Die Maler

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Figurenkonstellation

Joseph Marius Babo

Die Maler (1783)

Ein Lustspiel

Uraufführung1782

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Erster Auftritt.

Glimour, Stephan.
Glimour's Zimmer. Er ist beschäftigt ein Migniaturporträt, welches an seiner Stafelei hängt, ins große zu malen.
Glimour.
(Seine Arbeit betrachtend)
Ja, freilich! ein Mädchen wird's immer; auch zur Noth ein hübsch Mädchen. Ob's aber mein Röschen wird! – Es ist verdammt schwer aus so einer winzigen Schülerarbeit eine helle Vorstellung zu fassen. Meine Phantasie arbeitet zu viel für ein Porträt. – Ich mein, die Oberlippe ist nochzu platt, das ist's, was ich in einer Phisiognomie am wenigsten leiden kann!
(malt)
So! – heraus! nicht so spöttisch! edler! so! hm! vielleicht kanns werden!
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(malt)
Das Aug mehr offen! Den Winkel nicht so spitzig! – Ha! was ein paar Pinstelstriche nicht thun können! Nu, nu, für einen Historienmaler mag der Kopf immer hingehen.
Stephan.
Der Herr Baron von Kranberg läßt sich Ihnen empfehlen, und in einer halben Stunde möchte er Sie heimsuchen.
Glim.
Wird mir lieb seyn. Meine Empfehlung!
Steph.
Die Gräfinn Herrbach kömmt mit ihm.
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Glim.
Gut. Meine Empfehlung! – Ich hoffe, daß Ebrecht seine Arbeit fertig hat.
(steht auf)
Das soll ein guter Tag für mich werden, wenn mein Vorhaben gelingt, und
ich hoff' es soll. – Stephan! – wenn ich nur der Visiten überhoben wäre; die Leute glauben mir eine Ehre damit zu erzeigen! ja, wenns Männer wären, mit denen sich etwas über Kunst und Geist sprechen ließ! aber so – – Doch, heute gehört ihre stolze Dummheit in meinen Plan! – Stephan?
Steph.
kömmt.
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Glim.
Die Staffelei auf die Seite! Ein wenig aufgeräumt!
(er nimmt das Gemälde von der Staffelei weg, und stellt's verkehrt an die Wand.)
Steph.
Ei! das ist ja – –
Glim.
Was! was ist!
Steph.
Ich mein, das wär die Mamsell Ebrecht!
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Glim.
Meint er?
(zeigt's ihm)
Steph.
Leibhaftig, mein Seel!
(er stellt sich nach dem Licht und betrachtets)
der
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Kopf geht scharmant hervor, wie lebendig! scharmant! mein Seel! – aber, Herr! sie hat Ihnen ja nicht gesessen, und Sie sahen Sie gewis nicht über drey oder viermal! das konnte mein voriger Herr nicht.
Glim.
Wer war das?
Steph.
Ein Maler, den ich hier bediente.
Glim.
Wie hieß er?
Steph.
Ja sein Name war so kauderwälsch, daß ich ihn niemals behalten konnte. Er war ein Franzose, und hielt sich hier eine Zeitlang auf. Das war mir ein rechter –
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Glim.
Was?
Steph.
Windbeutel! Der machte den Leuten hier einen Dunst vor die Augen. Ich ärgerte mich oft, über meine Landsleute, wenn sie so da standen und Maul und Naseaufsperrten, wenn der Quacksalber ihnen über Dinge räsonnirte, die er so wenig verstund, als sie. Er lief aus einem Herrschaftshause in das andere, küßte die Hände, machte Bücklinge. Deshalb sah' man ihn auch immer in nobler Gesellschaft. Unsre junge Ritter hatten ihren Erzspaß mit ihm; sie nannten ihn schlechtweg bei seinem Namen, sie stießen ihm in die Rippen, peitschten ihn mit ihren Sommerstöckchen um die Waden, und mein Herr lachte sich halb tod über den gnädigen Spaß. Ich glaube er hätte gestolen und gekuppelt, wenn er dafür sich einem Grafen in den Arm hängen, und so mit ihm über die Straße schlenzen, oder mit einer Gräfinn spazieren fahren durfte. Was war's am Ende? Er versäumte seine Arbeiten. Abends war Spiel und Soupper bei ihm, er machte Schulden, konnte nichtzahlen, und gieng auf und davon. Mein Lohn steht noch hinter der Thür.
Glim.
Das mag wohl das schlimmste an ihm gewesen seyn?
Steph.
Nein, mein Seel nicht! wenn's heut in ihrem Belieben stünde ohne mich zu zahlen zu verreißen; so müßte ich als ein ehrlicher Kerl immer sagen: Das war ein wackerer Künstler, nicht stolz, nicht pralend, nicht kriechend, der nicht durch hofiren und Händeküssen sich einen Glanzfirniß zu geben suchte!
Glim.
Nu, nu, ich dank einsweilen und zahlen werd' ich auch. Gehe er izt zum Herrn Ebrecht, und sag' er ihm, daß ich ihn diesen Morgen mit dem Bewußten zu sehen hoffe! Mein Complement! – Wenn mein Aufwärter einen galonnirten Rock an hätte, so könnte er wohl für einenklugen Mann gelten. Das hätt' ich in einem Farbenreiber nicht gesucht, weil ich es oft in einem Manne von Distinktion suchte und nicht fand.
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(er nimmt das Porträt und betrachtet es aufmerksam)

(Joseph Marius von Babo: Die Maler. Ein Lustspiel. München: Strobl1783. (S. 1–62.)Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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