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Es lag die Erde noch vom strengen Frost gedrückt,
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Vom Reiff und Schnee bedeckt, und auch zugleich
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An Fenster-Scheiben war der feuchte Dunst verdickt.
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Ein nett formiret Eis, halb fürchterlich, halb schön,
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War früh in meinem Zimmer
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In einem weißlich grauen Schimmer
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Am Fenster überall zu sehn,
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Woraus ein’ allgemein’ und greise Dämmerung,
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Die Lust und Schau’r zugleich in uns erweckt, entsprung.
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Doch brach, zu gleicher Zeit, ein lieblich rother Schein
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Aus den vom Morgen-Roth bestrahlten Fenster-Scheiben
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Des Rachbars, voller Glantz durch Eis und Glas herein.
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Mein Auge ward mit Lust gewahr.
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An denen zarten Eises Spitzen,
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Ein röthlich angenehmes blitzen.
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Offt zeigt uns das gefrohrne Glas,
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Von mannichfaltgen Creaturen,
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Gewächsen,, Pflantzen, Stauden, Gras,
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So manche zierliche Figuren.
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Allein mir fiel zugleich noch etwas ins Gesicht.
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Vor diesen Fenstern stand im grünenden Gepränge
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Von wahren Bluhmen eine Menge,
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Die theils aus Wasser blos, und theils auch aus der Erden,
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Durch Wärm’, auch selbst im Frost, hervor getrieben
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Bey mancher Hyacinth, auch Tulpen und Terzetten,
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War, nebst dem grünen Laub, auch Wunder-schön
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Die Pracht von Lilien-Convallien zu sehn.
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Ich stutzt’, als ich daselbst auf einem Grunde
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Von Schnee und Eis, der Bluhmen bunte Pracht,
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Trotz scharffer Kälte strenger Macht,
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So gar durch ihren Feind annoch erhoben, funde:
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Und ich zugleich den Winter und den Lentzen,
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In fast nicht unterschiednen Grentzen,
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In weiss-und buntem Schimmer gläntzen,
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Und gleichsam auf einmahl zugleich durch Africa,
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Zumahl es eben an-zu schneyen fieng,
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Und ein schnell Flocken-Heer wild durch einander gieng;
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Hiedurch ward ich, wie billig, sehr gerührt.
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Und, wie uns das Geschöpf mit Recht zum Schöpfer leitet,
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Zum grossen Schöpfer auch geführet.
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Ich wandte mich zu Dem, der alles zubereitet,
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Bey diesem, Lentz und Frost vereinenden, Gesicht,
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Sein Wesen, welches nirgend nicht,
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In der Allgegenwart, mir für.
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O unümschräncktes All! rieff ich, von Ehr-Furcht
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Vor dessen Angesicht sich auf der Welt
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So Süd-Lands Glut, als Nordens Eis,
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Beständig gegenwärtig stellt!
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Der, wie das Feld sich hier mit Schnee beziehet,
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Ein anders dort in schwülen Strahlen glühet,
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Wie da der Mandel-Baum in süsser Röthe blühet,
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Wie hier gekeltert wird, auf einmahl übersiehet.
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Auch einigen Begriff sich machen kann
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Von der Allgegenwart; so zeiget dieses Bild,
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Das mein Gemüth mit tieffen dencken füllt,
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Doch etwas deutlichers mir an,
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Als ich es sonst begriff’; dieweil ich allgemach
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Durch eine liebliche Jdee,
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Auf Sprossen der Geschöpf’, im Schöpfer mich erhöhe.
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Ich dencke mehr und mehr der grossen Wahrheit nach,
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Daß, wenn auch in den tieffsten Tieffen
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Der undurchdringlichen Unendlichkeit,
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Gedancken ewig vor sich lieffen,
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Sie dort, von der Vollkommenheit
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Der Gottheit alles voll, in den entfernten Gründen,
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So, wie wir sie hier finden, würden finden.
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Kaum hatt’ ich dergestalt dieß bey mir überdacht,
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Als ich, üm die gefrorne Pracht
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Der Fenster noch einmahl zu sehen,
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Die Augen öffnete. Jedoch war keine Spur
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Auch von der zierlichsten Figur
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Der Eis-Gewächse mehr verhanden, und das Glas
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Der Scheiben, zeigte blos ein ungeformtes Naß.
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Die Bluhmen, die gewachsen seyn,
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Und zwar in einem hellern Licht:
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Denn das geschmoltzne Eis verdunckelte sie nicht.
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Mir fiel hiebey, mit Lust, des nahen Frühlings Schein,
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Doch der Gedancke gleichfalls ein:
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Wenn auch dereinst, mit aller Pracht, die Welt
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Entformt, vereint in jener Gluth,
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Wie hier das Eis-Gewächs in ungeformter Fluth
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In welchem Wunder-schönen Schein,
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Wird, wann so Dufft als Lufft vergehn,
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Und dem gehemmten Licht nicht ferner wiederstehn,
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So dann, in ewig seelgem Lentzen,
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Das ewge Paradies in seiner Blühte gläntzen!