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Ich stand, an einem heitern Morgen,
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Nachdem das falbe Heer der Schatten
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Sich mit der kühlen Nacht verborgen,
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Bey meines Brunnens Wasser-Strahl’;
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Und sahe, mit vergnügten Blicken,
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Wie, von dem Morgen-Licht, sich alle Tropfen schmücken.
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Die Wolcken, die bisher die Lufft verhüllet hatten,
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Zertheilten sich, und liessen Wunder-schön,
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In hellen Silber-weissen Grentzen,
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Die holen Tieffen, wie Sapphir,
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Ja aller Creaturen Zier,
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Das Gold der Sonnen selber, sehn.
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Der helle Glantz, der Welt und Himmel füllet,
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Ward an dem Ort, woselbst das Wasser quillet,
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Und wo es wieder nieder fällt,
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In einem Schimmer vorgestellt,
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Der unbeschreiblich ist. Die regen Wellen wallen
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Und bilden recht des Himmels Licht,
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Als wie in Spiegeln von Crystallen.
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Jhr unaufhörliches bewegen
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Macht, daß die Strahlen rückwärts prallen,
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Uns durch das Aug’ ins Hertze fallen,
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Und eine Seelen-Freud’ erregen
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Demjenigen, der an der Creaturen Schätzen
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Sich dann und wann gewehnt hat zu ergetzen.
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Es blitzt, es gläntzt, es funckelt auf der Fluth,
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Jm hellen Wiederschein, der Sonnen Wunder-Gluth,
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Die aller Farben Schönheits-Quelle.
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Es blinckt auf einer glatten Stelle,
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Es blinckt auf einer ieden Welle,
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Die sich in Circkelchen formirt,
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Vom Sonnen-Licht gefärbet, und geziert.
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Man siehet Licht und Glantz auf regen Kreisen schwimmen;
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Man sieht, als wie ein Feur, das rege Wasser glimmen.
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Da, wo der Wasser-Strahl
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Das untre Wasser trifft und bricht,
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Indem daselbst, als wenn sie leben,
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Die Tropfen sprudelnd sich erheben,
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Und schäumend kochen, hüpfen springen:
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Wodurch sie ein beständigs Licht,
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Als dessen Theilchen, an und in sie dringen,
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Dem sie beschauenden Gesicht
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Mit tausend Lust, im rückwärts prallen, bringen.
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Indem ich nun vergnüget stehe,
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Und diesen weissen Glantz besehe,
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Bedeckt ein falber Wolcken-Schleyer
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Von ungefehr des Himmels Feuer.
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Nicht zu beschreiben ist, was auf der Fluth
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Der Umstand gleich für Wirckung thut.
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Das Licht verschwand, der Silber-Glantz
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War fort. Ein falb und dämmrich grau,
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Das ich nicht sonder Grausen schau,
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Beschattete das Wasser gantz,
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Vertrat des weissen Lichtes Stelle,
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Und machte manchen Platz
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Der dunckeln Fluth, durch schwachen Gegen-Satz,
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Zwar dunckler mehr, doch sich nicht helle:
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Kalt, wiedrig, trüb’, verdrießlich, fürchterlich
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War alles, was vor zwo Secunden sich
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In solchem Schimmer wies’,
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Und das so helle, fast als wie der Himmel, ließ.
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Mein GOTT! rieff ich darüber, ach wie bald
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Verändert auch der Mensch die Minen und Gestalt,
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Wenn etwan nur ein Trübsals-Dufft
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Sein Licht der Freuden und der Wonne,
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Wie hier in heitrer Lufft
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Ein Wolcken-Dufft die Sonne,
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Verhüllet und verdeckt:
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Jhm kocht, entfernt von Freud’ und Schertzen,
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Ein schwartzer Unmuth in dem Hertzen:
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Er weiß von keinem Freuden-Schein,
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Und es ist offt nichts als ein Dunst allein,
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Der in so schwartze Traurigkeit,
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In solch empfindlichs Hertzeleid,
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Daß er bis auf den Tod sich kräncket,
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Sein kurtz vorher so muntres Hertze sencket.
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Indem ich also stand und dacht,
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Zertheilten sich die Wolcken auf einmahl.
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Des Wassers Schwärtze wich, es gläntzt’ ein weisser Strahl
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Fast heller, wie vorhin, auf der so trüben Fluth,
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Worauf nunmehr aufs neu ein heller Schimmer ruht:
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Es scheint, als ob sie sich im Augenblick vergülde.
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Wobey ich denn so an zu dencken fieng:
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„es scheinet, daß auch hier die Fluth die Menschen bilde:
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„denn ist im Leiden und im Schertz
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„nicht meistens aller Menschen Hertz
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„ein trotzig und verzagtes Ding?
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„doch ist hiebey am meisten zu bedauren,
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„ein bloß durch einen Dufft in uns erregtes trauren
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„so gar der Gottheit Allmacht-Strahl
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„in unsern Wasser-weichen Seelen
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„vermögend sey zu tilgen, zu verhelen.