Fassnachtspil, wie einem Weib jhr eygener Mann vnwissenter Ding verkuppelt wird

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Figurenkonstellation

Jakob Ayrer

Fassnachtspil, wie einem Weib jhr eygener Mann vnwissenter Ding verkuppelt wird (1618)

Mit 14 Personen, vnd hat 5 Actus

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Unbenannter Akt

Fridbert, der Mann
geht ein vnd sagt.
Ich lig stets mit meint Weib zu strauß.
Drumb bleib ich nit viel in dem Hauß,
Nimm mich weng an vmb das Haußhaltn,
5
Sonder ich befilchs meiner Altn
Vnd gehe dieweil dafür spacirn,
Wie mich thnu mein gut Gesellen führn;
Dann ein böß vnd sehr eyferets Weib
Kränckt eim Mann das Hertz in dem Leib,
10
Macht jhn verdroßn zu allen dingen.
Gleichwol ich thu sie darzu bringen
Vnd thu in frembden Kuchen naschen,
Dardurch mir offt leer wird die Taschen.
Was ich hett, thet ich lengst einbiegen.
15
Ietzt muß mein Weib das jhr herschiesen.
Ihr Ring vnd Kleinot ich angreiff.
Das verschmutzt wie am Zaun der Reiff;
Dann Buln vnd Trincken zusamm kehrn.
Wer bulen wil vnd darzu zehrn,
20
Der muß ein vollen Säckel hon.
Nun wolt ich gern lasen davon,
So reuhen mich meine Bulfrauen,
Die mir gar solches nicht zutrauen,
Deßgleichen mein Zechgsellen gut,
25
Mit den ich hett offt guten muth,
Die ich waarlich nicht kan begebn.
Wolt lieber, daß ich nicht thet lebn.
Drumb such ichs, wo ich s glasn hab,
Vnd speiß mein Weib mit Worten ab.
30
Potz marter, dort kommt sie herein.
Ich solt vor lengst weg gangen sein.
Eva
geht ein vnd sagt zornig.
Junckherr, wo wilt so frü hinauß?
Dich brennt gar hart an Arß das Hauß
35
Vnd sauffest dich vol alle Tag.
Meinst du, daß es dein gut ertrag,
Das du vorhin schon thest verzehrn?
Oder wilt du dich feürent nehrn
Mit Essen, Trincken vnd Bulweiben,
40
So sag mirs! wie lang wilt dus treiben?
Denn dein Haubtgut mit sammt dem Gwin
Hast du verschwendet schon vorhin.
Wie viel Gelts hast auff Zins auffgnommen!
Ietzt wird wider der Haußzinß kommen,
45
Dann folgt die Losung kürtzlich nach.
Auch hast du mir verkaufft die Tag
Meinen schönsten Ring, den ich het.
Der Haußrat auch gemach weg geht
Vnd ich muß da an Klauen saugen.
50
Drumm sag ich dirs hie vnter t' Augen:
Wilt du von den ding nicht auffhörn,
So werd ich das rauch herauß kehrn
Vnd dich vor einen Raht verklagn
Vnd wil eben nicht darnach fragn,
55
Wenn man dich schon ins Loch nein steckt
Vnd dich drinn mit dem Hencker streckt
Oder dich streicht mit Ruten auß.
Fridbert
sagt.
Der Teufel bleib bey dir im Hauß!
60
Dann ich weiß bey dir nicht zu wohnen.
Du kanst nichts, dann zancken vnd gronen
Vnd hest ein guten Prediger gebn,
Der straffen könd ander Leut Lebn,
Vnd heltst doch dich selbst nicht darnach.
65
Kifferbeiß wachsen mir all Tag
In meinem Hauß in allen Gmachen;
Die bewegen mich nicht zu lachen,
Aber gar wol zu vngedult
Eva
sagt.
70
Du loser Mann, gib mir die schult!
Wer machets dann vor dreyen Jahrn,
Da wir noch im Küßmonat wahrn,
Ebe dann du dich mein hast genied?
Was hab ich dir gmacht für vnfried.
75
Eh du dich hencktest an die Meyd?
Fridbert
sagt.
Ey halts Maul und hab dirs Hertzleyd!
