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Nach dem ich mancherley Geschöpfe schon beschrieben,
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Kann ich nicht länger widerstehn
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Der Neigung, die mich längst getrieben,
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Von allen Thieren, die so schön,
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Die schönst- und zierlichsten,
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Um in derselben Bau, Geschwindigkeit und Pracht,
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Die Wunder Des, der sie gemacht,
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Mit tausend Freuden zu besingen.
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Befiedertes Geschöpff, das mit geschwinden Schwingen
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Bald in der dünnen Lufft, und bald in dicken Wäldern,
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Auf hohen Zweigen bald, und bald in flachen Feldern,
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Bald schwebt, bald hüpfft, bald springt, bald fliegt,
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Und das mit schweben, hüpffen, springen,
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Mit raschem fliegen, hellem singen,
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Sowol sich selbst, als uns vergnügt;
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Du zeigest der Vernunft, die dich betrachtet,
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Und auf dein sonderlich gebildet Wesen achtet,
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Ein neues Feld voll Wunder, voller Macht,
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Und voller Weisheit Des, der dich hervor gebracht.
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Wer kann die zierliche Figur,
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Der Farben Glantz, dein schnell Gefieder,
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Die Hurtigkeit der leichten Glieder,
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Bewunderns-wehrte Creatur,
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Ohn’ Anmuth, ohne Freude sehn?
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Wann sie sich schnell durch dünne Lüffte schwingen,
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Recht wie ein Pfeil durch dichte Blätter dringen;
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Wann sie behend und rasch von Zweig zu Zweigen springen,
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Mit schlanckem Hals’ ihr kleines Köpffchen drehn,
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Durch Sträucher schlupffen, schweben, fliegen,
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Mit schwancken Zweigen sich bald auf-bald abwärts wiegen;
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Bald auf ein steiffer Aestchen setzen,
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Jhr Schnäbelchen von beiden Seiten wetzen,
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Bald vor-bald hinterwärts bald hüpffen, und bald stehn,
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Bald an ein kleines Zweiglein hangen,
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Bald eine Flieg’ im Fluge fangen;
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Sich ietzt in dick verwachsne Hecken,
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Mit schwirrendem Gepfeiff, verstecken;
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Behende wiederüm erscheinen, und von neuen
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Mit tzwitscherndem Geräusch und tausend Gauckeleyen
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So Aug’ als Ohr erfreuen.
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Wann, sag’ ich, dieß ihr flüchtig Wesen
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Ein auch nicht aufgeräumt Gemüth,
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Mit aufmercksamen Ohr- und Blicken, hört und sieht,
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Wird es von seinem Gram genesen.
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Es wird der Vögel Munterkeit.
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Jhr frohes hüpffen, schertzen, springen,
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Jhr helles, Sorgen-freyes singen,
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Fast wider seinen Willen, ihn
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Aus seiner tieffen Schwehrmuth ziehn.
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Zumahl wann er dabey gedencket,
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Daß, Der den Vögeln Nahrung schencket,
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Für ihn auch, hier auf dieser Erde,
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Schon für die Nothdurft sorgen werde.
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Ach mögt’ auf diese Weis’ ein iedes Vögelein,
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Mein Leser, dir und mir ein lehrend Beyspiel seyn!
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Erweget ferner noch, geliebte Menschen, hier
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Der Vögel Form und Flug mit mir.
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Der kleine Cörper ist fast einem Schiffchen gleich,
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Woran der Schwantz das Steur, die Flügel Ruder sind.
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Mit diesen theilen sie den Wind,
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Und schwimmen durch der Lüffte Reich.
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Dieß Flug-Werck zeiget uns so viele Wunder an,
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Daß man das Werck-Zeug nie genug bewundern kann.
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Daß sie die Flügel nicht von forn-nach hinten biegen,
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Wie man die Ruder braucht; wol aber, wann sie fliegen,
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Von oben unterwärts, ist zu bewundern wehrt:
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Weil sie dadurch nicht nur die dünnen Lüffte spalten,
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Nein, auch zugleich dadurch sich in der Höhe halten.
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Damit sie weniger in ihrer Fahrt beschwehrt,
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Hat ihnen die Natur, üm fertiger zu schweben,
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Der Flügel untern Theil recht ausgehöhlt gegeben,
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Den obern aber rund, und halb gewölbt, formirt;
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Damit sie oberwärts leicht durch die Lufft geführt,
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Und ohne Wiederstand sich fertig aufwärts ziehn,
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Hingegen unterwärts viel Lufft zusammen fassen,
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Und dadurch von der Lufft sich könnten tragen lassen.
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Das kleinste Theil ist nur am Cörper fest,
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Wodurch er sich noch stärcker schwingen lässt.
