Vber den Abschied einer Edlen Jungfrawen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Martin Opitz: Vber den Abschied einer Edlen Jungfrawen (1624)

1
Gleich wie zu Sommerszeit/ wann alles frölich blühet/
2
Vnd Wald/ Berg/ Feld vnd Thal anmütig schön außsiehet/
3
Auch vnder anderen sehr zarten Blümelein
4
Die schöne Lilie läst blicken jhren schein:
5
Es fliegen auff sie zu die Bienen hauffen weise/
6
Vnd saugen auß mit fleiß die angenehme Speise/
7
Den angenehmen Safft: Sie steht in höchstem Flor/
8
Es glentzt jhr weisses Kleyd für allen Blumen vor.
9
Ihr günstiger Geruch erfrewet Hertz vnd Sinnen/
10
Man muß jhr werden hold/ man muß sie lieb gewinnen/
11
Der schöne Zephyrus wirdt gegen jhr entzündt/
12
Vnd wehet auß Favor jhr zue den Liebes Windt.
13
Bald aber vnverhofft da kompt einher gebrauset
14
Der vngeheure Nort/ er pfeifft/ er heult/ er sauset/
15
Vnd nimpt mit vngestümm die Lilie dahin/
16
Die liebliche Gestallt bricht jhm gar nicht den Sinn/
17
Das grüne Feld beginnt vmb seine Zier zutrauren/
18
Die andre Blümelein thut jhrer Schwester tauren/
19
Die Bienen fliegen auch vor schmertz vnd Trawrigkeit
20
Verjrrt jetzt hin/ jetzt her/ vnd sind in grossem Leidt.
21
So bistu auch zuvor/ du schöneste/ gewesen/
22
Du stirbst/ durch welch’ ich mir verhoffte zugenesen/
23
O du mein einig all/ jetzt bistu nackt vnd bloß/
24
Vnd kriegest einen Sarck vor deines Liebsten Schoß.
25
Du weisse Lilie/ du Spiegel aller Tugendt/
26
In deiner besten Blüht/ vnd in der grünen Jugendt/
27
Kürtzt dir der grimme Todt dein junges Leben ab/
28
Vnd führet dich behendt auß meinem Arm ins Grab.
29
Doch bistu von der Welt vnd jhrer Noth gerissen/
30
Ich aber muß allhier in Qual vnd trawren büssen/
31
Ich wall im weiten Meer/ im weiten Meer der Noth/
32
Du bist todt lebendig/ ich bin lebendig todt.

(Opitz, Martin: Teutsche Pöemata und: Aristarchvs Wieder die verachtung Teutscher Sprach. Straßburg, 1624.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Martin Opitz
(15971639)

* 23.12.1597 in Bolesławiec, † 20.08.1639 in Danzig

männlich, geb. Opitz

natürliche Todesursache | Pest

deutscher Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.