Siehst nicht, wie so viel Mann vnd Frauen
Dir jetzt zuhörn vnd mich anschauen,
80
Daß du mich so entsetzt an Ehrn?
Eva
sagt.
Was ists dann mehr, wann sies schon hörn?
Ist es doch wahr; du weists selbst wol.
Wilt du, daß mans nicht sagen sol,
85
Warumb schembst du dichs nicht zu than?
Fridbert
sagt.
Die letzt red must du allweg han,
Machst mich heßlich auß vor den Leuten,
Die es dir nicht zum besten deuten,
90
Daß du mich zeichest solcher dingen.
Eva
sagt.
Ich kans auff dich beweisn vnd bringen;
Vnd wie solt ich dir es verschweign
Vnd gegen dir freundlich erzeign?
95
Ich meint, ich wer dir seihst Weibs gnug
Vnd du hest kein Vrsach noch fug,
Dich an ander Schlepsäck zu henckn.
Solts mir dann nicht mein Hertz bekrenckn
Vnd dirs nicht dörffen werffen für.
100
Warumb bleibst nicht herbeim bey mir
Vnd wartst, was du zu schaffen hast?
Fridbert
sagt.
Du legst mir auff ein schweren last.
Schweig nur! dein Predig ist vmbsonst.
105
Bey dir hab ich kein Hult noch Gunst.
Was sol ich dann machen bey dir?
Muß ander kurtzweil schaffen mir.
Er geht ab.
Eva
sagt.
Ist dann all Straff an dir verlorn,
110
So sey dir heut ein Eyd geschworn,
Du solst erfahren, was ich thu,
Vnd wil dir gleich helffen darzu,
Mit gleicher Müntz bezahlen dich.
Brichst du Häfen, so brich ich Krig
115
(Wer weiß, wer es am lengsten treibt?),
Biß vns kein Kandel am Rechen bleibt.
Sie geht auch ab. Kommt Elßbeth, die Kupplerin, vnd sagt.
Ich hab neulich mein Mann verlorn
Vnd ist all ding hie so teur worn,
Daß es schir niemand zahlen kan.
120
Ach lieber Gott, was fang ich an?
Ich verkauff vnd büß alles ein.
Deß wird mein Nahrung ring vnd klein.
Werds lenger, so kan ich mit Ehrn
Mich warlich alhie nicht ernehrn.
125
O Armuth, du gar schwere last,
Viel vbels du verursacht hast.
Mancher Mensch wird durch dich gebracht
Zu vbl, daß er nie hat gedacht.
Wer reich ist, hat gut ehrlich sein;
130
Dann er acht schlechtes nutzens klein;
Wem aber Geltes mangeln thut,
Den treibt offt die leidig Armut,
Daß durch jhn wird etwas verricht,
Daß er hett thon sein lebtag nicht,
135
Hett ers nicht wegn der Armuth than.
Dann muß er sein ein loser Mann;
Darzu jbn hat die Armuth triebn.
Ich wolt mein Tag sein ehrlich bliebn,
Wenn ich mich hett können ernehrn.
140
Ich hab nicht zu einbüsen vnd zehrn.
So kennen mich alhie die Leut:
Bettel ich schon, man mir nicht geut;
Dann ich bin gar zu wol bekand.
So ist ja Stehln ein Sünd vnd Schand.
145
So mag ich mich auch nicht begeben
Allererst in das Hurenleben
Oder, wenn ich es schon thun wolt,
West ich nicht, wer mich bulen solt.
Ich bin zu alt vnd bin nicht schön
150
Vnd thu nicht wol bekleid hergehn;
So hats hie vorhin viel Bulweiber,
Die sich hencken an Pfaffen vnd Schreiber,
Auch wol fromm Ehemänner verführn.
Ich wil halt das Kuppeln probirn
155
Vnd versuchen, wie es mir gling.
Ob ich was mit zu wegen bring.
Ich kenn gar ein verhurten Pfaffn,
Bey dem verhoff ich was zu schaffn,
Daß ich bring ein Verehrung davon.
160
Ich wil versuchen, was ich kan.
Potz, schau! da geht der Pfaff gleich her.
West ich jetzt, wo ein Bulweib wer,
So wolt ich jhm die strachs antragn.
