Comedia von zweyen Brüdern auss Syracusa

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Figurenkonstellation

Jakob Ayrer

Comedia von zweyen Brüdern auss Syracusa (1618)

Mit 14 Personen, vnd hat 5 Actus

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[Vorspiel]

Peniculus, der Fuchsschwentzer
geht an einem stecken ein vnd sagt.
Ich kans bey mir je nicht erachten,
Warumb die Leut nach viel Guts trachten
Vnd sind darnach nit also gscheid,
5
Zu schaffen jhn ergötzlichkeit,
Vnd lasen das Gut jhrn Herrn sein.
Trinckt mancher ein Wochn kein Seidla Wein!
Kein solchen Sinn hab ich nie ghabt.
Wenn ich ein guten Gselln erdapt,
10
Der mir bat zessen vnd trincken geben
Vnd etwan ein wenig kleid darneben,
So hat es mich genüget schon.
Ietzt so mir geht das Alter an
Vnd ich kan nimmer possen reissen,
15
Die Junckern mich von sich abweisen,
Das mir dardurch jetzt vil geht ab.
Lang ich nichts guts gefressen hab.
Mich hungert, das der Bauch mir kracht.
Halt, halt! ich wil hie haben acht,
20
Dann Enucles geht dort herein.
Er steht auff ein seyten.
Enucles
gehet ein, tregt ein schönen Mandel, thut, als sehe er Peniculum nicht, vnd sagt.
Alhie hab ich der Frauen mein
Gestoln jhr allerschönstes kleid.
Das sicht sie nicht mehr, auff mein Eydt!
25
Ich will es meiner Thasa bringen,
Sie damit zu meiner Lieb zwingen,
Vnd will mich als balt zu jhr laden.
Peniculus, der fuchßschwentzer, streichet herfür, geht jhm nach. Enucles wirdt sein gewahr, deckt das Kleid zu vnd sagt.
Potz Velta, nun bin ich verrahten.
30
Wo führt der Teuffl den schelmen her?
Peniculus
sagt.
Juncker, kendt jhr mich dann nicht mehr?
Vor Jarn da warn wir gut Geselln.
Hab mich gleich zu euch laden wölln.
35
Der gstalt wird es nit können gschehen.
Enucles
sagt.
Fürwar, ich hab euch nicht gesehen,
Vnd wenn ich kendt daheimen sein,
Wolt ich euch gar gern laden ein.
40
So bin ich aber gladen auß.
Peniculus
sagt.
Wo Esst jhr denn? in welchem Hauß?
Vor Jarn hat mans wenig geacht,
Wenn schon ein Gast ein mit sich bracht.
45
Nicht weiß ich, wie mans jetzundt helt.
Enucles
sagt.
Nun wann jhr dann je mit mir wölt,
So will ich euch die sach vertrauen.
Ich geh zu Thasa, der schön Frauen,
50
Das ich jhr dises Kleidt verehr.
Peniculus
sagt.
Bin ich doch daselbst gwesen mehr.
Ir wist wol, das ich bin verschwiegen.
Secht! da thut sie sich gleich herfügen.
55
Thasa
gehet ein mit Ancilla, jhrer Magdt, geht als balt hin vnd empfecht den Enuclem vnd sagt.
Ach Juncker, seit mir Gott willkummen!
Peniculus
sagt.
Zart edle Jungfrau, sagt, warumben
Ir mich nicht auch also empfacht?
60
Thasa
sagt.
Eurs gleichen ich bey mir weng acht.
Ir seit mir in mehn Hauß kein nutz.
Peniculus
sagt.
Der alten Leut ist man vrtrutz.
65
Iedoch laß ich mich nicht auß treiben.
Enucles
sagt.
Ey last jhn bey dem Essen bleiben!
Was er verthut, das wil ich zaln,
Wie ich auch vor thet zu mehr maln.
70
Er greifft in Beutel, gibt jhr gelt vnd sagt.
Da, nembt die zwen Thaler von mir!
Darumb last vns einkauffen jhr
Für drey Person ein gutes mal!
Was der Wein kost, ich bsunder zal.
