Vorspiel über die Bürgerliche Tragödie

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Vorspiel über die Bürgerliche Tragödie (1764)

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Erster Auftritt.

Der Graf, der Verfasser.
Der Graf.
Ich suchte Sie vergebens in Ihrer Behausung, und habe mich beyzeiten hieher verfügt, in der Hoffnung, Sie anzutreffen. Ohne Zweifel macht Sie meine Gegenwart verwirrt?
Der Verfasser.
Herr Graf – – – –
Der Graf.
Warum haben Sie denn Ihr Stück den Schauspielern übergeben, ohne mir ein Wort davon zu sagen?
Der Verfasser.
Ich habe gefürchtet, Sie möchten mir ein Verbrechen daraus machen.
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Der Graf.
Das würde ich in der That gethan haben. Um des Himmels Willen! Konnten Sie dann nicht auf den ordentlichen Wegen ausgezischt werden, ohne so viel fremde Hülfsmittel aufzusuchen? Serena ein bürgerliches Trauerspiel von einem Aufzuge, und zwar in Prose, lauter Dinge, davon ein einziges im Stande ist die Zuschauer zu empören!
Der Verfasser.
Ich gebe es zu; ich wiederhole es Ihnen, ich fürchtete Sie möchten meinen Vorsatz hindern. Wollen Sie dem ohngeachtet wissen, warum ich es gewagt habe mein Stück aufführen zu lassen? Blos wegen der Lobsprüche, so Sie demselben beygelegt, und weil Sie nichts von dem heroischen Schwulste des gewöhnlichen Trauerspiels darinnen angetroffen haben.
Der Graf.
Was sagen Sie? weil ich es im Verborgenen gelobt habe, so geruhen Sie nun die Schande mit mir zu theilen, die Sie auf dem Schauplatze davon einerndten werden?
Der Verfasser.
Fürchten Sie das nicht. Und über dieses was für eine Schande kan Ihnen davon zu Theile werden?
Der Graf.
So hören Sie dann, was man sagt. Ich komme eben aus dem Caffee-Hause, wohin ich mich blos als Ihr Kundschaffter begeben habe. Alle kleine Reinschmiede sind in den Waffen. Ein Trauerspiel in Prose? sagen sie, welch eine Unternehmung! Man beweiset mit mathematischer Strenge, daß ein Trauerspiel, welches nicht in Versen ist, nothwendiger Weise erbärmlich, und mit einem Worte der Pfeife würdig seyn müsse.
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Der Verfasser.
Aber warum das?
Der Graf.
Thun Sie diese Frage an mich? ... Entfernen Sie sich; dort kommt der Ritter, den Sie kennen, mit Herrn Pinsel und der Baronessin auf uns zugegangen: Sie würden sich ohnfehlbar verrathen.
Der Verfasser.
O nein! Ich schwöre es Ihnen.
Der Graf.
Verbergen Sie sich, sage ich! Oder nein, bleiben Sie immer, Sie können dann selbst urtheilen, was Sie zu hoffen haben. Nehmen Sie sich aber wohl in Acht ein einziges Wort zu sagen, welches ...
Der Verfasser.
Fürchten Sie nichts. Sie sollen sehen ob ich Spaß verstehe?

([Gottlieb Konrad Pfeffel]: Vorspiel über die Bürgerliche Tragödie. In: Serena ein Bürgerliches Trauerspiel in Prose von einem Aufzuge. Nebst einem Vorspiel. Aus dem Französischen übersetzt. Frankfurt und Leipzig: Garbe1764. (S. 3–24.)Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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