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Da wir auf dieser Welt in stetem Unvergnügen,
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Auch selbst im Uberfluß, und wann wir glücklich seyn,
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Durch Unerkenntlichkeit des guten bloß allein,
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So unglückseelig liegen;
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Auf! auf! mein Geist, die Ordnung der Natur,
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Die sie mit Menschen hält, ein wenig zu erwegen!
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Und ob es ihre Schuld, daß so gar wenig nur
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Ohn Unzufriedenheit zu leben pflegen.
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Ich spreche nicht allein von Reichen; auch von denen,
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Die dürftig sind, will ich allhier erwehnen.
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So für die Armen, als die Reichen,
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Sieht man des Morgens früh die dunckle Nacht
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Mit ihren falben Schatten weichen.
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Für beide zeiget sich der Morgen-Röthe Pracht,
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So die nur erst vergehnde Schwärtze
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In der Veränderung üm so viel schöner macht.
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Jhr Leib wird alle Nacht ohn Ausnahm ja gestärcket
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Durch dieses Wunder der Natur:
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Wobey der Geist zugleich verneute Kräffte mercket,
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Durch einen süssen Schlaff, der ihn die Zeit nicht nur
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Vergnügt verbringen lässt; der Gram und Leid vermindert,
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Ja ihn, in dem schon angefangnen Lauff
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Der Schwehrmuth, fortzufahren hindert.
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Und kurtz: wir stehn, an Leib und Geist verneuet, auf.
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In dieser Gab’ allein ist, wenn mans recht bedencket,
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Uns ein unschätzbar Gut und grosser Schatz geschencket.
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Die Sinnen sind, wann sie der Schlaf erquickt,
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Aufs neu gestärckt, und mehr, als wie vorhin, geschickt,
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Die Creatur, die durch das Morgen-Licht
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Zugleich verschönert wird, zu sehn und zu betrachten.
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Ach mögten wir dieselbigen nur nicht
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So klein, und unsers Blicks nicht würdig achten!
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Da die Gewohnheit sonst durch ihre strenge Macht
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Uns alles Gute raubt; so wird durch Tag und Nacht
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Die schädliche Gewalt derselben unterbrochen.
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Jhr Wechsel giebt und nimmt, und zwingt uns fast, von
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Der Schönheit, die bald kommt, bald weicht, uns zu er-
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Bey vielen geht hierauf nun zwar die Arbeit an,
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Die mancher wol nicht allezeit
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Für einen Zeit-Vertreib und Anmuth halten kann;
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Doch, ausser daß sie ihn ernehret,
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Ist sie auch mehrentheils von der Beschaffenheit,
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Daß sie die Essens-Lust vermehret.
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Da schmeckt das Morgen-Brodt. Ist dieses keine Lust?
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Fürwahr, wer es erwegt,
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Wie in den Appetit so Nutzen als Ergetzen
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Von GOTT so wunderbar gelegt,
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Wird diese Zungen-Lust nicht so geringe schätzen.
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Hat ihm der Morgen nun, der unsers Tages Lentzen,
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Ein’ angenehme Freud’ im Anbiß erst beschehrt;
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So wird noch eine grössre Lust,
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Wann erst des Mittags Strahlen gläutzen,
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Mit noch vergrössertem Vergnügen unsrer Brust,
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Wann man sein Mittags-Mahl verzehrt,
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Vervielfacht und vermehrt.
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Nur zu bedauren ists, daß wir, was GOTT ins Essen
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Für eine Lust gesenckt, nicht achten, nicht ermessen.
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Erstaunens wehrt ist ja des Schmeckens Krafft,
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Erstaunens wehrt der Zungen Eigenschafft,
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Erstaunens wehrt, wie viel, wie mancherley
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Veränderung, Empfindlichkeit, Vergnügen,
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In so verschiednen Cörpern liegen,
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Und wie so Gaum als Zahn formiret sey,
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Durch ein Zermalmen, pressen, drücken,
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Uns zuzueignen, zu entdecken
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Die Säffte, die in Cörpern stecken;
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Und die, wann wir den Magen füllen,
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Nicht nur den Durst und Hunger stillen;
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Nein, die zugleich (o Wunder!) uns erquicken,
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Und in so sehr verschiednem schmecken,
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Uns so verschiedne Lust erwecken.
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Ein Handwercks-Mann sollt hier absonderlich be-
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Die weise Gütigkeit des Schöpfers, der nicht nur
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Den Reichen solche Lust gewürdiget zu schencken,
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Daß sie, durch den Gebrauch so mancher Creatur,
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Und tausendfach gewürtzte Speise,
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Absonderlich vergnüget werden;
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Ach nein! er wird vergnügt auf gleiche Weise,
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Indem der Hunger ja, wie die Erfahrung lehrt,
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Das niedlichste Gewürtz, der beste Koch auf Erden.