Der Herr geht ein, sieht die Frauen an vnd sagt.
Mein liebe Nachbäunn, last euch fragn!
165
Was macht jhr hie so frü allein?
Elßbeth
sagt.
Eur Ehrwürd gar jech kommen sein.
Ihr wist wol, daß mir ist zu trauen,
Ich weiß euch ein schöne Balfrauen,
170
Die geht bey mir viel auß vnd ein.
Wolt eur Ehrwürd verschwiegen sein,
So wolt ich euch dieselb zuweisen.
Emerich, der Pfaff
sagt.
Das sey euch bey der Hand verheisen!
175
Meint jhr, ich sey ein solchr Bößwicht,
Wenn eim etwas gutes geschicht,
Daß ich viel davon schwatzen wolt?
Darfür jhr mich nicht halten solt.
Auch thets mir nicht zu guten reichen.
180
Ich must zu Kloster in die Keichen.
Kennt jhr mich, so werd jhr wol wisn,
Daß ich mich allzeit hab gefliesn,
Mein Bulerei zu halten still.
Er greifft in Beutel, gibt jhr Gelt vnnd sagt.
185
Zween Gulten ich euch geben will,
Daß jhr all ding mir wol bestelt
Vnd mirs auch wider sagen wölt,
Wenn sie zu euch komm in eur Hauß.
Ich muß gehn: die Metten ist auß,
190
Man schlägt gleich zamm zu der Frümeß.
Drumb stelt die sach nicht in vergeß!
Er geht ab.
Elßbeth
sagt.
Herr Emerich, gebt euch zu frid!
Lang hab ich so viel gwonnen nit,
195
Als ich verdienet hab jetzund.
Ist gschehen als in einer Stund.
Das neu Handwerck lest sich wol on.
Empfangen hab ich wol den Lohn,
Aber ich weiß noch kein Bulfrauen.
200
Ich wil gehn mich am Marck vmbschauen.
Vielleicht ich eine sehen möcht,
Die mir zu diesem handel döcht.
Auch will ich zu eim Seckler lauffn
Vnd mir ein schönen Beutel kauffn;
205
Dann gute Wort, auch Schenck vnd Gab
Viel Leut wenden von tugent ab.
Ich wil gehn versuchn mein heil,
Meines Lohns dran wenden ein theil.
Sie geht ab. Kommt Eva, ist gar zornig vnnd sagt.
Von Hertzen ich erzörnet bin.
210
Mein loser Mann der geht dahin
Abermals in sein Hurengloch.
Das macht mich gwiß vnsinnig noch;
Dann kein Mensch glaubt es nimmer mehr,
Wie es ein Weib kümmert so sehr,
215
Die hat ein solchen Hurntreiber,
Der sich annimbt vmb andre Weiber
Vnd sie lest am Hungertuch nagn.
Mein Hertz im Leib will mir verzagn.
Ey, daß ich einmal kämm zu den sachen!
220
Ich wolt dem schimpff den Poden außmachn
Vnd mein Leib vnd Leben dran setzn.
Mein Messer thet ich heut frü wetzn,
Daß ich mich an meim Mann könd rechen.
Wolt ich ein Hurn damit erstechen,
225
Meim Mann ein Zeichen hencken an,
Er solt sein lebtag dencken dran,
Weil doch kein guts Wort helffen wil.
Es dörfft mir auch nicht sein zu vil.
Ich darff auch tretten in sein Ohrn,
230
Ihm schern, wie er mich hat geschorn.
Sie geht hin vnd wider, schüttelt den Koff vnd ist gar zornig; so kommt Elßbeth, trägt ein Beutel vnnd spricht.
Mich deucht an der Frauen gefecht,
Sie wer mir zu dem Pfaffen recht.
Ich wil gehn vnd sie reden an.
geht zu jhr vnd sagt.
235
Mein Frau, wolts mir zu guten han!
Ein schöne Kirchwey ich hie hab,
Die mir heut frü ein Chorherr gab,
Sagt, er hett euch im Hertzen holt.
Sie zeucht den Beutel herfür.
240
Noch mehr er euch auch schencken wolt,
Wenn er allein zwischen euch beeden
Mit euch könd kommen zu reden.
