Noch andere Frühlings-Gedancken

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Barthold Heinrich Brockes: Noch andere Frühlings-Gedancken (1735)

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Der laue Strahl der wiederkehr'nden Sonne
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Füllt die verdünnte Lufft mit neuer Lebens-Gluth,
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Flösst rege Fruchtbarkeit in aller Thiere Blut,
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Und, in der Menschen Geist, lang’ ungespührte Wonne.
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Viel tausend Knospen öffnen sich,
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Bey diesem lauen Frühlings-Wetter.
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Man sieht viel tausend junge Blätter
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Aus ihrem Schooß fast sichtbarlich
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Entstehen und gebohren werden.

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Nicht minder brechen aus der Erden
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Noch unlängst braun-, seit gestern, grüner Brust,
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Zu noch sich mehrender Gemüths- und Augen-Luft,
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Viel tausend bunte Frühlings-Kinder,
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In dem beblühmten Klee. Nicht minder
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Fängt auf begrünter Bäume Zweigen
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Ein angenehmer Schatz sich an zu zeigen.
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Wie Silber gläntzt die reine Blühte;
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Jhr lieblicher Geruch labt Cörper und Gemüthe.
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Und sie versprechen uns, daneben
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Noch manch erfrischendes Gerichte,
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In säurlich-süsser Frucht, zu geben.

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Schau mit bedachtsamen und aufgewecktem Sinn,
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O Mensch, ietzt allenthalben hin!
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Schau tausend, tausend Lieblichkeiten!
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Schau, in der Silber-klaren Fluth,
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Auf einem gleichsam güldnen Sande,
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Auf welchem sie, ohn’ alle Ruhe, ruht,
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Von einem Bluhmen-Klee- und Binsen-reichem Rande
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Bekräntzt und eingefasst, viel tausend blaue Fische
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Den fliessenden Crystall durchdringen,
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Und bald gemach, bald wie der Blitz
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Sich durch den klar- und feuchten Sitz
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Bald auf-bald abwerts schwingen.

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Hier murmelt, rieselt, rauscht der glatte Bach,
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Bald dunckel, in der Bäume Schatten,
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Bald hell bestrahlt, durch unbewachsne Matten.
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Er wird des Waldes, dort
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Begrünter, und allhier des Himmels blauer Spiegel.

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Die Aecker grünen ietzt, es blühen Thal und Hügel,
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Den schönsten Gärten gleich. In den bethauten Gründen
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Springt ietzt manch schneller Hirsch, zusamt den Hinden,
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Mit leichtem Fuß und aufgerecktem Ohr,
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Aus dem belaubten Wald’ hervor.
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Da rennt in dem beblühmten Grase
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Ein flüchtiger geschwinder Hase.
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Seht, wie er plötzlich stutzt, sich setzet,
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Ein Männchen macht,
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Und, wenn er niemand sieht, ob aller Frühlings-Pracht
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Mit tausend Sprüngen sich ergetzet.

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Beschaue denn die schöne Welt:
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Erwege doch mit frölichem Gemüthe,
52
Was sie für Wunder in sich hält,
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Und lob’, in deiner Lust, des grossen Schöpfers Güte.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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