Der Besuch

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Christian Gottlob Klemm

Der Besuch (1765)

Ein Lustspiel in einem Aufzuge

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Erster Auftritt.

Celimene, Finette.
Celimene.
Siehst du nun, wie behutsam man mit den Mannspersonen umgehen muß? Wie lange man sie für rechtschaffen, für zärtlich, für beständig halten kann? und auf einmal ist der Verräther da. Alle sind Verräther, alle Mannspersonen. Wie sehr danke ich dem Himmel, daß ich Erasten nunmehro meine Hand nicht schon vor einem Vierteljahre gegeben habe.Itzt wäre ich wieder so elend, so unglücklich, wie in meiner ersten Ehe. Und ich habe es noch nicht einmal meiner Klugheit zu danken, ein Zufall hat seine Gemüthsart aufgedecket. Du hast Wunder gedacht, wie gut du Erasten kennst. Nicht wahr, du hast dich betrogen?
Finette.
Ich gestehe es ihr Gnaden, ich hätte Häuser auf den Erast bauen wollen. Er war immer so sanftmüthig wie ein Lamm, er hat sich ja gewunden, gedreht. Auf diese Art sind freylich die Mannsbilder keinen Kreutzer werth. Der Erast, das fromme Lämmel.
Celimene.
Und der reissende Tyrann im Herzen. Ich weiß es aus der Erfahrung. Wie kroch mein verstorbener Mann vor meinen Füßen herum, da er mich zu seiner Gemahlin begehrte. Er war verliebt, ich weiß es gewiß; Aber wie lange blieb er es? Gerade neun Wochen nach der Hochzeit; da war Celimene vergessen, er war mit dem größten Widerwillen in meiner Gesellschaft, und, und ach! du weißt es nur mehr als zu wohl, jedes Kuchelmensch war ihm lieber als seine zärtliche Gemahlin.
Finette.
Nun der ist tod, ihr Gnaden. Und das ist schon recht. Ich weiß es vollkommen, er verdiente ihr Gnaden im geringsten nicht. Aber wenn nun das Heyrathen so eine gefährliche Sache ist, warum wollen sie sich ihr Gnaden gleichwohl wieder verheyrathen?
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Celimene.
Mädel, du wirst nasenweis. Ich bin noch jung, die Wittwen sind verachtet, ich lebe gerne ungezwungen. Da hast du Ursachen genug; und kurz, weil ich mich das erstemal schlecht verheyrathet habe, so will ich mich das zweytemal desto besser verheyrathen. Sollte denn gar kein würdiger Mann mehr in der Welt seyn, mit dem man glücklich seyn könnte?
Finette.
Ich weiß nicht, ihr Gnaden, ich habe auch schon drey Amanten gehabt, und die sind alle dreyzum Schelm geworden. Ihr Gnaden sehn, daß ich noch immer ledig bin, und man wird doch auch alle Tage älter.
Celimene.
Der Erast, den ich für einen so zärtlichen Jüngling gehalten habe, der hängt sich an eine Cydalise, die weder Verstand, noch Schönheit, noch sonderlichen Reichthum hat? Ach wie sehr verabscheue ich ihn, und alle Männer.
Finette.
Es kann aber seyn, daß er noch nicht so strafbar ist, als es die Leute Euer Gnaden weiß machen wollen.
Celimene.
Die Leute haben recht. Das allgemeine Gerücht trügt niemals. Man spricht ja schon von einer Vermählung unter ihnen.
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Finette.
Das glaube ich in meinem Leben nicht.
Celimene.
Nun die Sache wird sich heute zeigen. Cydalise hat mir versprechen lassen, daß sie heute gewiß kömmt. Erast auch. Beyde wissen nichts von einander. Beyde denken Wunder, was ich für Heimlichkeiten mit ihnen auszumachen habe. Sie werden sich sehn, und da wird es sich gleich zeigen, ob die Leute Recht oder Unrecht gehabt haben.
Finette.
Den Auftritt wäre ich selber neugierig zu sehen.
Celimene.
Da soll sich der Betrüger schämen! Was für zärtliche Sachen hat er mir nicht immer vorgesagt, wie sehnlich hat er mich um mein Herz gebeten! O ich mag nicht mehr dran denken. Weißt du auch, daß der Damis kömmt?
Finette.
Der vorige Amant von der Cydalise?
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Celimene.
Ja, und der sich itzt alle ersinnliche Mühe giebt, mir zu gefallen. Chlorinde, die so lange schon heimlich für ihn seufzet, kömmt auch.
Finette.
Und keines weiß etwas von dem andern?
Celimene.
Nein.
Finette.
Nun das wird eine lustige Unterhaltung seyn. Aber was haben denn ihr Gnaden für Absichten bey diesen letzteren?
Celimene.
Ich will mich an ihrer Bestürzung, an ihrer Verlegenheit weiden, kurz, ich will mich rächen, triumphiren, und ihnen zeigen, daß ich sie alle verachte.
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Finette.
Ich höre ein Getöß. Das wird schon jemand von der Gesellschaft seyn.
Celimene.
Nun so geh, ich werde dir schon läuten, wenn ich dich brauche.

(Christian Gottlob Klemm: Der Besuch. Ein Lustspiel in einem Aufzuge. In: Der österreichische Patriot. Drey und vier und siebenzigstes Stück. Wien: Schulz1765, S. 577–592.Aus: Fischer, Frank, et al. Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama. In: Proceedings of DH2019: Complexities, Utrecht University, 2019.)

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