An eine Jungfraw

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Martin Opitz: An eine Jungfraw (1624)

1
Vmb alles Gut vnd Gelt in diesem gantzen Lande
2
Sag ich noch euch/ Jungfraw/ noch andern was zu schande/
3
Vnd wolte Warlich nicht/ daß jemandt sprechen solt/
4
Ich wolt jhn nur auß Haß verkleinern vnverschuldt/
5
Ihr möget aber doch darneben künlich gleuben/
6
Daß ich ohn euch/ Gott lob/ wol werde leben bleiben/
7
Ich will derhalben auch mich nimmer vnderstehn/
8
Von wegen ewrer Huldt mit Lugen vmbzugehn/
9
Diß alles laß ich euch die Hoffeleuth erzeigen/
10
Die sonsten zimlich hoch mit reden können steigen/
11
Die jedes Wort auffziehen mit sonderlichem schein/
12
Auff daß sie desto mehr in ewrer Gnade sein.
13
Sie thun wol einen Eydt/ doch nicht ohn heimlich lachen/
14
Daß ewer äugelein die Sonne finster machen/
15
Vnd daß sie Sternen sein am hellen Firmament/
16
Von denen Frewd vnd Leyd zu jhnen wirdt gewendt/
17
Sie schwören hoch vnd thewr/ daß Gott euch außerlesen/
18
Vor aller Zierligkeit/ vor allem schönen Wesen/
19
Vnd sagen/ seelig sey das Jahr vnd denn die Zeit/
20
In der jhr grosse Zier der Welt geboren seit/
21
Sie sprechen wol darbey/ daß jhr durch bloß anblicken/
22
Auch ein Gemüt von Stein vermöget zu entzücken/
23
Daß auß America die beste Specerey
24
Mit ewrem Athem weit nicht zuvergleichen sey.
25
Daß schöner Hände nicht gemahlet werden künten/
26
Daß gegen jhnen Schnee zugleichen sey der Dinten/
27
Daß iedes Zänlin sey ein köstlicher Demant/
28
Das die Natur daran all jhre Kunst gewant.
29
Vnd daß die Lippen auch/ so als die Rosen blühen/
30
Weit sein den Edelsten Corallen vorzuziehen/
31
Das Haar (ich glaube nicht daß es von Hertzen kümpt)
32
Ein jeglicher vor Golt vnd beste Perlen nimpt.
33
Sie setzen wol hinzu/ wann sie euch reden hören/
34
Daß auch ein jedes Wort jhr Hertze thu versehren/
35
Vnd daß der starcke Mars durch ewre Liebligkeit
36
Die Waffen abzuthun euch würde sein bereit.
37
Geliebet euch hernach von Venus was zusingen/
38
Die Winde könnet jhr durch ewre Stimme zwingen/
39
Vnd wann jhr weiter auch euch zu der Lauten findt/
40
Ist Orpheus vngelehrt/ vnd gegen euch ein Kindt.
41
Wann jhr zu Felde kompt wohin man euch sicht gehen/
42
Da sicht man auch zugleich die schönsten Blumen stehen/
43
In summa/ die Natur hat diß an euch get han/
44
Daß ewre Treffligkeit kein Mensch beschreiben kan.
45
Wie möcht ich aber wol zuhören diesem allen/
46
Vnd auch vor Lachen nicht für meine Füsse fallen/
47
Ich glaube wer das Thun nur halb beschreiben wolt/
48
Er Feder vnd Papir auch schamroth machen solt.
49
Vnd was dann mich belangt/ bin ich gar nicht der Sinnen/
50
Daß ich so ewre Gunst verhoffte zugewinnen/
51
Mein Hertz ist auch noch nicht so trefflich sehr entzündt/
52
Daß ich jhm noch zur Zeit nicht widerstehen kündt.
53
Ich sage freylich wol/ vnd weiß es wahr zumachen/
54
Daß jhr gar rein vnd steiff bewahret ewre Sachen/
55
Vnd daß jhr sehr viel sein voll Hoffart/ stoltz vnd pracht/
56
Die jhr gar weißlich doch nicht sonders habt in acht.
57
Daß ich euch aber auch vor Göttlich solt erkennen/
58
Man möcht es/ förcht ich nur/ wol Träum vnd Lügen nennen/
59
In ewrem Leichnam lebt zwar alle Zierligkeit/
60
Doch auch nicht wenig ist dem Himmel trefflich weit.

(Opitz, Martin: Teutsche Pöemata und: Aristarchvs Wieder die verachtung Teutscher Sprach. Straßburg, 1624.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.