Als der Herr B. H. B rockes den Vierten Theil Seines J rdischen V ergnügens in GOTT heraus gegeben

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Barthold Heinrich Brockes: Als der Herr B. H. B rockes den Vierten Theil Seines J rdischen V ergnügens in GOTT heraus gegeben (1735)

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Auf Dicht-Kunst! lehre mich dießmahl,
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Den schönsten Thon von deinen Spielen,
3
Verdopple der Gedancken Zahl,
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Laß mich dein edles Feuer fühlen;
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Wirff Krafft und Reitzung in die Gluth,
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Es soll kein anfgeschäumtes Blut,
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Das schwülstig braust, hier opffern gehen.
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Nein, nein, es muß durch deine Gunst,
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Das Hohe deiner starcken Kunst,
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In allen meinen Zeilen stehen.

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Es gilt hier deinem grösten Sohn,
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Mein Kiel will deinen
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Wie? ja mich daucht, ich höre schon
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Die Anmuts-volle Laute klingen.
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Mich reitzt, mich locket, mich erweckt
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Ein Thon, der nach der Gottheit schmeckt,
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Ich sehe dich, du bist bemüht,
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Den Kelch, worin dein Nectar glüht,
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Mit reichen Strömen einzuschencken.

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Allein, was lässest du mich hier,
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Holdsel’ge Schöne, doch erblicken?
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Was stellst du meinen Augen für?
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Wie? will mich gar dein Tranck entzücken?
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Ich sehe hier ein Paradieß,
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So, wie es sich einst dorten wies,
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Ich kann hier Berge, Feld und Auen,
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Der Sonnen Licht, der Sterne Pracht,
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Ohn’ alle Dunckelheit und Nacht,
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Mit aufgeklärten Blicken, schauen.

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Wer ist der Mann, der dorten steht,
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Den ein erhabner Glantz ümgeben?
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Den ein dreyfacher Schmuck erhöht,
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Um den die reinen Geister schweben?
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Er hält in seiner rechten Hand
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Ein Glas, mit dieser Schrift: Verstand.
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Er sieht dadurch die tieffsten Höhen,
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Sein Geist, der nur allein sich regt,
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Scheint, da der Leib sich nie bewegt,
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Selbst in die Gottheit einzugehen.

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Kann ich hier
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In diesem Angesichte finden?
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Der Strahl, so aus demselben bricht,
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Heisst allen Zweifel schon verschwinden;
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Um allen Jrrthum weg zu ziehn,
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Sie spricht, Er setzet sich und mahlet;
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Er zeigt des Schöpfers Eigenschafft,
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Wie Dessen Liebe, Huld und Krafft
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Aus allen seinen Wercken strahlet.

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Die Andacht nimmt, was Er gesetzt,
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Und lässt es selbst dem Schöpfer wissen,
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Die Liebe, so dadurch ergetzt,
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Umarmet Jhn mit holden Küssen.
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Ein Engel bringt den vierten Crantz
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Von einem Sternen-gleichen Glantz,
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Und spricht: Dein Jrdisches Vergnügen
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Des vierten Theils, das nun vollbracht,
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Hat Dich der Ehren werth gemacht,
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Dieß Vorrecht Dir noch beyzufügen.

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Es eilt der reinen Geister Schaar,
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Jhm Palm und Lorbeer hinzureichen,
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Sie stellen sich mit Freuden dar,
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Und keiner will dem Eifer weichen.
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Ich komme selber, Andachts voll,
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Auch meinen Ehr-Furchts-reichen Zoll
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Bey ihrem Opffer auszustreuen.
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Hier aber fliehet alles fort,
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Und lehrt mich, einen heilgen Ort
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Nicht unbedachtsam zu entweihen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Barthold Heinrich Brockes
(16801747)

* 22.09.1680 in Hamburg, † 16.01.1747 in Hamburg

männlich, geb. Brockes

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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