75
Auch nembt von mir auff weitern bscheid
Auff diß mal meines Weibs Ehrkleidt
Vnd traget das von meinet wegen!
Der liebe Gott der woll eur pflegen,
Biß ich droben auff dem Rathhauß
80
Hab mein sachen gerichtet auß!
Er gibt jhr das Kleidt, beut jhr die hand vnd geht mit dem Peniculo ab.
Thasa
sagt zu jhrer Magd.
Ancilla, geh zu Cocleum!
Sag jhm, das er balt zu mir kum
Vnd trag das Kleidt mit dir hinein!
85
Ancilla
sagt.
Das Kleidt wird euch nit vil nutz sein;
Dann seh es sein Weib, das jhrs thet tragen,
Was meint jhr sie darzu würd sagen?
Sie dörfft euchs wol von dem halß reissen.
90
Den Cocleum will ich rein heissen.
Sie nimbt das Kleidt vnd geht ab.
Thasa
sagt.
Ja zwar, ich nah nicht dran gedacht.
Das Kleidt muß werden anderst gmacht,
Alles zerfellet vnd zertrennt,
95
Das es des Junckern Weib nit kenndt.
Die Magd kompt wider mit Cocleo, dem Koch. Der sagt.
Frau, weil jhr mich liest fodern rein,
So bin ich hie: was wolt jhr mein?
sagt.
100
Zwen Thaler ich empfangen hab.
Die nimb! geh auff den Marck hinab
Vnd kauff vns ein für drey Person!
Cocleus
sagt.
Was werd jhr dann für Gäste han?
105
Das ich mich darnach richten kan.
Thasa
sagt.
Enucles, der jung Edelman,
Der hat sich zu mir gladen her.
Cocleus
sagt.
110
Ich west auch gern, wer der dritt wer.
Thasa
sagt.
Wer sols sein? es ist Peniclus.
Cocleus
sagt.
Auff zehen ich einkauffen muß.
115
Drumb hat er des gelts zu weng bracht.
Peniclus frist so vil, als jhr acht.
Den Junckern rechen ich für neun.
Wenn ich nun gnug soll kauffen ein,
So muß ich für zehen Person kauffen.
120
Thasa
sagt.
Ey thu du deins wegs nur fort lauffen!
Kauff so vil, als man haben soll!
Der Juncker muß es zalen wol.
Cocleus geht ab.
Thasa
sagt.
125
Ancilla, ich wils nit wagen,
Das kleid vnverendert zu tragen,
Dann wenn da solt des Junckherrn Weib
Ir kleid sehen an meinem leib,
So ging sie mit mir an ein Messer.
130
Ancilla
sagt.
Ey ja, Frau! darumb ists vil besser,
Das mans anderst ferb vnd zertrenn,
Das nur des Junckern Weib nit kenn,
Dann sie gar ein böses maul hat.
135
Es müsts erfahrn die gantze Statt.
Vnd weil sie thut der eyffer treiben,
Dörfft sie sich der maß an euch reiben
Mit bösen worten, schenden vnd schmehen.
Drumb ist sich vor jhr für zu sehen.
Sie gehn ab. Phileman oder Enucles von Syracusa, der frembt, geht ein mit dem SchiffPatron vnd Jahn Panser, seim leib Knecht, Servio, eim andern Knecht, vnd etlichen stummen Personen, tragen alle bündel, als stiegen sie erst aus einem Schiff.
140
Phileman
sagt.
Gott sey lob, das wir allesandt
Sind wider ankommen zu Land!
Nun ist es schon das sechste Jar,
Das ich meinem Bruder nach fahr
145
Vnd jhn doch nirgents finden kan.
Noch will ich nicht lasen davon,
Auch nicht wider kommen zu hauß,
Biß ich jhn hab gespüret auß,
Gott geb, was mir gescheh darummen!
150
Jahn Panser
sagt.
So werd jhr nimmermehr heim kummen.
Eur Bruder ist vor lengst schon hin.
Wolt jhr bein lebndigen suchen jhn,
So ist all eur arbeit verlorn.
155
Phileman
sagt.
Halts maul! dann was ich hab geschworn,
Werd ich deinthalb nicht vnterlassen.
