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Es war die laue Frühlings-Zeit
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In ihren höchsten Flor gekommen;
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Der Monat Junius hatt’ allbereit,
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Mit Rosen ausgeschmückt, den Anfang jüngst genommen;
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Als Gottlieb, da der Tag sich etwas abgekühlt,
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Und man bereits ein Abend-Lüfftchen fühlt’,
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An einem klaren Bach spatzierte,
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Au dessen Ufer rechter Seits
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Ein grünes Wäldchen stand,
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Das seiner Fluth Crystall mit einem Bilde zierte,
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Das selbst ein Wäldchen schien. Es gläntzt’ in seiner Hand
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Ein schöner Rosen-Strauß, der rings ümher die Lufft
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Erfüllete mit einem Balsam-Dufft’,
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Und welcher den Geruch erquickt.
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Ein Apfel, den uns China schickt,
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Den er von ungefehr in seiner Tasche fand,
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Erfrischte seinen Gaum. Der Silber-reine Schall
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Von einer in beblühmten Hecken
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Hell musicirenden verliebten Nachtigall
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Drang ihm durchs Ohr ans Hertz. Mit einem süssen
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Mit halb entzücktem Blick, ward er zugleich, wie klar,
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Wie gülden, wie voll Glantz, wie Wunder-Wunder-schön
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Die Licht- und Lebens-Quell, die Sonn’, im untergehn,
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In unvergleichlicher Vollkommenheit,
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Durch das noch zarte grün, gewahr.
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Er stutzt’, als er die Mannichfaltigkeit
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Der Lieblichkeiten auf der Welt,
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Sich vor sein Seelen-Auge stellt’:
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Wie Erde, Lufft und Fluth an Pracht und Lust so reich,
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Und daß dennoch, da er es überlegte,
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Wie alle Sinnen ihm von ungefehr zugleich
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Vergnüget würden es ihn doch nicht mehr bewegte,
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Und er es kaum bemerckt. Mein GOtt! rieff er woher
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Entsteht dieß Unglück doch, daß wir so öffters blind,
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Geschmack-Geruch-Gehör- und Fühl-los sind?
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Daß wir, für das Geschöpf, im Schlummer gleichsam lie-
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Wie fällt es uns, ach leider! doch so schwer,
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Uns im Vergnügen zu vergnügen!
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Er fand darauf so viel, wie er recht in sich gieng,
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Daß unser Geist für mehr als einerley
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Auf einmahl nicht geschaffen sey.
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Weshalben er, in seinem dencken,
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Ein’ Ordnung an zu halten fieng,
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Und einem ieden Sinn ein’ eigne Zeit zu schencken,
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Auf ihn absonderlich der Seelen Krafft zu lencken,
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Mit allem Recht beschloß. Worauf er also dachte,
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Und seinem Schöpfer seine Lust,
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Auf dem Altar der Flammen-reichen Brust,
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Zu einem Opfer folgends brachte:
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So offt die Balsam-Krafft, die aus der Rose quillet,
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Durch den Geruch, Gehirn und Geist erfüllet,
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Dacht’ er beym Athem-ziehn, für Anmuth:
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So offt sein Blick der Sonnen Strahl gesehn,
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Rieff seine Seel’ in ihm:
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So offt der Nachtigall durchdringender Gesang
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Sein Ohr durchdrang, erschallt’:
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Gott Lob! daß er so rein!
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Gott Lob! daß wir in dieser Welt
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So vieler Anmuth fähig seyn!
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Wann der gelinde West die Haut ihm sanfte streichelt,
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Und ihm sein kühler Hauch mit linden Blasen schmeichelt,
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So dacht er bey sich selbst, vergnüget durchs Gefühl:
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Wann reiffer Früchte Safft ihm in die Zunge dringet,
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Und durch ihr säurlich süß ihm Lust und Aumuth bringet;
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So rufft die Zung’ erfreut:
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Gott Lob, daß solche Lust in Zung' und Früchten steckt!
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Ach röche, sähe, fühlt’ und hörte, GOtt zum Preise,
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Ich und ein ieder Mensch doch offt auf solche Weise!