An den Edlen Johann von Landts Kron/ alß er von jhm verreiset

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Martin Opitz: An den Edlen Johann von Landts Kron/ alß er von jhm verreiset (1624)

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Wann sich der werthe Gast/ die Seele nun soll scheiden/
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Vnd jhres leibes Schloß/ die zarte Wohnung meiden/
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Hilff Gott/ was hebet sich alß dann für jammer an?
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Wie bitter geht es ein/ ehe man sich geben kan?
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Die Haare siehestu alßdan zu berge stehen/
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Die Augen in dem Kopff hin vnd herwider gehen/
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Das Hertze schleget starck/ der Mensch sich kläglich stellt/
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Die Seele fehret auß/ der Todt den Platz behelt.
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Wann ein vertrautes Hertz das ander muß verlassen/
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Was thut sie dazumahl vor Hertzenleid vmbfassen:
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Die Threnen quellen vor alß eine weite Flut/
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Der Geist auß Kümmernus ohn ende seufftzen thut/
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Das Hertz ist halb dahin/ man kan sich kaum besinnen/
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Vnd weiß nit wohinaus/ ja man kan nichts beginnen/
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Ein Tag ist ein gantz Jahr/ die angenehme Nacht
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Wird mit trübseligkeit ohn Schlaff hinweg gebracht.
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So gehet es auch vns/ nach dem wir jetzt mit schmertzen
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Von vns gerissen sein/ so offt ich thue behertzen/
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Wie wir ohn Arg vnd Falsch gelebet jederzeit/
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Wird mein Gemüte gantz bewegt zu Trawrigkeit.
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So will mir auch mein Leidt nur nicht so vil vergönnen/
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Daß ich ein zierlich Lied dir möchte dichten können.
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Den werthen Lorbeerbaum verfluch ich jetzund gantz/
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Vnd alle Frölichkeit: Cypressen wird mein Krantz.
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Ach daß doch die Natur nicht wollen mir erleuben/
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Ein liebliches Gedicht/ wie Naso thet/ zuschreiben/
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Oder wie Orpheus vff Hemus Klippen sang/
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Daß davon vberal Walt/ Feld/ vnd Berg erklang.
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Ich wolte dich sehr hoch/ du Kron vnd Zier der Jugent/
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Biß an des Himmels Feld erheben/ durch die Tugent
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Der schönen Wissenschafft: dein Name solte sein
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In aller Ewigkeit Stammbuch geschrieben ein.
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Die weil nun dieses nicht in meinen Kräfften stehet/
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Vnd mir die hohe Kunst jetzt nicht von handen gehet/
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So nimm diß schlechte Pfandt/ die schlechte Vers zu dir/
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Weil zu geleiten dich das Glück nit gönnet mir.
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Wann wir vns offtermals auff was gewiß bedencken/
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So kompt der so die Welt mit einer Hand kan lencken/
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Der streichet einen strich durch vnser Hertz vnd Sinn/
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Vnd führet vnverhofft das gantze Datum hin.
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Doch wann du werest gleich/ wo Ph
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Vnd Ich in
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So wolten dennoch wir nicht abgesondert sein/
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Mein Hertze bleibet dein/ dein Hertze bleibet mein.

(Opitz, Martin: Teutsche Pöemata und: Aristarchvs Wieder die verachtung Teutscher Sprach. Straßburg, 1624.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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