Emilie oder die Philosophisch-Verliebten

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Figurenkonstellation

Emilie oder die Philosophisch-Verliebten (1770)

Ein Lustspiel von einem Aufzuge

SchauplatzDer Schauplatz stellet in Emiliens Hause einen Saal vor.

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Erster Auftritt.

Emilie und Lisette.
Emilie.
So ist es Lisette! Valer hat mich berichtet, daß unser Proceß geendiget sey; wir sind als Unschuldige frey gesprochen, der boshafte B* aber für sein Verbrechen in eine dreyjährige Gefängnißstrafe, und nachdem aus der Provinz verwiesen zu werden, verurtheilt worden. Wir haben diesen glücklichen Ausgang nur dem großmüthigen Valer zudanken.
Lisette.
Dank sey es den Göttern! und diesem großmüthigen Menschen: ohne dessen Hülfe wären wir längst nicht mehr, wir würden ein Raub jenes Bösewichts, und sie Mademoiselle ihrer Unschuld und Tugend beraubet worden seyn.
Emilie.
Ja, Lisette, ich bin ihm mein Leben, und meine Ehre schuldig: Er hat beydes gerettet. Entfernt von meinen Aeltern, und verfolgt von meinen Verwandten, finde ich hier unbekannt an ihm meinen Erretter und Befreyer; überdem hat mich Valer in die beste liebenswürdigste Bekanntschaft geführt.
Lisette.
Aber, Emilie, wie wollen sie sich dankbar genug gegen diesen himmlischen Mann bezeigen?
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Emilie.
Dieses ist eben meine Beschäfftigung, meine einzige Sorge. Was soll ich für ihn thun? Ich will ihm mein ganzes Vertrauen, meine ganze Freundschaft schenken, und als meinen einzigen vertrauten Freund, als meinen Beschützer ihn lieben.
Lisette.
So wollen sie ihm unser Geheimniß vertrauen? Ach! ich fürchte, so großmüthig Valer ist, so sehr würde er uns verlassen, wenn er uns näher kennen würde.
Emilie.
So sehr ich ihn liebe, so sorgfältig muß ich es ihm doch verbergen, wer ich bin. Ich habe ihm schon bey meiner ersten Unterredung gesagt, daß ich ihm meine Geburt, und meinen wahren Namen nicht entdecken könnte, er ist auch großmüthig genug, mir dieses Geheimniß zu lassen.
Lisette.
Wenn aber, der Himmel wolle es nicht! wenn aber Valerens großmüthige Freundschaft sich in Liebe verwandeln sollte, wenn er als ihr Befreyer ihr Herz verlangte, wie würden sie sich gegen ihn rechtfertigen?
Emilie.
Dieser Fall, Lisette, wäre critisch! Ich verlasse mich aber auf Valerens Großmuth. Ich muß es dir bekennen, mein Herz fühlt für ihn mehr, als Dankbarkeit, ja ich würde es ihm selbst mit meiner Hand anbiethen; allein, die Verfassung, in welcher wir leben, verbietet es eben so sehr, als ich dazu geneigt seyn würde: Indessenhabe ich bis jetzo noch nichts an dem Valer bemerkt, was mich seiner Liebe wegen beunruhigen könnte. Hochachtung, und großmüthige Handlungen sind seine Hauptcharakter.
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Lisette.
Könnte aber nicht der fernere Umgang mit ihnen, diese Hochachtung in Liebe verwandeln? In diesem Fall ist keiner Mannsperson zu trauen: Die heftige Leidenschaft, macht öfters die großmüthigsten zu niederträchtigen, und die hochachtungswürdigsten, zu abscheulichen; jedoch will ich dieses nicht wünschen.
Emilie.
Laß uns diese Materie vergessen, und sey vielmehr bedacht, daß alles veranstaltet werde, unsern kleinen Cirkel von Freunden in meinem Garten zu bewirthen, sie möchten mit ihrem Besuch nicht mehr lange verweilen. – Da kommt schon Mariane!
(Lisette geht ab.)

(Emilie oder die Philosophisch-Verliebten. Ein Lustspiel von einem Aufzuge. Leipzig: Holle1770. (S. 1–88.)Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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