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Betrachten wir der Fittigen Figur,
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Krafft, Wesen und Gebrauch, mein GOtt! wie zeiget sich
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In diesem Werck-Zeug die Natur
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So künst- und so verwunderlich!
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Damit der Vogel könnte fliegen;
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Das recht mit grossem Fleiß zu diesem Werck erlesen;
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Weil dessen Dehnungs-Krafft die Eigenschafft ihr bringt,
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Daß sie von selbst gerade wieder springt.
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Damit sie auch im Flug den Vogel nicht beschweren,
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An einem ieden Feder-Kiel
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Erblicket man unzehlig viel
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Noch immer mehr verkleinter Federn Spitzen,
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Die Schuppen-weis’ in sich vereinet sitzen;
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Wodurch die Lufft sich nicht vermag zu drengen,
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So daß sie in der Lufft dadurch bequemer hängen.
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In iedem Zäserchen, wenn man es wol beachtet,
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Und durch ein Größrungs-Glas dasselbige betrachtet,
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Mit fast erstauntem Aug’, ein’ eigne Feder an,
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Die ja so schön gebildet und formirt.
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Sie ist mit ja so vielen Ecken,
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Als ihre Mutter selbst, geziert.
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Was können wir für Wunder mehr entdecken,
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Wann wir, auf welche Art die Vögel gehen, stehn,
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Und auf den Zweigen sitzen, sehn.
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Es sind drey Biegungen an iedem Bein zu finden,
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Die sich mit einer Nerv’ auf solche Art verbinden,
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Daß, da gedachte Nerv’ üm alle die drey Glieder,
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Bis üm und in die Zehe geht,
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Sobald ein Vogel-Fuß gerade steht,
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Die Zehe sich bequem verbreiten,
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Und aus einander spreiten.
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Wann aber sich das Bein mit seinen Gliedern krümmt,
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Die Nerve sich einfolglich dehnen muß;
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So ziehet er den gantzen Fuß,
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Nebst allen Zehen, fest zusammen:
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Wodurch der Vogel denn verschiedne Vortheil nimmt,
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Die all’ aus diesem Grunde stammen.
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Da nicht allein ein Vogel, welcher schwimmt,
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Ohn ein so künstliches Zusammenziehn,
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Indem das Wasser forn ihm widerstehen würde,
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Um fort zu gehn sich würd’ ümsonst bemühn;
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Nein, sondern auch an Vögeln, so auf Spitzen,
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Und auf der Bäume Zweigen sitzen,
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Sind eben, weil die Beine krumm gebogen,
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Durch die gedehnte Nerv, die Zehe krumm gezogen;
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So daß dadurch der Ast,
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Durch ihres Cörpers eigne Last,
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So fest beklemmt wird, und ümfasst,
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Daß, auch so gar im Schlaff, und gegen Sturm und Wind,
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Für Sturtz und Fall sie sicher sind.
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Wann wir nun ferner überlegen,
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Und, in der Vögel Reich’, erwegen
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Den wunderbaren Unterscheid
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An Grösse, Zier, Beschaffenheit,
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Verändrung, Farben, und Figur,
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Flug, Nahrung, Wohnung und Natur;
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Erstaunen wir mit Recht, weil sie fast nicht zu zehlen.
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Doch theilet man sie insgemein
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In Wasser-Feld-Haus-Raub- und Singe-Vögel ein,
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Wovon wir denn für ietzt nur bloß die letzten wehlen.
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Wann uns in holder Frühlings-Zeit,
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Bey reiner Lufft und heiterm Wetter,
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Ein jüngst begrünter Wald zwar Millionen Blätter,
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Doch noch mehr Lust und Lieblichkeit
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In seinem grünen Schatten zeiget;
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Wann von der kleinen Sänger Schaar
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So mancher Zweig, bald hier bald dar,
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Sich durch den schnellen Flug, und frohes Hüpffen, beuget,
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Erfüllt ihr Lieder-reicher Chor
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Und helles Gurgeln Luft und Ohr,
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So daß vom locken, schlagen, singen
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Und zwitscherndem Geräusch, so Berg als Thal erklingen.
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Wie lieblich musicirt, und singet, GOtt zum Preise,
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Der Stieglitz, Emmerling, der Hänfling und die Meise,
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Das Zeischen und der Finck, zumahl die Nachtigall,
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Wann sie, mit hellerm Thon, und weit geschärfftern Schall,
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Durchs zwitschernde Geräusch so vieler Sänger dringet,
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Und künstlicher, als alle, singet!
