Das Ehrenmaal des Patrioten

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Das Ehrenmaal des Patrioten (1774)

Singspiel

Uraufführung1774

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Unbenannter Akt

Die kindliche Liebe.
Ich überwunden? – – überwunden!
Schon glänzt der prächtige Marmor
Philotens Denkmaal
Des Patrioten.
5
Auf! schwing dich zum Sturz, meine Fackel!
Hier! an der Spitze des Haines
Steh ewig als Zeuge des Sieges!
Der Chor Der kindlichen Liebe.
Väter! Söhne! starke Triebe
Legt euch die Natur ins Herz,
10
Schmachtend reitzet euch die Liebe
Schmachtend quälet euch der Schmerz.
Der Chor Der vaterländlichen Liebe.
Väter! Söhne! stärk're Triebe
Fühlt des Patrioten Herz
Er verlacht den Reitz der Liebe
15
Was euch quälet, heißt ihm Scherz.
Die Chöre
Sich und die Natur besiegen
Nennt der Patriot vergnügen.
Der Patriot! –
Stirbt nur den Heldentod.
20
Die kindliche Liebe.
Ode
Der Patriot! –
Kennt keinen Vater als den König
Nur sterben heißt die schönste That.
Nur einmal sterben scheint zu wenig,
25
Er wünscht sich tausendfachen Tod.
Der Patriot! –
Steht muthig bey dem Sturz der Welt.
Er fällt!
Und fallend stützet er den Staat.
30
Die Chöre
Sich und die Natur besiegen
Nennt der Patriot vergnügen.
Der Patriot! –
Stirbt nur den Heldentod.
Die vaterländliche Liebe.
Ode.
35
Bebend staunte die Stadt Rom!
Bebend schlug des Brutus Herz!
Die Fama Zählte jeden Schlag,
Sie wog das Blut, das von den Söhnen,
Dem Vater in die Augen schoß.
40
Heut fährt Brutus in ein Kind!
Kinder steigen zum Olymp!
Auf! – Fama! flattre durch die Welt!
Nein! – Fama mag heut immer schweigen;
Schon spricht dieß blutig treufelnd Schwert.
45
Die Chöre.
Sich und die Natur besiegen
Nennt der Patriot vergnügen.
Der Patriot! –
Stirbt nur den Heldentod.
Die vaterländliche Liebe.
Auf! –
50
Streuet Lorber!
Die kindliche Liebe.
Auf! –
Streuet Rosen!
Schmücket freudig den Altar.
Der Tanz.
Der erste Sänger aus dem vaterländlichen Liebes-Chore.
Ode
55
Lorber! –
Schnell weich von des Kriegers Haupte!
Der dich mit fremdem Blute tränkt.
Bürger fallen! Throne zittern!
Nur sich besiegt der Krieger nicht.
60
Der Chor.
Lorber! –
Wie schöner Zierest du Philoten!
Der Bürgern, nur nicht sich verschont.
Lorber! –
Zu schmacher Schmück des Patrioten!
65
Den nur die Tugend würdig lohnt.
Die vaterländliche Liebe.
Auf! –
Streuet Lorber!
Die kindliche Liebe.
Auf! –
Streuet Rosen.
70
Schmücket freudig den Altar.
Der erste Sänger aus dem kindlichen Liebes-Chore.
Ode.
Rose! –
Wie schön ist heut des Schicksals Wechsel!
Heut steigt die Rose zum Altar.
75
Rose! –
Dich, die die Zephyrn haschend küssen,
Dich trat des Würgers Stolz mit Füssen,
Der hoch das Capitol bestieg.
Der Chor.
Wie schön ist heut des Schicksals Wechsel!
80
Heut steigt die Rose zum Altar.
Die vaterländliche Liebe.
Es dunkelt! – –
Ein heilig Schweigen
Schleicht auf dem Dunkel über den Hain!
Der Zephyr schlummert! – – –
85
Die kindliche Liebe.
Heilig rollet der Donner!
Die Stille weicht
Auf bebenden Schatten,
Von schlängelnden Blitzen erschreckt!
Ihr Donner! – – mischet
90
Eu'r prächtiges Brummen
In unsere Töne!
Tragt den Gesang
Durch die zitternde Welt!
Ode.
95
Erhabner Geist des Patrioten!
Senk' einen Blick von dem Olymp!
