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Galante Nachbarin erbrich ein kleines Schreiben/
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Das ein entflammter Geist aufs weisse Blat gestellt;
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Mein Feuer müste zwar noch wol verborgen bleiben/
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Allein! wer widersteht wenn Dach und Giebel fällt.
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Wenn der gesammte Bau in lichten Flammen stehet/
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So fliehet jedermann/ und sucht bey andern Raht/
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Eh’ als das gantze Haus im Rauch und Dampff vergehet/
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Und die erboßte Flamm zu weit gefressen hat.
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Mein Hertz brennt lichterloh/ die heissen Funcken stieben
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Mir aus den Augen raus: die helle Liebes-Gluht
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Ist schon neun Monden lang bey mir verborgen blieben/
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Wodurch mir ist verseigt mein Nahrungs-Oehl/ das Blut.
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Ist nun von deiner Hand nicht Hülffe zu erlangen?
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So muß mein Hertzens-Bau in Flammen untergehn;
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Doch stoltze Hoffnung lässt mich schon mit Beystand prangen/
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Weil meinen Untergang dein Auge nicht kan sehn.
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Denn brennt des Nächsten Wand/ so ist Gefahr verhanden
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Vor jenen/ der zunächst an solchen Flammen wohnt;
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Es pflegt der harte Sinn/ am Wehmuhts-Fels zu stranden/
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Weil die erzürnte Gluht auch seinen Bau nicht schont.
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Ein jeder träget bey was zur Errettung dienet/
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Setzt Feindschaft an die Seit’/ und steurt den wilden Brand/
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Weil durch gethane Hülff die Wohlfahrts-Pflantze grünet/
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Und angewandter Fleiß beschützet seine Wand.
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Allem! hier seh’ ich gern/ daß auch mit heissen Flammen
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Dein annoch kaltes Hertz in Liebe werd’ entbrennt;
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Daß du magst meine Gluht/ als schädlich/ nicht verdammen/
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So da der Tugend-Bahn im minsten nicht verkennt.
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Schlägt nun mein Bitten an/ werd’ ich Erhörung finden/
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So wird mein krancker Geist ins Paradiß verrückt.
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Ich werde in dem Port der frohen Hoffnung länden/
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Und treiben an das Land der Glückes-Insul an/
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Die lange Nacht wird sich mit hellem Morgen enden/
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Nachdem ihm seine Sonn’ geht in der Nähe auf/
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Ich werde durch den Sturm zum grünen Berge dringen/
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Wird nun auch kein Verzug an deiner Seiten liegen/
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So schreib mir Nachbarinn gewünscht bald wieder zu/
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Gedenck/ daß ich den Brand schon lang’ genug verschwiegen/
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Und setz durch gute Schrifft mein traurges Hertz in Ruh.