Auff die Melodey: Kehr vmb mein Seel/ rc

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Martin Opitz: Auff die Melodey: Kehr vmb mein Seel/ rc (1624)

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Jetzt blicken auß des Himmels Saal
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Die güldne Sternen allzumahl/
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Ich bin ohn Hoffnung gantz allein/
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Ich wach/ vnd andre schlaffen ein.
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Ihr Jungfraw/ lieget in der Ruh/
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Vnd habet ewer äuglein zu/
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Ihr blaset auß dem rothen Mundt
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Das süsse Gifft/ so mich verwundt.
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Ihr dencket nicht an meine Noth/
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Noch an den starcken Liebes-Gott/
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Der mein betrübt Gemüth gebracht
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In ewer Hand vnd grosse Macht.
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Ich lieg an ewrer tauben Thier/
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Ob ich doch möchte kommen für/
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Vnd ewren vnbewegten Sinn
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Durch meine Bitte legen hin.
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Die Vögel so sonst fliegen ferr/
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Die Fisch auch in dem wilden Meer
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Sindt sicher/ geben sich zu ruh/
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Vnd nur ich thue kein Auge zu.
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Die Thränen ruff ich Zeugen an/
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Damit ich euch nicht zwingen kan/
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Die Thränen so ich euch zu schandt
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Verlaß/ als meiner Liebe Pfandt.
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Ein jeglich ding hat seine Zeit/
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Wann es gefroren vnd geschneit/
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Macht sich der Westwindt auff die Bahn/
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Vnd legt der Erdt new Kleider an.
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Das eine fellt/ das ander steht/
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Wann Ph
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Tritt ab der Mond/ kompt er heran/
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Muß Ph
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Es hatt doch alles sein gebür/
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Zwey dinge bleiben für vnd für/
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Ewr harter Sinn/ vnd meine Pein/
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Die müssen gantz vnendtlich sein.
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Die vrsach ist mein standthafft Hertz/
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Weil ich nicht mit der Liebe schertz/
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Noch/ wie die Blumen/ mich verkehr/
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So Boreas weht hin vnd her.
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Ich bin kein Schifflein in der See/
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Das nach des Windes Wellen geh/
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Ich halt allein bey euch fest an/
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Bey euch bleib ich/ sonst niergendt/ stahn.
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Vnd diß ist/ Jungfraw/ meine schuldt/
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Wohlan ich geh/ daß jhr nicht solt
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Euch vber mich beschweren sehr/
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Ich will euch nicht bekümmern mehr.
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Gehabt euch wol/ ich scheid jetzt ab/
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Gehabt euch wol/ ich eil ins Grab/
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Ach lasset doch mein Seelelein
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In ewren Schoß verwahret sein/
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Sonst wirdt sie Venus auff dem Wagen/
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So hoch als Sonn vnd Monde tragen/
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Sonst wirdt mein arme Seele stehn/
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Wo jetzundt die Gestirn auffgehn.
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Die Sternen in deß Himmels Feld/
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So nächtlich leuchten aller Welt/
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Die waren Buhler vor der Zeit/
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Jetzt stehen sie von Noth befreyt.
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Sie stehn vnd haben fleissig acht/
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Was Pein vnd Leiden jhr mir macht/
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Sie zeigens an der Venus Sohn/
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Der euch wirdt geben rechten Lohn.
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Der Liebe Schwestern/ Leyd vnd Frewd/
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Sein auch alldar/ vnd samlen beyd
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In einen Krug die Thränen all/
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Vnd setzen sie auff Venus Saal.
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Die Namen Venus zeichnen lest
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In jhr Register/ wer das best
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Vnd meiste dann gelitten hier/
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Wirdt andern dort gezogen für.
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Die beste Stell bleibt wol für mich/
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Weil ich jetzt sterbe williglich/
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Da will ich stehen euch zu Spott/
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Die jhr mich bringet zu dem Todt.
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Jungfraw ich geh/ vnd laß allhier
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Die heissen Thränen vor der Thür/
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Doch/ soll ich fort/ denckt doch vorhin/
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Ob ich vmb euch den Todt verdien?

(Opitz, Martin: Teutsche Pöemata und: Aristarchvs Wieder die verachtung Teutscher Sprach. Straßburg, 1624.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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