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Warüm nun gläuben wir, daß sich das kleine Heer,
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Mit solch unzehligen Verändrung- und Manieren,
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So lieblich, angenehm und füß zu musiciren,
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Mit solchem Fleiß bestreb’? Ist es ein Ungefehr,
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Daß sie so singen heisst? Ach nein!
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Wo wir vernünftig seyn,
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So kann man ja wol anders nicht gedencken,
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Als daß der grosse Schöpfer ihnen,
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Um Jhm, auf ihre Art, zu Seiner Ehr zu dienen,
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Und auch zugleich uns mit dahin zu lencken,
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Die Werck-Zeug, Fähigkeit, und Lust dazu zu schencken,
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Sie wehrt gehalten hat. Es kommt mir vor,
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Als ob der kleinen Sänger Chor,
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Damit er Dem Lob, Preis und Ehre gebe,
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Durch den allein die Wälder grünen,
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Dem alle Creaturen dienen,
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So süß zu singen sich bestrebe.
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Mich deucht, kann ich gleich nicht der Vögel Sprach’ er-
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In ihrem singen dieß zu finden:
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„es ist bloß Deine Gnad’ allein,
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„o HERR, daß wir erschaffen seyn.
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„wir können an des Frühlings Schätzen
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„und Lieblichkeiten uns ergetzen.
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„unzehlig sind die Wunder, die die Welt,
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„zu unsrer Aumuth, in sich hält.
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„mit wie so mancher Freud’ und Wonne,
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„mit wie viel Lieblichkeit und Lust
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„erfüllet unsre kleine Brust
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„der Wärm- und Strahlen Quell, die Sonne!
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„wie schön, wie Wunder-schön
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„sind Erd und Himmel anzusehn!
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„daß wir so schnell die Schwingen regen,
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„so fert- und hurtig uns bewegen,
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„ist einzig uns von Dir verliehn.
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„so wollen wir auch, Dich zu Ehren,
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„und Preis, und Ruhm, und Danck Dir zu gewähren,
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„mit allen Kräfften uns bemühn.
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„und weil wir denn von allen Gaben
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„nichts edlers, als die Stimmen, haben,
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„so lassen wir sie denn ohn Unterlaß erklingen.
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„wir können zwar, o Schöpfer, Deine Macht
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„und Majestät in Deiner Wercke Pracht
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„nicht nach Verdienst erhöhen und besingen,
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„noch Deiner Wunder Meng’ erzehlen:
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„doch können wir vielleicht mit unsrer kleinen Kehlen
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„bewunderns-wehrten Lieblichkeiten,
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„vollkommnere Geschöpf’ als wir,
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„nebst uns, zur Lust und Andacht leiten.
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Ja, ja! so singen sie, ob wirs gleich nicht verstehn,
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Und wenn sie den Gesang auch selber nicht verstünden;
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So sollten wir dennoch, die wir viel weiter sehn,
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Den Inhalt ihrer Lieder finden,
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Uns, durch empfundne Lust, zu ihrem Schöpfer lencken,
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Und Seinen Ruhm stets zu vermehren dencken:
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Da uns die Lieblichkeit der süssen Stimmen rührt,
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Und uns recht in die Seele dringet;
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Wodurch, indem sie uns mit Recht zum Schöpfer führt,
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Danck, Ehr-Furcht, Lieb’ und Lob aus unsrer Lust ent-
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So lasst uns doch nicht minder uns bemühn,
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Durch unsre Lust an unsers Schöpfers Wercken,
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Auch edlere Geschöpf zu Seinem Ruhm zu ziehn,
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Und Engeln, oder seelgen Seelen,
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Auch unsre Freude nicht verhehlen:
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Wann sie in unserm Lob-Gethön,
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Ein durch die Creatur gerührtes Hertze mercken;
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Wann sie, bey unserer Betrachtung, sehn
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Ein sehnend Aug’ und fröhliche Geberden,
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Und durch dieselbigen von der in unsrer Brust
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Gerührt und überführet werden;
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So kann gewiß das helle schallen
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Der Lieder-reichen Nachtigallen
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Der Menschen Ohr so sehr nicht rühren, und gefallen,
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Als stille Seufzer, frohe Minen,
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Die ein betrachtetes Geschöpf
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Vergnügen, Anmuth und Ergetzen
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Erregen muß, und sie noch mehr und mehr
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Zu ihres Schöpfers Preis und Ehr,
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In eine seelge Freude setzen.
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Wer wollte denn nicht gern,
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Bey so viel selbst gefühlter Lust,
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So gar der Engel Lust, und aller Engel HErrn
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Lob, Ehr und Preis, zu mehren, zu erheben,
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Lobsingend sich beftreben?
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Wer wollte nicht, wie uns die Vögel hier auf Erden,
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So ihnen dazu gern ein klingend Werck-Zeug werden?