So dünckt mich je in meinem Muth,
Das Gelt wer zu verdienen gut
245
Vnd euch zu mehrern helffen sol.
Eva
nimmt den Beutel vnd spricht.
Fürwar der Beutel gfelt mir wol.
Dieweiln ich aber zuvorhin
Noch nie kein Bulweib gwesen bin,
250
Darnach hab ich ein solchen Mann,
Den ich daheim nicht bhalten kan,
Der spült auß alle Hurnecken.
Vnd wil an jhm gar nichts erklecken,
Er verkaufft mir Rock vnd Schauben,
255
Schürtz, Beutl, Gertel, Schleir vnd Hauben,
So wil ich mir auch dencken drummen,
Wie ich mög anders vberkummen,
Es gscheh mit fug oder vnchrn.
Vielleicht möcht ich jhm damit wehrn
260
Sein bösen Wandel, den er führt,
Biß daß es etwann besser wird.
Drumm sagt mir vor, wie der Herr heiß!
Elßbeth
sagt.
Denselbn ich nicht zu nennen weiß.
265
Ihr solt jhn wol, beduncket mich,
Selbst vor baß kennen weder ich,
Dann ich schwatze nichts auß der Schul.
Eva
sagt.
Nun wol, so sey der Pfaff mein Bul!
270
Allein jhr must mich auch nicht melten.
Meins Manns vntreu wil ich vergelten.
Was schads jhm, wenn ich jhn einmal,
Wie er mir offt gethon, bezal?
Er kans weder wisen noch schmeckn,
275
So weng als ich weiß sein loß eckn.
Doch muß ich wisen auch dabey,
Wie jhr heist vnd wo eur Hauß sey.
Dasselbig müst jhr mir auch weisen.
Elßbeth
sagt.
280
Die Zottet Elß thut man mich heisen.
Mein Hauß ist dort bey der Scheiben.
Da könd jhr eure Sach lang treiben,
Ehe ein Mensch etwas weiß darummen.
Eva
sagt.
285
Nun, ich wil zu rechter Zeit kommen.
Mein Mann kommt doch heut nit ins Hauß.
So kan ich sicher lauffen drauß;
Dann wann die Katz auß dem Hauß gwand,
So haben die Mäuß jhren rand.
Sie geht ab.
290
Elßbeth
sagt.
Mir kommt jetzund gleich zu gedanck,
Wir zwo seind in eim Spital kranck.
Die Armut treibet mich dahin,
Daß ich heut ein Kupplerin bin;
295
Bin vor keine gwest bey mein tagn:
So thut die arme dröffin klagn,
Wie daß jhr Mann alles verthu
Vnd treib sie auch die Armut darzu,
Daß sie werd ein Ehebrecherin.
300
Thun beyd groß Sund vmb kleinen Gwin.
Nun ist dem Pfaffen die Hur bstelt:
Wer weiß nun, ob sie jhm gefelt?
Herr Emerich, der Pfaff
geht ein vnd spricht.
Hört, Alte, ich habs euch wolln sagen:
305
Ihr müst der Frauen wider abschlagen.
Der Teufl thet ein Krancken herführn,
Solt ich mit letzter Oelung schmirn;
So muß ich keusch vnd züchtig seyn.
Drumb stelts biß auff ander mal ein!
Der Pfaff geht ab.
310
Elßbeth
sagt.
Nach dir ich zwar nicht fragen thet,
Wenn ich mein zween Gülten noch het
Vnd nur den Beutel kauffet nit.
Vielleicht ist auch die Frau zu frid,
315
Wenn sie den Beutl vergebens hat.
Allein mir am meynsten abgaht.
Auch hab ich hinfurt bey der Frauen
Mein lebtag weder glaubn noch trauen.
Ich muß erdenckn ein andre Kunst,
320
Daß ich den Beutl nicht geb vmbsunst.
Sie geht ab.
Fridbert, der Mann
geht ein, ist zornig vnd sagt.
Mein Weib wil mir gut Gsellen wehrn
Vnd sagt, ich thu zu viel verzehrn,
Soll auch verlassen die Hurneckn,
325
Darein ich mich offt thu versteckn,
Vnd sagt, ich bring viel Gelts mit vmb.
