Das Kaffee-Haus zu Paris

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Figurenkonstellation

Gottfried Conrad Böttger

Das Kaffee-Haus zu Paris (1780)

Ein Lustspiel in einem Akte

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Erster Auftritt.

Der Schauplaz stellet einen Saal des Kaffeehauses, mit verschiedenen Tischen versehen, vor. Man siehet den Poeten auf der einen Seite, neben den beyden Damenspielern in einem tiefen Nachsinnen. Der Abt schläft in einem Armstuhle, am obersten Ende des Schauplazzes. Auf der andern Seite sizzen Coronis und La Sourdiere und streiten mit einander, indem sie ihren Kaffee trinken.
La Sourdiere. Coronis. Carondas. Der Abt und zwey Spieler.
La Sourdiere.
O vor den Henker! Ich behaupte es wird geschehen.
Coronis.
Und ich, Sapperment! behaupte es wird nicht geschehen. Und ich wette hundert Pistolen; dieses Jahr giebt es nichts, mit den Türken.
La Sourdiere.
Sie könnten Einen toll machen, Herr Coronis. Sie wollen das besser wissen, als ich; und ich spreche doch, in den Thuillerien, täglich einen Herrn, welcher wöchentlich die constantinopolitanische Zeitung bekömmt.
Coronis.
Und wenns auch die babylonische wäre.
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La Sourdiere.
Das nenne ich halsstarrig! Ich sage Ihnen, daß ich gestern einen Brief in seinen Händen gesehen habe, der vom Beichtvater Eines der vornehmsten Paschas geschrieben war, der meldet ausdrücklich; daß der Großvezier mit zweymalhunderttausend Mann auf dem Marsche ist und grade auf Ofen los geht, das er zu Wasser und zu Lande belagern will.
Coronis.
Ofen? zu Wasser und zu Lande! Mit Ihrer Erlaubnis, wo haben Sie denn die Geographie gelernet?
La Sourdiere.
Wie? Ist denn Ofen kein Seehaven?
Coronis.
So viel ich weiß Nicht! Oder es müßte es seit kurzem geworden seyn.
La Sourdiere.
Vor den Henker! Ich kenne die Landkarte auch; und ich habe gereißt. Ich wette, Herr Carondas wird meiner Meinung seyn. Mein Herr! Heda! Herr Carondas! wachen Sie auf.
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Carondas.
Ha! verdammt! der Teufel hole Ihr Geschwäz! Solte man denken daß es möglich wäre, daß man hier nicht einmal vier Verse in Ruhe machen kann? und daß man beständig die schönsten Gedanken von der Welt der muthwilligen Plauderhaftigkeit unverschämter Leute aufopfern muß?
Coronis.
Was? Sie machen Verse, auf dem Kaffeehause? das ist ein lustiger Parnaß!
Carondas.
Ich sann auf das Epithalamium des Herrn Notarius Jobelin und der Tochter hier vom Hause. Sie warten auf nichts, als bis dieses fertig ist, dann werden sie sich trauen lassen; und ich habe Eine, der kostbaren Viertelstunden auf diese Arbeit verwendenwollen, worinnen ich das Lob der Götter und Helden zu singen pflege.
Coronis.
Wie? das kleine Louischen heyrathet? und was wird denn aus dem armen Dorant werden?
La Sourdiere.
Er wird so gut seyn, und wird es diesesmal lassen bey sich vorbeygehen. Herr Jobelin ist ein alter Freund von mir, und ich muß an allen Theil nehmen, was diese Heyrath angehet. Herr Carondas, darf man Ihr Hochzeitgedicht sehen?
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Carondas.
Ich habe nur erst die erste Strophe fertig. So lautet sie:
Preißt Hymen! Preißt den Gott der Ehen!
Laßt uns den frohen Tag begehen,
Der durch ein ewigs Band zween Liebende vereint.
Ihr Liebesgötter kommt, erscheint!
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Laßt euers Seegens Würkung sehen
Es müsse durch die Fruchtbarkeit
Der schönen Braut, in kurzer Zeit,
Der Bräutigam sich reich an holden Kindern sehen.
Preißt Hymen! Preißt den Gott der Ehen!
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La Sourdiere.
Der Henker! das ist erhaben! das nenn' ich einen prächtigen Anfang?
Coronis.
Und sehr vortheilhaft für den künftigen Ehemann.
Carondas.
Sie sollen noch ganz andere Dinge sehen, wenn ich es bey den Buchführern dahin bringen kann, daß sie meine unvergleichliche Uebersezzung der Batrachomiomachie des Homers drucken lassen. Denn in den Uebersezzungen der alten Schriftsteller habe ich einen ganz besondern Vorzug. Ich übersezze auch izt Virgils Aeneis in griechische Verse, zum Vergnügen derer, welche die lateinische Sprache nicht verstehen. Aber erlauben Sie mir izt, daß ich auf meine zweyte Strophe denke.
La Sourdiere.
Wohl gesagt. Auserdem wird auch unser Kaffee kalt.
Carondas.
Von Hymens Fackel....
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Der erste Damenspieler.
Ich blase Ihnen.
Der zweyte Damensp.
Warten Sie, mein Herr; so ist es nicht, Sie bringen das Spiel in Unordnung.
Der erste Damensp.
Ich bitte um Verzeihung: Ich habe dort gezogen; Sie haben hier gezogen; ich habe Ihnen zu schlagen gegeben; Sie haben in die Ecke gezogen und ich blase Ihnen.
Der zweyte Damensp.
Verflucht! Niemand hat noch so unglücklich gespielt, als ich heute.
Carondas.
Ha! Ein beständiger Lermen?

(Anonym (= Gottfried Conrad Böttger): Das Kaffee-Haus zu Paris. Ein Lustspiel in einem Akte. In: Zwey Lustspiele von einem Akt. Aus dem Französischen des Herrn Johann Baptist Rousseau übersezt. Nordhausen: Groß1780, S. 51–108.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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