Zermalme gleich die Zeit den Marmor!
Das Grabmaal falle selbst ins Grab;
Zum ew'gen Nachruhm stehn die Herzen,
100
Und jedes Herz steht zum Altar.
Die vaterländliche Liebe.
Wie himmlisch? – göttlich strömt die Wonne!
Die Herzen wallen in der Glut!
Die kindliche Liebe.
Philotas steigt, hell, wie die Sonne!
Die Nacht verschwindt! der Donner ruht!
105
Die Chöre
Himmlisch, – göttlich strömt die Wonne!
Heller als die hellste Sonne
Steigt Philotens Geist herab.
Die vaterländliche Liebe.
Aus den göttlich-holden Blicken,
Die kindliche Liebe.
Fährt ein schauernd heil'g Entzücken!
110
Stralen weben sich zum Kleide.
Und ein Strom der reinsten Freude
Lodert funkelnd auf das Grab.
Die vaterländliche Liebe.
Windet euch zu Sieges-Zeichen,
Heil'ge Kränze, heil'ger Eichen!
115
Die kindliche Liebe.
Heil'ges Feuer, heil'ge Flammen
Flammen, die vom Himmel stammen.
Glänzet! wie der Sieger glänzt!
Der Chor der vaterländlichen Liebe. Der Chor der kindlichen Liebe.
Zephyrn! –
Hauchet! blaset in die Lorber.
120
Gauckelt, schwermet um die Rosen.
Sammelt Wolken aus dem Dufte!
Streuet Balsam durch die Lüfte!
Lispelt sanft dem Patrioten:
Welche Wünsche! – welch Entzücken! –
125
Welch ein Aug mit Freuden-Thränen;
Welche Flammen aus den Herzen! –
Sehnend nach dem Himmel steigen.
Die vaterländliche Liebe.
Held!
Gleich dem Olympe hoch;
130
Segne mit weihendem Blicke das Grab!
Die Chöre.
Segne! weihe
Den Altar!
Der Chor der vaterländlichen Liebe.
Segne! weihe
Hier die lorber!
135
Segne! weihe
Hier die Rose!
Die kindliche Liebe.
Rose!
Die das Herz umwindt.
Rose! – – –
140
Er verschwindt!
Die vaterländliche Liebe.
Er verschwindt! – –
Staal!
Werkzeug des Sieges!
Auf! –
145
Senke dich tief in den Marmor!
Wie du dich tief in Philoten gesenkt.
Die Chöre.
Staal! –
Schreib! – grab! tief in den Marmor
Auf! –
150
Schreib in die künft'ge Welt.
Auf! –
Schreib einen bessern Sieger!
Als den blut'gen, grausen Krieger,
Schreib des Patrioten Nam.
155
Die vaterländliche Liebe.
Philotas! – –
Die kindliche Liebe.
Philotas! – –
Nam! dich ewig zu beleichten
Glüt meine Fackel vom Olymp.
Schon seh' ich das Dunkel weichen,
160
Das schrecklich auf die Zukunft fällt.
Philotas! –
Ode.
Die vaterländliche Liebe.
Wenn einst die Zeit der Heldengrösse
Scharf prüfend durch die Mustrung zieht.
Wenn einst der Held im Arm des Sieges
165
Bey Liedern feiler Musen schläft.
Dann wird der Ernst der Tugend wache,
Sie streckt die rächend rauhe Hand,
Sie reißt den Lorber von dem Haupte,
Den Stolz und habsucht ihr entzog,
170
Sie winkt dem Ruff', – Er kömmt geflügelt,
Er trägt des Patrioten Lob,
Er eilt zur Vaterlandes-Liebe,
Er eilt zur bessern Muse hin.
Die Chöre.
Des Patrioten Lob
175
Schall' ewig in den Lorbern!
Schall' ewig um das Grab!
Die vaterländliche Liebe.
Auf! –
Schall, – auf locke Philomelen!
Die kindliche Liebe.
Auf! –
180
Schall, – auf! ruff' die Echo wache!
Der Wandersmann, der steh' entzückt.
Die Tugend schall' ihm göttlich zu,
Als oft Philotas schallt.
Die Chöre.
Des Patrioten Lob
185
Schall' ewig in der Lorbern,
Schall' ewig um das Grab,
Ewig!

(Das Ehrenmaal des Patrioten. [München] [1774]. (S. 1–12.)Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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