Zum Patrono, dem Schiffman, sagt er.
Nun weil wir all gesund auß sassen
160
Vnd jhr vns all wol habt geführt,
Euch ein danckbarer lohn gebürt,
So weist mich in ein guts Wirtshauß,
Das ich euch mit danck zal bar auß!
Da wil ich mich auch mit euch letzen,
165
Mit essn vnd trincken meins leids ergötzen.
Kompt Cocleus, der Koch, sicht sich vmb vnd sagt.
Potz, dort seh ich Enuclum stehn.
Ich will alsbalt hin zu jhm gehn.
Was ich hab kaufft, laß ich jhn sehen
170
Vnd hörn, was er darzu wird jehen.
Er geht zum Junckern Phileman vnd sagt.
Juncker, secht! ich hab kauffet ein.
Auff euch wird warten die Fraue mein.
Darumb so kombt zum essen bey zeit!
175
sagt.
Mein freund, ich weiß nit, wer jhr seit,
Vnd weiß auch nicht, wer eur Frau ist.
Der Koch
sagt.
Ey, Juncker, wenn jhr das nicht wist,
180
So müst jhr je vergessen sein.
Thasa heist die Fraue mein,
Zu der jhr euch selbst laden thet,
Den Peniculum mit euch hett,
Da jhr jhr die zwen Thaler gabt.
185
Phileman
sagt.
Eur tag jhr mich nie gsehen habt.
Kennt jhr mich denn, so thut mich nennen!
Cocleus
sagt.
Enucles, soll ich euch nicht kennen?
190
Wie vil trinckgelts habt jhr mir geben?
Phileman
sagt.
Ey, ich bin bey all meinem leben
Nie als jetzt kommen in die Statt.
Cocleus
sagt.
195
Ey schweigt! die sach kein mengel hat.
Ihr meint villeicht, das mir mein Frau
Nicht jhre heimlichkeit vertrau.
Drumb kombt desto eh zu dem Mal!
Dort secht jhr den gemalten Saal.
200
Jahn Panser
sagt.
Mein gsell, gehe du deins wegs nur hin!
Phileman
geht auff die Seiten vnd sagt zu seim gesind.
Ob der sach ich vernarret bin,
Das mich soll dieser Kerl kennen,
205
Kan mich bey meinem namen nennen,
Led mich zu seiner Frauen nab.
Darumb ich zu dem gloch lust hab
Vnd will je sehen, was das sey.
Jahn Panser
sagt.
210
Juncker, ich sags euch auff mein treu,
Das es in dieser grosen Statt
Gar vil falsch vnd lose Leüt hat.
Geht jhr hin, so seid jhr verlorn.
Patronus, der Schiffman
sagt.
215
Das Gut ist hie gar halt anworn.
Drumb geht mit vns nein ins Wirtshauß
Phileman
sagt.
Nein, ich will kein gelt geben auß.
Drumb, Jahn, nimb du den Beutl zu dir!
220
Er gibt Jahnnen den Beutl.
Zehl drinn dem Patron sein lohn für
Vnd richt ein gute Malzeit zu!
Die verzehrt, biß ich kommen thu!
Zum Koch sagt er.
225
Nun komb! so will ich gehn mit dir.
Cocleus
sagt.
Ja ich rahts auch, jhr gingt mit mir.
Sie bede gehn ab.
Patronus
sagt.
Wenn es dann nicht kan anderst sein,
230
So kombt mit mir ins Wirtshauß rein!
Da wölln wir mit freuden leben,
Auff keinen schlechten Herrn nichts geben,
Weil wir gesund hie theten schweben.
Abgang jhr aller.

(Jakob Ayrer: Comedia von zweyen Brüdern auss Syracusa, die lang einander nicht gesehen hetten vnd aber von Gestalt vnd Person einander so ehnlich wahren, das man allenthalben einen vor den andern ansahe. Mit 14 Personen, vnd hat 5 Actus. In: Ayrers Dramen. Herausgegeben von Adelbert von Keller. Dritter Band. Stuttgart: Litterarischer Verein1865, S. 2133–2175.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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