Die Maskerade

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Figurenkonstellation

Johann Ludwig Schlosser

Die Maskerade (1767)

Ein Lustspiel in einem Akt

Uraufführung1785

SchauplatzDer Schauplatz ist bald ein Saal, bald ein an denselben gränzendes Kabinett.

Zurück
Weiter

Erster Auftritt.

Der Schauplatz ist ein großer Saal, der das Vorzimmer des Tanzsaals ist, prächtig geschmückt und erleuchtet. Hinten zeigen sich zwo Flügelthüren, die zum Tanzsaale führen. Auf der Hinterbühne steht an jeder Seite ein Schenktisch und neben denselben Lakeyen, die mit Erfrischungen aufwarten. Weiter hervor stehen viele Spieltische, an welchen maskirte Personen spielen. Viele Masken gehen aus dem Tanzsaale aus und ein. Man hört, als von fern, die Musik, die im Tanzsaale ist. Auf der Vorderbühne befinden sich Lucinde und Lisette, beide maskirt.
Lisette.
Sie scheinen heute sehr übel aufgeräumt zu seyn.
Lucinde.
Ich?
Lisette.
Ja, Sie; mit wem sollte ich etwa sonst reden?
Lucinde.
Was weiß ichs? Aber woraus schliessest du, daß ich nicht aufgeräumt bin?
5
Lisette.
Woraus? Aus allem, was Sie nur vornehmen. Ich habe Sie zum Exempel noch niemals so schlecht tanzen sehen, als heute.
Lucinde.
(lebhaft)
Nein, im Ernste, habe ich schlecht getanzt?
Lisette.
Schlecht, in Vergleichung mit dem, was Sie hätten thun können.
Lucinde.
Glaubst du, daß man es bemerkt hat?
10
Lisette.
Nicht wahr, das wollten Sie doch nicht gern? Und warum soll auch die ganze Gesellschaft darunter leiden, daß Ihnen eine Person in derselben mißfällt?
Lucinde.
Mir! Wer denn? Ich kann dich versichern, ich habe so wenig auf die Gesellschaft Acht gegeben, daß ich noch nicht zehn Personen davon erkenne.
Lisette.
O, die, welche ich meine, kennen Sie gewiß.
Lucinde.
Ich wüßte keine; du müßtest es denn seyn. Ich habe mich über deine unendliche Langsamkeit bey meinem Ankleiden nicht wenig geärgert.
Lisette.
O, gehorsame Dienerinn. Ich weiß, daß meine ganze Person viel zu unwichtig ist, um Sie übel aufgeräumt zu machen. Wenn Sie mir gleich beym Nachttische ein Dutzend Ehrentitel anhängen; so haben Sie das doch in zwo Minuten wieder vergessen. – Aber, ein ganz anderer Gegenstand –
15
Lucinde.
Nun, welcher denn? – Ich weiß in der That keinen, und ich bin auch so aufgeräumt, als man es nur immer seyn kann, wenn man in acht Tagen heyrathen soll.
Lisette.
Das war es eben! Ich habe es sehr wohl bemerkt, daß Ihr Herr Bräutigam der Gegenstand Ihres Mißfallens ist.
Lucinde.
Im geringsten nicht. Er mißfällt mir nicht, ob er mir gleich auch nicht gefällt. Er ist mir völlig gleichgültig. Ich heyrathe ihn, weil mein Vater es gern sieht, und weil man doch einmal heyrathen muß. – Warum sollte er mir mißfallen? Er ist ein wohlgebildeter, angenehmer Mann, von vieler Lebensart, und – wie ich hoffe, von guten Herzen.
Lisette.
Sie vergessen die Hauptsache, und von unermeßlichem Vermögen: welches er zwar, leider, noch nicht hat, aber doch gewiß kriegen wird, so bald sein Herr Oheim ihm den Gefallen thun will, dies mühselige Leben zu verlassen. – Es ist wahr, wie könnte solch ein Mann mißfallen? Und dennoch wette ich, daß Ihre Miene heiterer seyn würde, wenn ein gewisser Herr von Leander dies Festin gegeben hätte.
Lucinde.
Leander? – Weit gefehlt! Nichts ist mit so verhaßt, als er.
20
Lisette.
O ja, das glaube ich wohl. Sie hassen ihn eben deswegen, weil er das Geheimniß gefunden hat, Ihnen zu gefallen.
Lucinde.
Welch ein Unsinn! Ich hasse ihn, weil ich ihn liebe! Was kannst du doch in deinem Kopfe zusammen reimen!
Lisette.
Sie werden unwillig! Beweis genug, daß ichs getroffen habe. – Aber war eine kleine nichtswürdige Zänkerey es wohl werth –
Lucinde.
O, wir würden dergleichen Zänkereyen alle Tage gehabt haben. Er war ein unausstehlicher Mensch, der verlangte, daß sich alles nach seinen eigensinnigen Grundsätzen richten sollte.
Lisette.
Aber dabey war er doch auch sehr liebenswürdig, und Sie hatten sich schon ziemlich daran gewöhnt, sich nach ihm zu richten. – Nicht wahr, wenn er nicht weggereist wäre; so würde Herr von Valer der glückliche Mann nicht seyn.
25
Lucinde.
Die Wahrheit zu gestehen; ich weiß nicht, was aus mir würde geworden seyn, wenn er da geblieben wäre. Vielleicht hatte er in vielen Stücken recht; vielleicht hätte ich mit der Zeit allen Leichtsinn abgelegt, und wäre so philosophisch geworden, als er.Aber er trieb den Eigensinn gar zu hoch, und wir mußten brechen.
Lisette.
Bey dem allen halten Sie das doch wohl für sein größtes Vergehen, daß er in zwey Jahren keine Zeile an Sie geschrieben hat?
Lucinde.
O, das sieht seinem Stolze sehr ähnlich. – Aber ich wollte nur, daß er itzt von seiner Reise zurück käme, und zu seiner Demüthigung sähe, wie ich einem Nebenbuhler, der ihm damals gar nicht gefährlich schien, die Hand gebe.
Lisette.
Sie wünschen es? Ihr Wunsch ist schon erfüllt. Er ist hier, und er wird auch auf diesen Ball kommen.
Lucinde.
Er ist hier? – Was will er denn? Was hat er für Absichten?
30
Lisette.
Vermuthlich Ihnen zu Ihrer Verbindung Glück zu wünschen.
Lucinde.
Ich glaube, er hat dich bestochen. Aber, seine Absichten mögen seyn, welche sie wollen, so soll er sie nicht erreichen. Ich werde meinem Bräutigam sagen, daß er ihn nicht zuläßt.
Lisette.
Bedenken Sie wohl, was Sie thun. Wollen Sie den Herrn von Valer eifersüchtig machen? Führen Sie vielmehr Ihren erstenheldenmüthigen Entschluß aus, und demüthigen Sie Leanders Stolz rechtschaffen.
Lucinde und Lisette werden durch andere Masken unterbrochen, die sich in ihr Gespräch mischen, welches aber, weil sie höher auf dis Bühne hinauf treten, von den Zuschauern nicht weiter gehört wird. Unterdessen sind Geront und Valer aus dem Tanzsaale gekommen, und betreten die Vorderbühne.

(Johann Ludwig Schlosser: Die Maskerade. Ein Lustspiel in einem Akt. In: Neue Lustspiele. Bremen: Cramer1767, S. 269–317.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.