Fortsetzung der Gedancken von der Sonne, Tomo 3. des Jrdischen Ver- gnügens

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Barthold Heinrich Brockes: Fortsetzung der Gedancken von der Sonne, Tomo 3. des Jrdischen Ver- gnügens (1735)

1
Daß es der Wahrheit ähnlich scheint,
2
Wenn man von allen Sonnen meint,
3
Daß sie nur Oeffnungen am Firmament,
4
Wodurch ein Theil vom Licht, so GOttes Thron ümschränckt,
5
Zum Nutz der Creatur, begrentzt sich abwärts senckt;
6
Darin hat mich noch jüngst ein heller Morgen
7
Noch mehr befestigt und bestärckt.

8
Mein grüner Vorhang hielte mich
9
Jm Bette, vor dem Strahl der Sonnen, noch verborgen,
10
Da ich in Schatten eigentlich
11
Den Durchbruch des so offt getheilten Lichts bemerckt.
12
Ich sah’ an tausend tausend Orten,
13
Als so viel kleine runde Pforten,
14
Viel zarte Lichter, recht als helle Stern’, und zwar,
15
Nach mehr erweiterten, und mehr verengten Grentzen,
16
Von erster, anderer, und dritter Grösse, gläntzen.

17
Jhr unterschiedlicher, nie gleicher Abstand war
18
Ein dentlich Ebenbild der mancherley Figuren,
19
So die Astronomie uns in den Sternen zeigen.
20
Ich fand mit leichter Müh dieselben Creaturen;
21
Weil ihre Menge mir Gelegenheit genug
22
Zu mehren, zu zerstreun, zu theilen, zu vereinen,
23
Und vorzustellen gab: daß ich mit Fug
24
Den grossen Bären, und den kleinen,
25
Orion, Pleiades, den Fuhrmann, nebst den Ziegen,
26
Den Schwan, Delphin, den Stier, durch ein gewisses fügen,
27
Durch ein willkührliches verbinden und zertrennen,
28
Dir hätte deutlich zeigen können.

29
Hierüber fielen mir aufs neu
30
Die vorigen Gedancken bey:
31
Wie sehr würd’ einer, dacht ich, irren,
32
Wie lächerlich würd’ er, was wahr und falsch, verwirren,
33
Der diese Lichterchen für eigne Lichter nehmen,
34
Und ihren Ursprung nicht,
35
Bey einem allgemeinen Licht,
36
Beym Strahl der Sonnen, suchen wollte!
37
Er müste sich gewiß des groben Jrrthums schämen.
38
So kann (und ist es gantz vermuthlich) in der That
39
Das prächtige Sapphirne Firmament
40
Allein der Vorhang seyn,
41
Wodurch der hinter ihm vorhandne Schein
42
Von GOttes heilgem Thron, zu unserm Nutzen brennt.
43
Es kommt aufs mindste dieses mir
44
Als ein Gedancke für,
45
Der, zu des Schöpfers Ruhm, was Grosses in sich hat.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.