Der Edelknabe

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Figurenkonstellation

Johann Jakob Engel

Der Edelknabe (1774)

Ein Lustspiel für Kinder in einem Aufzuge

Uraufführung1774

SchauplatzDie Scene, ein Vorzimmer. Durch zwey offne Flügelthüren sieht man in ein Kabinet, worinn ein Feldbette steht. Vor dem Bette befinden sich auf einem Tabouret eine brennende Lampe und eine Uhr.

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Erster Auftritt.

Der Fürst (liegt beynahe völlig angekleidet, mit über sich geworfenem Mantel, auf dem Feldbette.) Der Edelknabe (hat sich im Vorzimmer in einen Sessel geworfen und schläft.)
Der Fürst
(erwachend)
Das heißt geschlafen! – O Gottlob, daß es Friede ist! Nun schläft man wieder, von Sorgen und vom Lärm unerweckt. –
(nach der Uhr sehend.)
Zwey Uhr? Erst zwey Uhr? – Es muß weiter seyn. Ich habe länger gelegen –
5
(Er ruft.)
Page! Page!
Der Edelknabe
(fährt in die Höhe und fällt wieder zurück.)
He! He! – Diesen Augenblick! – Gleich!
Der Fürst.
Keiner da? Keine Antwort?
10
Der Edelknabe
(wirft sich herum und murmelt.)
Ich bin ja nur jetzt – nur so eben – Ich habe ja noch so wenig.
Der Fürst.
Das spricht doch. Wer wäre denn das? –
(indem er den Schirm von der Lampe zurück schlägt und hinsieht.)
Ach! ists möglich? Das Kind? – Hat das bey mir, oder hab ich bey ihm wachen sollen? Was hat man gedacht?
15
Der Edelknabe
(ist aufgetaumelt und reibt sich die Augen)
Gnädigster Herr? –
Der Fürst.
Komm, komm, Kleiner! Ermuntere dich! – Zieh deine Uhr heraus! Meine hier ist mir abgelaufen.
Der Edelknabe
(hält sich an der Armlehne des Sessels und nickt.)
Wie? – wie, gnädigster Herr?
20
Der Fürst
(lachend.)
Du bist trunken vor Schlaf. Du machst die lächerlichste Figur von der Welt. Ich möchte dich gleich so gemalt haben. – Die Uhr, sag ich, die Uhr sollst du herausziehn. Du sollst sehn, was die Zeit ist.
Der Edelknabe
(indem er langsam näher tritt.)
Die Uhr, gnädigster Herr? – Ach verzeihn Sie! Ich habe keine.
Der Fürst.
Du träumst. Was wolltest du keine Uhr haben?
25
Der Edelknabe.
Ich habe noch nie eine gehabt.
Der Fürst.
Noch nie? Das ist viel. – Dein Vater schickt dich hieher, und giebt dir nicht einmal das Nothwendigste? Das Einzige, was du zu meiner Aufwartung brauchst? –
Der Edelknabe.
Ja, wenn ich noch einen Vater hätte!
Der Fürst.
Du hast keinen mehr? –
Der Edelknabe.
Er ist gestorben, eh ich geboren bin. Ich hab ihn niemals gekannt.
30
Der Fürst.
Du armer Knabe! – Aber so konnte doch deine Mutter, dein Vormund –
Der Edelknabe.
Meine Mutter, gnädigster Herr? Ach! Sie wissen nur nicht. Die ist so unglücklich! so arm! Sie hat an mich ihr Letztes gewandt, und zu einer Uhr war nichts übrig. – Mein Vormund sagte, ich brauchte eine; aber –
(gähnend.)
er hat mir noch keine geschafft.
Der Fürst.
Wer ist dein Vormund? –
35
Der Edelknabe.
Mein Vetter, gnädigster Herr.
Der Fürst
(lächelnd.)
Sehr wohl! Aber der Vettern giebts viel in der Welt. – Also dein Vetter? –
Der Edelknabe.
Er ist hier, glaube ich, Hauptmann unter der Garde. Er hat hier heute die Wache.
Der Fürst.
Ach ja! Ich erinnere mich. Eben der, von dessen Händen ich dich erhalten habe. – die zur Rechten, und nimm dich in Acht mit dem Lichte!
40
(ihm das Licht gebend.)
Da nimm, Kleiner! Halt fest! In dem Kabinet, dort zur Seite
(indem er darauf hinzeigt.)
müssen zwey Uhren unter dem Spiegel hangen. Bring mir
Der Edelknabe
(abgehend)
45
Ja, gnädigster Herr.

(Johann Jakob Engel: Der Edelknabe. Ein Lustspiel für Kinder in einem Aufzuge. Leipzig: Dyck1774. (S. 1–60.)Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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