Ich über kümmer mich weng drumb,
Dann ich kan gar nicht bey jhr bleibn.
Sie thut mich zu der Arbeit treibn,
330
Als der Müller seim Esel thut.
Arbeiten gibt kein Freud noch Muht
Vnd thut eim vnter den Vehsen weh.
Wenn ich mit guten Gsellen geh,
Reiß wir gut Schwenck, Possen vnd Grilln,
335
Thun vns damit viel traurn stilln.
Gebn wir daim zum Bier vnd zum Wein,
Wir all gut Gsellen reich gnug sein,
Vnd gdenckt vnser keiner auffs minst
Vmb Lohsung oder den Haußzinst.
340
Auch freuen wir vns selbst hierinnen.
Kein Schuldiger vns zu Hauß kan finnen,
Kein Stattknecht mich fürfordern kan
Vnd ficht mich kein Haußhalten an.
Bin ich dann bey den schönen Frauen,
345
Benemmen sie mir allen grauen,
Den ich ob meiner Frauen trag.
Das macht, ich hab jhr gnug all Tag
Vnd ich bin also darein kommen,
Kan nicht nachlassen widerummen.
350
Schau! was kommt da für ein alts Thier?
Sie wird gwiß was verkuppeln mir.
Elßbeth
geht ein vnd sagt.
Mein guter Freund, ich sieh euch an,
Ihr seyd ein rechter Weiber Mann.
355
Wenn jhr lust zu eim Bulen het
Vnd mir derhalb ein Abtrag thet,
Wolt ich in geheim auff trauen
Zuweisen euch ein schön Frauen;
Die hab ich daheim in meim Hauß.
360
Er greifft in beutel, gibt jhr gelt vnd sagt.
O ja, mein Gelt gib ich gern auß,
Wo man mir schöne Weiber weist
Vnd jhren guten Willen verheist;
Dann nichts bessers ist in der Welt,
365
Dann Wein, Weiber vnd auch par Gelt.
Doch gibt man Gelt vnd alles drumm,
Daß man nur Weiber vberkumm.
Drumb sein s' auff Erd die beste war.
Ach, mein Frau, saget mirs doch gar,
370
Dann ich hab es nicht recht vernommen,
Wo ist eur Hauß? wenn sol ich kommen?
Ich wolt nicht gern zu lang außbleibn.
sagt.
Mein Hauß ist zu der rothen Scheibn.
375
Dahin kommt gwiß in einer Stundt!
Fridbert
sagt.
Mein liebe alte, macht mir kundt,
Wer ist sie, die jhr mir zuweist?
Elßbeth
sagt.
380
Ich weiß fürwar nicht, wie sie heist;
Doch ist sie wol der Pfening wehrt.
Ich weiß, daß jhr nicht seid gefehlt.
Ich wil gehn vnd wil eur erwarten.
Sie geht ab.
Fridbert
sagt.
385
Mein Hertz freud mich schon zu der zarthn.
Ich wil mich gehn auff den Weg schickn,
Vnd mit jhr mein jungs Hertz erquickn.
Er geht ab. Elßbeth vnd Eva gehn mit einander ein.
Elßbeth
sagt.
Mein Frau, es wird euch sein ohn gfehr,
390
Daß der Pfaff nicht kan kommen her.
Er sagt, er muß heut heylig sein
Vnd das sündlich Werck stellen ein.
Denck mir, jhm sey das Maul nicht gschmirt
Oder kein solchs schön Mensch beschert.
395
Drumb müß wir jhn gleich lasn wandern.
Doch hab ich euch bestell ein andern,
Fürwar ein feinen jungen Mann;
Der wird gleich kommen von stund an.
Darumb thut alhie warten sein!
400
Ich geh weg, daß jhr seyd allein.
Elßbeth geht ab.
Eva
sagt.
Wenn ich jhrs nicht zugsaget het,
Ich es fürwar nun nimmer thet.
Doch so hab ich den Beutl empfangn.
405
Potz marter! dort kommt mein Mann gegangn;
Der geht gerad herzu auffs Hauß.
Potz Veltes dantz! wo sol ich nauß?
Ich mein, er werd mich bulen lehrn.
Sie besind sich vnd sagt.
