Die gedruckten Theater-Regeln, oder: Welcher Stand ist beßer?

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Die gedruckten Theater-Regeln, oder: Welcher Stand ist beßer? (1779)

Ein höchst nöthiger Versuch in einem Aufzuge von ***

SchauplatzDer Schauplatz ist in des Herrn Pilsters seinem Zimmer. Es ist Samstag 10 Uhr, da sich die Schauspieler gewöhnlich wegen der Gage versammeln.

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Erster Auftritt.

Sternfreund. Kehlhammer. Mamsell Steel.
Sternfreund.
Müßen wir hier noch lange so sitzen, Mamsell?
M. Steel.
Haben sie schon geschnapst Herr Sternfreund?
Kehlhammer.
Woher nehmen, und nicht stehlen? bey meiner Seele! wenn's heute wieder so geht, wie vor acht Tagen, so schlag' das Donnerwetter drein. Wenn sie Schauspieler halten wollen, müßen sie auch zu bezahlen wißen, wo nicht, so hol' der Teufel die ganze Wirthschaft.
M. Steel.
Wißen sie auch die Ursache warum wir seit 14 Tagen keine Gage bekommen haben?
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Sternfreund.
Hr. Pilster sagte gestern zu mir, es wäre kein Geld in Kassa.
Kehlhammer.
Kein Geld in Kassa? Ich weis es beßer. Der Hr. von Flieh ist schuldig, und hat die Komediengelder dazu verwendet, das ist die wahre Ursache. Ist es aber unsere Pflicht, seinetwegen Hunger zu leiden?
M. Steel.
Ich habe davon gehört, aber ich dächte, daß es sich für niemand beßer schickte, die Sache zu betreiben, als für den Hrn. Pilster; aber der ist viel zu hinterhaltend, er schweigt lieber, um die Geheimnisse nicht zu verrathen, die Ober- und Unterdirekteurs miteinander haben.
Sternfreund.
(Lächelnd)
Ich denke immer, ehe wir's versehen, ist die ganze Nationalbühne zum Teufel. Hören sie lieber Kehlhammer! ich habe einen Vorschlag. Laßen wir die Direktion machen was sie will. Wenn wir heute unsre Gage nicht bekommen, will ich eine Bittschrift an den Herrn aufsetzen; wir beiden wollen ihn im Garten erwarten, und ihm dieselbe überreichen.
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(Kehlhammer will reden)
Hören sie! in dieser Bittschrift muß folgendes stehen: Weil es den Bürgern und
Einwohnern verbothen seye keinem Schauspieler zu borgen; und wir, da wir in drey Wochen keine Gage erhalten; nicht mehr leben könnten; Weib und Kinder hätten, die in Schmalhans Küche nie gewesen wären; zum Hungerleiden keinen Appetit, und dergleichen mehr; daß sie den dritten Artikel unsers Verhaltens zuerst gebrochen; die Theater-Regeln dadurch zernichtet; so möchte er uns doch aus Gnade unsere verdiente Gage zufliessen laßen. Wie gefällt ihnen das? nicht wahr, das kann angehen?
M. Steel.
Der Hr Sternfreund hat noch den gesundesten Einfall.
Kehlhammer.
Der Teufel sitzt immer da, als wenn er nicht fünfe zählen könnte, und hat's doch Faustdick hintern Ohren.
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Sternfreund.
Da haben sie nun wohl recht. An mir kann einer einen heimlichen Freund, auch Feind haben. Gewöhnen sie sich's auch an; seyen sie wie ich; begegnen sie Freund und Feind höflich, das ist der beßte Karakter auf der Welt; man kann hiedurch nie sein Thun und Laßen verrathen.Laßen sie sich's zur Warnung dienen, gegen niemanden zu offenherzig zu seyn, wenn sie den wahren Satz unters Herz vergraben, können sie Freunde und Feinde kennen lernen; denn der Feind wird viel fragen, und der Freund wird sich mit wenigem begnügen laßen.
M. Steel.
Sie haben ganz recht Herr Sternfreund.
Sternfreund.
Das wäre! – Hören sie Mamsell, man hat mir gesagt, daß sie dem Herrn Klesch den Korb gegeben, ist denn was daran?
M. Steel.
Was soll ich denn mit ihm? – Kann ich was dafür, daß der Hr. Pilster ihm einen Bären angebunden.
Kehlhammer.
Wenn sie meinem Rath folgen wollten, so sollten sie ihn nicht beleidigen; sie können lange warten, ehe ihnen eine so gute Gelegenheit zum Heyrathen wieder aufstossen wird.
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M. Steel.
Ba! eine solche bekomme ich alle Tage.
Sternfreund.
Mein Gott! laßen sie doch die Einbildung fahren, was nutzt sie ihnen?wir wißen wer sie sind, und sie können lange warten, bis sich jemand wieder anbiethet, sie zu heyrathen, wenn er seine Schwäger kennt.
Kehlhammer.
Da haben sie wohl recht, ha! ha! ha! ha.

(Die gedruckten Theater-Regeln, oder: Welcher Stand ist beßer? Ein höchst nöthiger Versuch in einem Aufzuge von ***. 1779. (S. 1–51.)Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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