Unbenannter Akt
Die kindliche Liebe.
Ich überwunden? – – überwunden!
Die kindliche Liebe.
Schon glänzt der prächtige Marmor
5
Die kindliche Liebe.
Auf! schwing dich zum Sturz, meine Fackel!
Die kindliche Liebe.
Hier! an der Spitze des Haines
Die kindliche Liebe.
Steh ewig als Zeuge des Sieges!
Der Chor Der kindlichen Liebe.
Väter! Söhne! starke Triebe
Der Chor Der kindlichen Liebe.
Legt euch die Natur ins Herz,
10
Der Chor Der kindlichen Liebe.
Schmachtend reitzet euch die Liebe
Der Chor Der kindlichen Liebe.
Schmachtend quälet euch der Schmerz.
Der Chor Der vaterländlichen Liebe.
Väter! Söhne! stärk're Triebe
Der Chor Der vaterländlichen Liebe.
Der Chor Der vaterländlichen Liebe.
Er verlacht den Reitz der Liebe
15
Der Chor Der vaterländlichen Liebe.
Was euch quälet, heißt ihm Scherz.
Die Chöre
Sich und die Natur besiegen
Die Chöre
Nennt der Patriot vergnügen.
Die Chöre
Stirbt nur den Heldentod.
Die kindliche Liebe.
Kennt keinen Vater als den König
Die kindliche Liebe.
Nur sterben heißt die schönste That.
Die kindliche Liebe.
Nur einmal sterben scheint zu wenig,
25
Die kindliche Liebe.
Er wünscht sich tausendfachen Tod.
Die kindliche Liebe.
Steht muthig bey dem Sturz der Welt.
Die kindliche Liebe.
Und fallend stützet er den Staat.
30
Die Chöre
Sich und die Natur besiegen
Die Chöre
Nennt der Patriot vergnügen.
Die Chöre
Stirbt nur den Heldentod.
Die vaterländliche Liebe.
35
Die vaterländliche Liebe.
Bebend staunte die Stadt Rom!
Die vaterländliche Liebe.
Bebend schlug des Brutus Herz!
Die vaterländliche Liebe.
Die Fama Zählte jeden Schlag,
Die vaterländliche Liebe.
Sie wog das Blut, das von den Söhnen,
Die vaterländliche Liebe.
Dem Vater in die Augen schoß.
40
Die vaterländliche Liebe.
Heut fährt Brutus in ein Kind!
Die vaterländliche Liebe.
Kinder steigen zum Olymp!
Die vaterländliche Liebe.
Auf! – Fama! flattre durch die Welt!
Die vaterländliche Liebe.
Nein! – Fama mag heut immer schweigen;
Die vaterländliche Liebe.
Schon spricht dieß blutig treufelnd Schwert.
45
Die Chöre.
Sich und die Natur besiegen
Die Chöre.
Nennt der Patriot vergnügen.
Die Chöre.
Stirbt nur den Heldentod.
Die vaterländliche Liebe.
50
Die vaterländliche Liebe.
Schmücket freudig den Altar.
Der erste Sänger aus dem vaterländlichen Liebes-Chore.
55
Der erste Sänger aus dem vaterländlichen Liebes-Chore.
Der erste Sänger aus dem vaterländlichen Liebes-Chore.
Schnell weich von des Kriegers Haupte!
Der erste Sänger aus dem vaterländlichen Liebes-Chore.
Der dich mit fremdem Blute tränkt.
Der erste Sänger aus dem vaterländlichen Liebes-Chore.
Bürger fallen! Throne zittern!
Der erste Sänger aus dem vaterländlichen Liebes-Chore.
Nur sich besiegt der Krieger nicht.
Der Chor.
Wie schöner Zierest du Philoten!
Der Chor.
Der Bürgern, nur nicht sich verschont.
Der Chor.
Zu schmacher Schmück des Patrioten!
65
Der Chor.
Den nur die Tugend würdig lohnt.
Die vaterländliche Liebe.
Die vaterländliche Liebe.
70
Schmücket freudig den Altar.
Der erste Sänger aus dem kindlichen Liebes-Chore.
Der erste Sänger aus dem kindlichen Liebes-Chore.
Der erste Sänger aus dem kindlichen Liebes-Chore.
Wie schön ist heut des Schicksals Wechsel!
Der erste Sänger aus dem kindlichen Liebes-Chore.
Heut steigt die Rose zum Altar.
75
Der erste Sänger aus dem kindlichen Liebes-Chore.
Der erste Sänger aus dem kindlichen Liebes-Chore.
Dich, die die Zephyrn haschend küssen,
Der erste Sänger aus dem kindlichen Liebes-Chore.
Dich trat des Würgers Stolz mit Füssen,
Der erste Sänger aus dem kindlichen Liebes-Chore.
Der hoch das Capitol bestieg.
Der Chor.
Wie schön ist heut des Schicksals Wechsel!
80
Der Chor.
Heut steigt die Rose zum Altar.
Die vaterländliche Liebe.
Die vaterländliche Liebe.
Die vaterländliche Liebe.
Schleicht auf dem Dunkel über den Hain!
Die vaterländliche Liebe.