410
Halt, halt! ich wil jhm all sach verkehrn,
Ihm sagn: »sich da, loser Vnflad!
Ergreiff ich dich auff warer that?«
Vnd will jhn dapffer mit Fäusten schmeisn,
Darzu sein Bart vnd Haar außreisn,
415
Auff daß ich noch bey Ehren bleib
Vnd meim Mann das Bulen vertreib.
Wil mich dahinden in die Eckn
Auffs gneust verhalten vnd versteckn
Vnd fein zuhörn, was er doch sag.
420
Fridbert
geht ein vnd sagt.
Nun ist heut gar ein guter Tag,
Dran ich ein neue Bulschafft krig.
Das ist ein neue Speiß für mich.
Ach, wie wil ich erfrischn mein Hertz,
425
Vnd brechts meim Weib tödlichen schmertz!
Eva
laufft herfur vnd sagt.
Ach du verzweifelter, loser Mann,
So offt ich dir hab gsagt darvon,
Thest du dafür schwern vnd laugen,
430
letzt hab ichs gsehen mit mein Augen
Vnd darzu ghört mit meinen Ohrn,
Daß du mir bist zum Buben worn.
Halt, ich wil dir das Buln geben!
Sie schlägt mit dem Korb oder einem Pesen, was sie haben
Ach, Hertzliebs Weib, schon meins Leben!
435
O verschon mein! ich bitt dich drumb.
Ich wil es nicht thun widerumb.
Verzeih mir das, du Hertzeslieb!
Sie schlägt wider zu vnnd spricht.
Ietzt ich dir eins zum andern gib.
Was gelt? ich wil dich Bulen lehrn.
440
Fridbert
felyt jhr zu fuß, hebt die Händ auff vnd sagt.
Ach, Eva, bey mein Treu vnd Ehrn,
Ich wils mein lebtag nimmer than.
Eva
sagt.
Was hast für Ehr, du loser Mann?
445
Wo ist dein Treu? thu mirs vor sagn!
Ein Muck solts vber Meer wol tragn.
Dein Treu hast du offt an mir brochn.
Fridbert
sagt.
Es sey dir bey meim Eyd versprochn,
450
Paß ich kein frembds Weib mehr berühr.
Drauff wil ich mein Hand geben dir,
Dann was ich schwer, das wil ich haltn.
Eva
sagt.
Ey das sol dein der Teufel waltn!
455
Warumb hast dus nicht ehe gethan?
Ietzt müsts viel besser vmb vns stahn.
Geh bald heim! ich komm nach dir gschwind,
Vnd wenn ich dich daheim nicht find,
So wil ich dich noch besser schlagn,
460
Darzu vor dem Schultheiß verklagn.
Er geht ab, kratzt sich im Kopff.
Eva
schreit.
Zottete Els, bald geh herfür!
Elßbeth geht ein.
Eva
sagt zornig.
Der Teufl danck deines Kuppeln dir!
465
Das Kuppeln kanst du nicht gar wol,
Du Hex, daß dich der Teufel hol!
Hast du in der Statt kein Mann mehr,
Daß du mir brachst mein Mann daher?
Du solst ein wol mit solchen dingen
470
In ein Gschrey vnd ins Gfängnuß bringen,
Daß ich fürwahr guten lust hett,
Daß ich dich drumb wol abschmirn thet
Vnd lehrn dich, wie du kuppeln solst.
Elßbeth
sagt.
475
Wenn du mir also lohnen wolst
Vnd vmb mein Beutel abschmirn mich,
So wag ich mein altn Balck an dich
Vnd wehr mich dein, so lang ich kan.
Wer sagt mir, das es wer dein Mann?
480
Warumb ließ du verkuppeln dich?
Eva
sagt.
Vnd wolst du erst verspotten mich.
So muß der Teufel walten dein!
Vnd komm bald her, vnd wehr dich mein!
Sie schlagen an einander.
485
Elßbeth
sagt.
Hör auff! ich hab der Birn genug.
Der Handel sol mich machen klug,
Daß ich wil kuppeln nimmermehr.
Du hast mich gschlagen gar zu sehr
490
Vnd ich komm vnschuldig darzu.
Eva
sagt.
