uns verspüret:
223
Ob dieselben uns bequem,
224
Ob sie herbe, angenehm.

225
Wenn die Muskeln sich bewegen
226
An der Zung, so merket man,
227
Wie durch ihr geschwindes Regen,
228
Stimm und Wort entstehen kan;
229
Da was unser Geist gedenket,
230
Wenn die Zung den Gaum gelenket,
231
Unser Mund so gleich erklärt,
232
Welches man in Worten hört.

233
Schauen wir die Leibes Höle,
234
Die am Hals ist angefügt,
235
So entdekken wir Canäle
236
Deren Nuzze uns vergnügt.
237
Eine von des Halses Röhren,
238
Läßt uns das Gethöne hören:
239
Wird die Lufftröhr sonst genannt,
240
Wie iedweden ist bekannt.

241
Diese steiget zu der Lunge,
242
Jene geht zum Magen hin,
243
Und nimmt von der regen Zunge,
244
Speis und
245
Den der Magen zubereitet,
246
Und durch das Gedärme leitet,
247
Dadurch denn der beste Safft,
248
Allen Gliedern Kräffte schafft.

249
Was in den Gedärmen hänget,
250
Das sich kriechend fort bewegt,
251
Wird denn immer fortgedränget,
252
In die Milchgefäß gelegt,
253
Welche diese Nahrung seigen,
254
Wie uns die Zergliedrer zeigen,
255
Bis der Safft denn fortgedrükt,
256
In die Adern wird geschikt.

257
Spürt hiebei nicht das Gemüte,
258
Eine grosse Wundermacht,
259
Eine ewig weise Güte,
260
Wenn man dieses überdacht,
261
Wie der Körper so formiret,
262
Daß sich Sinn und Geist verlieret,
263
Wenn man achtsam überschaut,
264
Wie der Leib ist auferbaut?

265
Doch last uns zu GOttes Preise
266
Ferner noch die Brust besehn,
267
Welche der alleine Weise
268
Wie ein jeder muß gestehn,
269
Als die Festung vor das Leben,
270
Wie mit einem Wall umgeben;
271
Mit des Brustbeins starken Schild,
272
Gegen die Gefahr verhüllt.

273
Dieser dekt die Lebens-Quelle,
274
Woraus Freud und Leid herstammt,
275
Worin Has und Zorn sehr schnelle,
276
Wie ein wütend Feur entflammt:
277
Dieser Siz von Lust und Schmerze,
278
Aller Leidenschafft, das Herze,
279
Ist von GOttes Allmachts Hand,
280
Wie ein Uhrwerk aufgespannt.

281
Dieses Triebrad das sich reget
282
Machet daß der Lebenssafft,
283
Das Geblüt das es beweget,
284
Durch den Leib wird fortgeschafft;
285
Durch sein sprüzzendes Gedränge,
286
Füllet es der Adern Menge,
287
Da denn weil es immer treibt,
288
Keine Faser safftlos bleibt.

289
Nehmen wir zum Augenmerke,
290
Ferner die Beschaffenheit,
291
Von dem grossen Wunderwerke,
292
Von dem Herz das oben breit,
293
Unten aber zugespizzet,
294
Wie es im Gewölbe sizzet
295
Der von GOtt gebauten Brust:
296
So verspürt man Wunderlust.

297
Es hängt an den Adern, Röhren,
298
Die mit Blut sind angefüllt,
299
Wo beim Hin- und Wiederkehren,
300
Dieser rothe Safft fortquillt;
301
Diese gehn zu beiden Seiten,
302
Durch die Puls das Blut zu leiten,
303
In des Körpers Aederlein,
304
Die wie kleine Aeste seyn.

305
Daraus wird es fortgeschikket,
306
Wie der rege Kreislauf geht,
307
In das Herz zurük gedrükket,
308
Wenn die Fall-Thür offen steht,
309
Die in denen Herzens-Kammern,
310
Welche wie mit festen Klammern
311
An der starken Scheidewand,
312
Wundernswürdig angespannt.

313
So geht aus der einen Celle
314
Die des Herzens Vorsal heist,
315
Diese rothe Lebens-Quelle
316
Fort bis sie durchs Herze fleust,
317
Das mit einem scharffen Drükken
318
Es muß wiederum fortschikken;
319
Und so fliest das ab und zu,
320
Und das Herz hat nimmer Ruh.

321
Denkt man zu des Schöpfers Preise
322
Nach, des Herzens Einrichtung,
323
So bringt der alleine Weise
324
Uns zu der Bewunderung:
325
Wie er ein so zart Gespinste,
326
Macht zum Wunder aller Künste,
327
Das sich wie ein Drukwerk treibt,
328
Und so lang im Stande bleibt.

329
Um das Herz ist wie ein Küssen,
330
Ferner auch die Lung gelegt,
331
Die wir fast vergleichen müssen,
332
Einem Blasbalg der sich regt,
333
Da die Lufft durch Röhren gehet,
334
Paustend in die Bläsgens wehet,
335
Die hernach das Blut verdünnt,
336
Welches in den Adern rinnt.

