Das herrliche Geschöpf Des Tockayer-Weins, in einem Hirten-Gedichte auf Gnädigstes Verlangen des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, HERRN Günthers, Fürsten zu Schwartzburg rc. rc. rc

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Barthold Heinrich Brockes: Das herrliche Geschöpf Des Tockayer-Weins, in einem Hirten-Gedichte auf Gnädigstes Verlangen des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, HERRN Günthers, Fürsten zu Schwartzburg rc. rc. rc (1735)

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Unter dick belaubten Zweigen hoher Linden, schlancker Buchen,
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Ging
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Weil er fast den gantzen Morgen, der Geschöpfe Schmuck
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Auf den Hügeln, in den Thälern, zu betrachten zugebracht.
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Bald hatt’ ihm ein heller Bach, der auf glatten Kieseln eilet,
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Bald ein schroff- und steiler Fels, bald ein angenehm Ge-
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Bald ein wallend Aehren-Meer, durch sein liebliches Ge-
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Bald der leichten Vögel Zwitschern, eine sanfte Lust er-

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Nah’ an einer hohen Eichen, die des nahen Berges Gipfel
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Fast an Höh’ zu trotzen schien, dessen Blätter-reicher Wipfel,
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So mit Eicheln, wie der Stamm mit des Moosses Sammet,
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War er, mit beschwitzter Stirn, schrittlings eben angelanget.
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Eben war er im Begriff sich ins kühle Gras zu setzen,
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Um an dieses Ortes Anmuth sich aufs neue zu ergetzen,
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Als er ungefehr im Grunde, nahe bey sich, rechter Hand,
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Seinen liebsten Freund
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Er auch ihn zugleich erblickte: der denn schnell gelauffen kam,
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Und mit diesen süssen Worten ihn liebkosend mit sich nahm:

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Eben find ich dich zu recht, liebster Freund, verschiedne
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Die sich jüngst mit deinen Liedern zugetragen, kund zu ma-
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Aber weil du warm und müde, wirst du dich fürher beque-
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Frische Milch bey mir zu trincken, und mit mir fürlieb zu
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Was Teich, Haus und Stall vermag, will ich mit Vergnü-
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Wol, sprach gleich
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Bald durch Ziegen, Pferd’ und Schaaffe, bald durch das ge-
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Unter Weges fiel die Rede auf das Land- und Schäfer-

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„wie glücklich, sprach
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„in dieses lieblichen Gefildes Lust-Revier,
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„entfernt vom Städtischen beschwerlichen Getümmel,
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„für Zanck, Verleumdungen, für Neid und Streit
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verborgen,
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„in einer süssen Ruh’, als wie im irdschen Himmel!
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„in Städten kann man nicht sein eigen seyn:
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„ein steter Lärm, der Wolstand, Nahrungs-Sorgen,
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„die rauben uns uns selbst, verwirren unsre Geister,
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„und blenden uns mit falschem Schein.
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„hingegen auf dem Land’ ist man sein eigner Meister:
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„man kann, in Fried und Ruh, auf sich allein gedencken,
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„und seinen Geist, durch das Geschöpf ergetzt,
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„in Andacht-voller Lust, zum grossen Schöpfer lencken.
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„hier kann man, ohne Schaam (ein Glücke, das nicht
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„verträglich, tugendhaft, voll Ehr-Furcht gegen GOtt,
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„und, sonder Schande, redlich seyn.

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Mit dergleichen Unterredung kürtzten sie den Weg, und
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Weil sie ohne dieß mit Fleiß den bekannten Fuß-Steig
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Bald, und eh’ sie sichs versah’n, mit nicht gar geschwinden
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Voll gelassenen Vergnügens, zu
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Traten in die grüne Laube, die bereits vor manchem Jahr
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Aus sechs schlancken Linden-Bäumen artig zugerichtet
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Diese Laube war ein künstlich dicht geflochtnes Blätter-
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Wodurch, auch im heissen Mittag, der geringste Strahl nicht

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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