Das beste Theil

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Barthold Heinrich Brockes: Das beste Theil (1735)

1
Als Gottlieb jüngst zween Freunden, auf dem Garten,
2
Zwo Hyacinthen, voll gefüllter Glocken, gab;
3
Nahm er gar bald an ihrer Handlung ab,
4
Wie ihr Gemüth und Sinn so unterschiedner Arten.

5
Aurander nahme sie mit trägen Händen hin,
6
Und steckte sie, nicht lang’ hernach,
7
Indem er von vermehrten Renten sprach,
8
Zerdrücket und geknickt in seine Tasche. Jener
9
Auf seine Bluhm’, und rieff: Ach! kann wol etwas schöner,
10
Als diese Bluhme, seyn!
11
Welch einen reinen Silber-Schein,
12
Welch eine liebliche Figur
13
Hat, von den Fingern der Natur,
14
Dieß holde Kind des Frühlings überkommen!

15
Wie klar ist dieses Weiß! wie gläutzend! auch die Haut
16
Der schönsten Schönen auf der Welt
17
Verlieret, wenn man sie bey diesem Schimmer hält,
18
Und eine bey der andern schaut,
19
Den Preis, und scheint beschmutzt. Die röthlich weisse
20
Die, in dem innersten, der Bluhme kleine Höle
21
Mit süsser Röthe füllt, füllt meine frohe Seele,
22
Mit ihrem holden Reitz. Ich fühle zarte Flammen
23
Aus dieser röthlichen und weissen Klarheit stammen.
24
Es scheint der Bluhmen reiner Schein
25
Ein Sinn-Bild einer reinen Seele,
26
Worin ein Feur der Liebe glüht, zu seyn.
27
Ich wünsche wenigstens, daß meine Seele, rein
28
Von Lastern, durch die Triebe
29
Von der aus Danckbarkeit in mir entstandnen Liebe,
30
Zu Dem, der Seiner Wercke Pracht
31
So wunderbar hervor gebracht,
32
In solcher süssen Gluht entbrenne;
33
Und daß mein Nächster sich an mir,
34
Wie ich, geliebte Bluhm’, an dir
35
Mich freue, stets erfreuen könne.
36
Ja, da die Bluhmen wunderbar
37
Bemüht sind, ihre Krafft so lieblich auszuhauchen,
38
So wünsch ich, daß mein Hertz, als wie ein Danck-Altar,
39
O Schöpfer, Dir zum Ruhm, mög’ unaufhörlich rauchen!

40
Was meinst du nun von diesen beiden,
41
Geliebter Leser, wer hat GOttes Creatur,
42
Wie sichs gebührt, gebraucht? und wessen Spur
43
Hältst du dich pflichtig zu vermeiden?
44
Hat an dem ersten selbst der Schöpffer nicht
45
Der Schöpfung End-Zwecks gar verfehlet?
46
Und hat Beraldo nicht, zufolge seiner Pflicht,
47
In seiner Lust

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.