337
Dadurch schöpfet wer da lebet,
338
Jmmer einen frischen Hauch,
339
Wenn sich auf und nieder hebet
340
Dieser schwammigt Lungen Schlauch,
341
Der so künstlich ist formiret,
342
Und mit Bläsgens ausgezieret,
343
Daß man gnugsam dran erkennt,
344
Wer sein Meister wird genennt.

345
O! wie viele kleine Röhren
346
Die mit Blut sind angefüllt,
347
Sieht man hie und dahin kehren,
348
Gleich als wenn ein Springborn quillt,
349
Da sich fast zu allen Seiten,
350
Wie im Haus die Röhren leiten,
351
Worin nachmahls Wasser springt,
352
Das in alle Zimmer dringt.

353
Wird ein Meister hochgerühmet
354
Und mit Lob und Ehrenpreiß,
355
Wegen seiner Kunst beblühmet,
356
Der da anzugeben weiß,
357
Wie Fontainen anzulegen,
358
Wie ein Orgelwerk zu regen:
359
So verdient um so vielmehr,
360
Unser Schöpfer Ruhm und Ehr.

361
Dieser hat dergleichen Werke,
362
In die hohle Brust gelegt,
363
Wo ich eine Röhr bemerke,
364
Drin die Lufft den Thon erregt,
365
Die gleich Orgel-Pfeiffen schallet,
366
Dran der Lungen Blasbalg wallet,
367
Der die Lufft die dadurch geht,
368
Zum verschiednen Thone dreht.

369
Und das Herz noch zu erwähnen
370
So legt dessen Wunderbau
371
Uns recht künstliche Fontainen,
372
Die mit Blut gefüllt zum Schau.
373
Und die Adern die dran sizzen,
374
Siehet man beständig sprizzen
375
Durch ein Triebwerk das stets geht,
376
Bis zum Todt nicht stille steht.

377
Doch wir wollen weiter gehen,
378
Und was hintern Vorhang stekt,
379
Den man Zwergfell nennt, besehen,
380
Das noch viele Wunder dekt.
381
Dieses Fell wird gleich der Lungen,
382
Jmmer auf und ab gedrungen,
383
Dient dem Herzen selbst zum Schuz,
384
Ohne seinen andern Nuz.

385
Denn sieht man die Leber hangen,
386
Die den bittren Gallensafft,
387
Aus dem Blute muß auffangen,
388
Und in ihre Blase schafft:
389
Da die bittre Quelle fliesset,
390
Sich in das Gedärm ergiesset,
391
Und die scharffe Feuchtigkeit,
392
Reinigt, die der Magen streut.

393
O! wie vieles wär zu sagen
394
Von der Küche, die uns nährt,
395
Von dem dikken Schlauch, dem Magen,
396
Der dem Leibe Krafft beschert.
397
Weislich ist er zugerichtet,
398
Wie uns jederman berichtet,
399
Der die Absicht nachgedacht,
400
Warum dieser Sak gemacht.

401
Er besteht aus dreien Häuten,
402
Und hat unterm Mittelfell,
403
Gegen unsrer linken Seiten,
404
Seine angewiesne Stell.
405
Es pflegt sich in seinen Falten
406
Salzzig saures auf zuhalten
407
Das den Appetit erwekt,
408
Und die Kost verdaut, zerlekt.

409
Oben aus des Halses Schlunde
410
Gehet durch die Speise Röhr,
411
Kost und Trank zum Magen-Munde,
412
Und der wird denn wieder leer,
413
Wenn das was genug bereitet,
414
Gleich der Pförtner weiter leitet,
415
Der was woll verdaut, zerkeut,
416
Unten ins Gedärme streut.

417
Da wird das denn abgeseiget,
418
Was als unser Nahrungssafft,
419
In die Milchgefässe steiget,
420
Und uns Kraft zum Leben schafft;
421
Was hernach wie Kley zu achten,
422
Und als Unrath zu betrachten,
423
Findet eine andre Spur,
424
Als ein Auswurff der Natur.

425
Zu des Körpers Eingeweide
426
Wird die Milz annoch gezählt,
427
Die mit einem bangen Leide
428
Viele recht entsezlich quält;
429
Doch wir können sicher schliessen,
430
Daß sie auch wird dienen müssen;
431
Ob gleich von der Nuzbarkeit,
432
Die sie schafft ein grosser Streit.

433
Alles was das höchste Wesen,
434
Zu dem Menschen ausersehn,
435
Und zum Körper auserlesen,
436
Ist ob wir es nicht verstehn:
437
Dennoch nüzlich zu benennen;
438
Wenn wir gleich nicht sagen können,
439
Was die Weisheit hat gedacht,
440
Da sie unsre Milz gemacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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