Der Zephyr schlummert! – – –
85
Die kindliche Liebe.
Heilig rollet der Donner!
Die kindliche Liebe.
Von schlängelnden Blitzen erschreckt!
Die kindliche Liebe.
Durch die zitternde Welt!
95
Erhabner Geist des Patrioten!
Senk' einen Blick von dem Olymp!
Zermalme gleich die Zeit den Marmor!
Das Grabmaal falle selbst ins Grab;
Zum ew'gen Nachruhm stehn die Herzen,
100
Und jedes Herz steht zum Altar.
Die vaterländliche Liebe.
Wie himmlisch? – göttlich strömt die Wonne!
Die vaterländliche Liebe.
Die Herzen wallen in der Glut!
Die kindliche Liebe.
Philotas steigt, hell, wie die Sonne!
Die kindliche Liebe.
Die Nacht verschwindt! der Donner ruht!
105
Die Chöre
Himmlisch, – göttlich strömt die Wonne!
Die Chöre
Heller als die hellste Sonne
Die Chöre
Steigt Philotens Geist herab.
Die vaterländliche Liebe.
Aus den göttlich-holden Blicken,
Die kindliche Liebe.
Fährt ein schauernd heil'g Entzücken!
110
Stralen weben sich zum Kleide.
Und ein Strom der reinsten Freude
Lodert funkelnd auf das Grab.
Die vaterländliche Liebe.
Windet euch zu Sieges-Zeichen,
Die vaterländliche Liebe.
Heil'ge Kränze, heil'ger Eichen!
115
Die kindliche Liebe.
Heil'ges Feuer, heil'ge Flammen
Die kindliche Liebe.
Flammen, die vom Himmel stammen.
Glänzet! wie der Sieger glänzt!
Der Chor der vaterländlichen Liebe. Der Chor der kindlichen Liebe.
Hauchet! blaset in die Lorber.
120
Gauckelt, schwermet um die Rosen.
Sammelt Wolken aus dem Dufte!
Streuet Balsam durch die Lüfte!
Lispelt sanft dem Patrioten:
Welche Wünsche! – welch Entzücken! –
125
Welch ein Aug mit Freuden-Thränen;
Welche Flammen aus den Herzen! –
Sehnend nach dem Himmel steigen.
Die vaterländliche Liebe.
Die vaterländliche Liebe.
130
Die vaterländliche Liebe.
Segne mit weihendem Blicke das Grab!
Der Chor der vaterländlichen Liebe.
Der Chor der vaterländlichen Liebe.
135
Der Chor der kindlichen Liebe.
Der Chor der kindlichen Liebe.
Die vaterländliche Liebe.
Die vaterländliche Liebe.
Die vaterländliche Liebe.
Die vaterländliche Liebe.
145
Die vaterländliche Liebe.
Senke dich tief in den Marmor!
Die vaterländliche Liebe.
Wie du dich tief in Philoten gesenkt.
Die Chöre.
Schreib! – grab! tief in den Marmor
150
Die Chöre.
Schreib in die künft'ge Welt.
Die Chöre.
Schreib einen bessern Sieger!
Die Chöre.
Als den blut'gen, grausen Krieger,
Die Chöre.
Schreib des Patrioten Nam.
155
Die vaterländliche Liebe.
Die kindliche Liebe.
Nam! dich ewig zu beleichten
Die kindliche Liebe.
Glüt meine Fackel vom Olymp.
Die kindliche Liebe.
Schon seh' ich das Dunkel weichen,
160
Die kindliche Liebe.
Das schrecklich auf die Zukunft fällt.
Die vaterländliche Liebe.
Wenn einst die Zeit der Heldengrösse
Die vaterländliche Liebe.
Scharf prüfend durch die Mustrung zieht.
Die vaterländliche Liebe.
Wenn einst der Held im Arm des Sieges
165
Die vaterländliche Liebe.
Bey Liedern feiler Musen schläft.
Die vaterländliche Liebe.
Dann wird der Ernst der Tugend wache,
Die vaterländliche Liebe.
Sie streckt die rächend rauhe Hand,
Die vaterländliche Liebe.
Sie reißt den Lorber von dem Haupte,
Die vaterländliche Liebe.
Den Stolz und habsucht ihr entzog,
170
Die vaterländliche Liebe.
Sie winkt dem Ruff', – Er kömmt geflügelt,
Die vaterländliche Liebe.
Er trägt des Patrioten Lob,
Die vaterländliche Liebe.
Er eilt zur Vaterlandes-Liebe,
Die vaterländliche Liebe.
Er eilt zur bessern Muse hin.
175
Die Chöre.
Schall' ewig in den Lorbern!
Die Chöre.
Schall' ewig um das Grab!
Die vaterländliche Liebe.
Die vaterländliche Liebe.
Schall, – auf locke Philomelen!
180
Die kindliche Liebe.
Schall, – auf! ruff' die Echo wache!
Der Wandersmann, der steh' entzückt.
Die Tugend schall' ihm göttlich zu,
Als oft Philotas schallt.
185
Die Chöre.
Schall' ewig in der Lorbern,
Die Chöre.
Schall' ewig um das Grab,