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Nach den bey Tisch’ erhaltnen neuen Kräfften,
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Eilt ieder wiederüm zu seinen Haus-Geschäfften,
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Wer klug ist, wolgemuth.
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Denn was man fröhlich thut,
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Geht wolgerathener von staten.
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Ja ist bey einigen die Arbeit wircklich schwer;
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Gewohnheit wird sie immer mehr und mehr
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Erträglich machen und vermindern;
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Zumahlen wenn man, GOTT zur Ehr,
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Dabey ein fröhlich Lob-Lied singet,
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Und Jhm, für seine Huld, ein Freuden-Opfer bringet,
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Wird alle Müh’und Last, verringert, bald sich lindern,
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Und wenigstens erträglich seyn.
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Bald stellet sich darauf ein kühler Abend ein,
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Und unterbricht aufs neu was etwan uns beschwert,
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Damit wir nicht dadurch erliegen;
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Ja bringet uns annoch ein neu Vergnügen,
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Wann man die Abend-Kost verzehrt.
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Kaum haben wir dieselbige genossen,
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So wird uns allererst die grösste Süssigkeit
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Von der gewogenen Natur geschencket,
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Indem sie uns zu dieser Zeit
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In einen sanften Schlaff aufs neu versencket.
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Ja wenn wir etwas müd’, und uns nur niedersetzen,
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Empfindet, durch die nachgelassnen Sehnen,
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Der Cörper, der sich sonst gewohnt war auszudehnen,
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Gedenckt man nur daran, ein ungemein Ergetzen.
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Wie wird nicht Müdigkeit und Kummer,
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Durch einen sanften Schlummer
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Gemindert und verjagt! so daß am frühen Morgen
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Man, meistens frey von Gram und Sorgen,
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Und halb verjüngt, vom Schlaff erwacht,
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Sich wiederüm an seine Arbeit macht.
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Auf solche Weise wird das Leben,
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Auch von den Dürfftigen, auf Erden zugebracht.
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Was soll ich nun von denen sagen,
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Die, da sie Geld und Gut besitzen,
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Befreit von Arbeits-Last und Plagen,
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Jhr Stücklein Brodt nicht erst erschwitzen,
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Und üm die Kost nicht ängstlich wircken dürfen?
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Wie mancherley Bequemlichkeiten
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Kann sich ein Reicher zubereiten!
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Es sind dieselben nicht zu zehlen.
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Von hundert tausenden nur eins zu wehlen,
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Das, wenn er es nur wol bedenckt,
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Jhm tausendfach Vergnügen schenckt:
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Die so verachtete als wunderbare Kunst
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Zu schreiben und zu lesen,
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Ist ja wol durch des Himmels Gunst
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Zum ersten uns geschenckt gewesen.
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Wie manchen Zeit-Vertreib von so verschiednen Sachen
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Kann man sich nicht mit Bücher-lesen machen!
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Wir gehn durch sie in die vergangne Zeiten:
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Wir machen uns durch sie derselben gleichsam Meister,
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Geniessen, durch Erkenntniß fremder Geister,
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Gantz unbekannte Süssigkeiten.
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Wir können uns durch sie erbauen und belehren,
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Und fast auf ungezehlte Weise
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Den Nutzen und die Lust vermehren.
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Noch mehr: Wie mancherley Vergnüglichkeiten
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Vermag, nebst dem Gebrauch der uns geschenckten Sinnen,
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Uns ungezehlte Lust bereiten)
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Die Rede nur allein uns zu gewehren!
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Fürwahr man muß dafür den Schöpfer billig ehren
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Auf eine Art, die unsre Danckbarkeit
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Für solch ein würdiges Geschencke
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In froher Andacht zeigt. Denn, lieber Mensch, bedencke:
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Wenn alle Menschen stumm; würd’ unsre Lebens-Zeit
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Nicht elend, unser Geist nicht brach, und ohn’ Vergnügen,
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In viehischer Unwissenheit,
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Ja ärger fast, als viehisch, liegen?
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So aber hat uns GOTT in unserm Leben
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Nicht nur die Red’, einander zu verstehn;
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Auch eine Fähigkeit, in Schriften zu ersehn
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Was eine Seele denckt, o Wunder-Gut! gegeben.
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Ach! lasst uns denn für so viel seltne Gaben,
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Die wir von GOTT allein empfangen haben,
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Nicht immer unempfindlich seyn!
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Erwegt, wenn alles dieß uns fehlen
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Wie? oder auch entnommen werden sollte;
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Wie man sodann sich finden wollte:
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Und, da man dennoch leben müst’,
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In wie viel Wieder-Sinn und Unmuth unsre Seelen
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Die gantze Zeit von unserm Leben,
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Für Mangel, Plag’ und Pein, unfehlbar würden schweben.