Amalie und Charlotte Baronessen von Habenichts: oder die ungleichen Schwestern

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Figurenkonstellation

Amalie und Charlotte Baronessen von Habenichts: oder die ungleichen Schwestern (1754)

Ein deutsches Lustspiel von einer Handlung

SchauplatzDer Schauplatz ist in einem alten Schlosse.

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Erster Auftritt.

Hr. Stock und Dorimene.
Stock.
(in einem langen Mantel, und einer großen schwarzen Peruke.)
Nun kommen Sie denn endlich einmal aus der Comödie wieder?
Dorimene.
Ja, mein Herr Stock, es war ein ganz allerliebstes Stück, der Ruhmredige, wenn sie es kennen.
Stock.
Wenn ich nur wissen sollte, was die Leute an so abgeschmacktem Zeuge sähen! Wenn wird doch einmal die Welt einen geläuterten Geschmack bey ihren Ergötzlichkeiten annehmen! Wenn man doch noch die schönen griechischen Comödien des Aristophanes und Euripides in ihrer Grundsprache spielte, und statt der italiänischen Possen hebräische Intermezzo sänge, so möchte dieß noch eine Belustigung seyn, die sich für Leute von Einsicht, dergleichen wir sind, schickte, und die die Welt, die im Argen liegende Welt, bessern könnte. Allein Tartuffen, Kranke in der Einbildung, Alziren, Cide, Betschwestern, und wie man das Zeug getauft hat, die sollen Menschen bessern? Ach du seliger
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Dorimene.
Leben Sie wohl Hr. Stock und machen Sie sich mit dem Hrn. Elkana fein lustig.
Nun was denn? Nur nichts wieder von Rabbinen.
Warum das nicht? Allein sagen Sie mir, wie kommen Sie denn auf die Baronesse Amalie? Ich glaube gar, Sie haben andere Absichten im Sinne.
Stock.
Ich kann es nicht leugnen, schönste Dorimene; ich habe schon längstens ein Auge auf sie geworfen.
Dorimene.
Nun so werfen sie nur das andre wieder herunter. Null von Null geht auf. Aus dem Handel wird nichts.
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Stock.
Zum Henker, was denken Sie denn gleichwohl von mir. Bin ich denn nicht ein
Dorimene.
Was jeder Tagelöhner davon hat; Daß Sie ruhig schlafen gehen können.
Stock.
Ja! eher wollte ich glauben, es wären Possen: Ob manoder
Dorimene.
Und eher wollte ich alle meine Spitzen und Bänder versetzen, ehe ich glauben wollte, daß so ein alter Geck, wie sie sind, die Baronesse gewinnen könnte. Wenn Sie keine andere Anweisungen zu Liebesbriefen gelesen haben als die Rabbinen, so sollen Sie sich wohl ihre Finger abschreiben, ehe sie das Herz einer Christinn erweichen. Und kurz, Herr Stock, ich dächte, es wäre am besten, wenn sie sich eine Phyllis aus dem Geschlechte Juda erwählten.
Stock.
Ich könnte Ihnen hier auf ihre Spöttereyen viel gelehrtes und gründliches antworten, allein ich mag meine Gelehrsamkeit nicht verschwenden. Man muß die Perlen nicht vor die Säue werfen. Unterdessen sagen Sie mir doch, was Sie an mir aus zu setzen finden?
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Dorimene.
Wenn Sie die ungelehrten Erinnerungen einer Christinn nicht übel nehmen wollen, mein jüdisch hochgelehrter Herr Stock, so müssen Sie fürs erste den alten zerlumpten Mantel und das alte zerfressene Nest ablegen, das sie auf dem Kopfe haben. Sie sehen, Gott sey bey uns, darinnen aus wie ein Egyptischer Zauberer.
Stock.
Mein gutes Kind, in dem Mantel habe ich schon mancher rechtschaffenen Jungfer die Abdankungsrede gehalten. Doch es kömmt mir auch hierauf nicht an. Der Mann muß den Mantel und nicht der Mantel den Mann zieren. Was haben Sie denn nun noch mehr zu tadeln.
Dorimene
(auf die Seite)
Der ganze Kerl taugt nichts.
(zu Hrn Stock.)
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Nun, mein Hr Stock, nun müssen Sie sich eine artige, neufaconnirte Peruke zu legen. – – – Doch was ist das für ein Lärm. Treten sie geschwind ein wenig auf die Seite.

(Amalie und Charlotte Baronessen von Habenichts: oder die ungleichen Schwestern. Ein deutsches Lustspiel von einer Handlung. In: Neue Erweiterungen der Erkenntnis und des Vergnügens. Dritter Band. Frankfurt und Leipzig: Friedrich Lankischens Erben1754, S. 263–307.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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