Die Bewegung der Sternen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Barthold Heinrich Brockes: Die Bewegung der Sternen (1735)

1
Indem ich jüngst, zur Abend-Zeit im dunckeln
2
Der flammenden Gestirn’ ergetzlich helles funckeln,
3
Womit das tieffe Blau des Firmaments sich
4
Mit inniglich gerührter Seel’, erblickte;
5
Erfüllete mein reges Blut
6
Dieß Himmels-Feur mit einer Himmels-Glut.
7
Ich dachte nicht allein
8
Derselben leuchten, strahlen, brennen
9
Mit froher Anmuth nach; es drang der rege Schein
10
Und dieser grossen Cörper rennen,
11
Jhr feurigs unaufhörlichs regen,
12
Jhr unbegreifflich schnell bewegen,
13
Mit welchem sie nie stille stehn,
14
Seit dem sie GOTT erschuff, in meine Seel’ hinein.
15
Ich stellte gantz erstaunet mir,
16
Voll Schrecken halb, halb voll Vergnügen,
17
Des Himmels rege Cörper für.
18
Jhr so entsetzlich schnelles fliegen:
19
Und dachte: sollt ein Mensch nur eine Viertel-Stunde
20
In diesem Grentzen-losen Meere
21
Der Tieffen, die unendlich, sehn
22
Wie Flammen-reich der Himmels-Cörper Heere
23
Daselbst so schrecklich schnell hell durch einander gehn;
24
Wie alles sonder Ruh und doch in Ordnung schwebe,
25
Wie so viel Welte sich in solcher Eile lencken,
26
Und wirbelnd durch einander schwencken;
27
Unmöglich könnt er anders dencken,
28
Als daß der gantze Himmel lebe.

29
Fast halb entzückt durch die verhimmelnde Gedancken
30
Zieht gleichsam sich mein Geist aus seines Cörpers Schran-
31
Und wagt es, sich mit allem dencken
32
Ins tieffen Himmels tieffste Tieffe,
33
So tieff ihm möglich, einzusencken.

34
Jetzt bin ich da. Mein GOtt! welch eine Schaar
35
Von leuchtenden Planeten, welche sich
36
So lieblich hell, als schnell und fürchterlich,
37
Bewegen, drehn, und ohn verweilen
38
Wie Blitze durch einander eilen,
39
Wird mein erstaunter Geist gewahr!
40
Welch ein entsetzlich grosses Gantz,
41
Gefügt von Strahlen, Licht und Glantz,
42
Stellt meiner Seelen Blick sich dar!

43
O GOtt! wie wird, bey solcher regen Glut,
44
Mir doch zu Muht!
45
Ob diesen herrlichen Jdeen,
46
Die mir hiebey in meiner Seel’ entstehen,
47
Und die ich selbst nicht fassen kann,
48
Tritt mich ein Seelen-Schwindel an.
49
Der Geist, sammt aller Krafft, wird gleichsam hier ver-
50
Mein Dencken wird mit ümgeschwungen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.