Ich komm gleich eben drein wie du,
Hab vor nichts vnehrlichs begangn
Vnd wolt jetzt das erst mal anfangn.
495
Das ist mir gar vbel geraden.
Doch weils abgangen ist ohn schaden,
So behalt ich forthin mein Ehr
Vnd will es thun fort nimmermehr.
Sie geht ab.
Elßbeth
sagt.
500
Sol einer nicht von Vnglück sagn?
Hat mich der Balck nicht wol abgschlagn!
Ist das nun mein erstes Lehrstück,
Hab ich m der Nahrung kein Glück
Vnd mein Beutel nicht wol anglegt.
505
Darzu die Armut mich bewegt.
Potz Velten! dort kommt auch der Mann.
Ich wil mich auffmachen darvon.
Fridbert
geht ein vnd sagt.
Die alten Hurn wil ich abschmürn,
510
Daß sie mich thet zu meim Weib führn
Vnd erweckt zwischen vns ein Zanck,
Der mir schadet mein Leben lanck;
Dann vor thet ich das Buln laugen
Vnd schwurs meim Weib auß den Augen,
515
Ietzund ichs nimmer laugnen kan.
Wiewol, ich begers nimmer zu than,
Sonder meins Haußhaltens zu wartn,
Verschwern Gsellen, Weiber vnd Kartn,
Die mir vor thetn den Beutel schwanckn.
520
Er geht zu der Alten Hauß vnd schreyt.
Komm rab, Alte, vnd laß dir danckn,
Daß du mein Sach so wol außgricht!
Elßbeth
geht zu jhm vnd spricht.
Ich kan für diesen Vnradt nicht.
525
Ich west nicht, daß es eur Weib was.
Fridbert
sagt.
Dir sol der Teufel dancken das!
Wolst du die Sach nicht recht erfahrn,
Ehe da mich hetzest in das Garn,
530
Welchs mir schad, weil ich thu leben?
Ich wil dir dein Lohn drumm geben.
Er schmirt die Alten wol ab, biß sie jhm entlaufft, vnnd er laufft auch ab. Elßbeth geht allein ein vnd spricht.
Ach wehe, wie bat mich der Mann gschlagn?
Vnd ich darffs keim Menschen nicht klagn.
Muß habn, als hett mich ein Hand bissn.
535
Man thut nichts vbels von mir wissn.
Darumb wenn ich die Schlagung klag,
Bring ich mein Kupplerey an Tag
Vnd dörfft mich wol der Teufel bscheisn.
Diese Warnung tbut mich abweisn,
540
Daß ich das kuppeln wil lassn bleibn,
Ein ehrliche Handierung treibn,
Damit ich mich kan ehrlich nehrn.
Wil das Maul nach der Daschen kehrn.
Wer kuppeln wil, der mag es wagn,
545
Daß er, wie ich, werd weidlich gschlagn,
Vnd geh das vbel an jhm auß.
Ich wil gehn wider heim zu Hauß,
Sie geht ab.
Eva
geht ein vnd sagt.
Mich reut, daß ich der Kupplerin
550
Also gar hart gewesen bin;
Dann sie bat mir mein Mann bekehrt,
Daß er sich jetzt mit Ehren nehrt.
Er arbeyt vnd bleibt in dem Hauß,
Begert ein Wochn nicht einmal drauß.
555
Ach hett er das vor lengst gethon,
Ein eygen Hauß das hett ich schon
Sammt allem, was gehört darein.
Darumb ich jhr solt danckbar sein.
Ihr kuppeln ist abgangen wol.
560
Iedoch man das nicht wagen soll,
Als wie ich es gewaget hab;
Es möcht nicht gehn oho schaden ab.
Vnd ich selbst wag es nimmermehr,
Solt sonst wol kommen vmb mein Ehr,
565
Die ich diß mal davon hab bracht.
Gott geb euch alln ein gute Nacht!

(Jakob Ayrer: Fassnachtspil, wie einem Weib jhr eygener Mann vnwissenter Ding verkuppelt wird durch eine vnerfahrne Kupplerin. In: Ayrers Dramen. Herausgegeben von Adelbert von Keller. Vierter Band. Stuttgart: Litterarischer Verein1865, S. 2745–2762.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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